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Afrika

Konflikte und Krisen

Tschadsee: Hungerkrise

Humanitäre Hilfe in der Tschadsee-Region

Die Ernährungs- und Sicherheitslage um den Tschadsee mit den angrenzenden Ländern Nigeria, Kamerun, Niger und Tschad verschlechtert sich zunehmend. Durch die Anschläge der Terrorgruppe Boko Haram wurden in der Region bereits über zwei Millionen Menschen gewaltsam vertrieben. Die ohnehin von Armut geprägte Bevölkerung kann weder sich noch die Vertriebenen und Flüchtlinge ausreichend versorgen. Mehr als sieben Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, und die Hilfsapelle von Hilfsorganisationen und den Vereinten Nationen sind gerade einmal zu 40 Prozent gedeckt.

Porträtaufnahme einer FrauHaoua Abdoulay und ihre Familie werden von der Caritas mit Lebensmitteln versorgt.Michael Stulman, CRS

Gastgemeinden zeigen sich solidarisch

Auf der tschadischen Seite des Tschadsees suchten mehr als 124.000 Vertriebene und Flüchtlinge Schutz. Die Gastgemeinden zeigen sich sehr solidarisch: „Wir bekamen vom Dorfvorsteher Land, damit wir ein neues Leben beginnen können“, erzählt Moussa Mavo, ein sechzigjähriger Fischer, der aus Nigeria flüchtete und auf der tschadischen Seite des Sees ein neues Zuhause fand. Auch Haoua Abdoulay, die mit ihrer Familie vor der Boko Haram an den Tschadsee flüchtete, ist voll des Lobes: „Wir wurden herzlich willkommen geheißen, bekamen Matten und Stroh für unsere Hütte“.

Die Region leidet allerdings selbst unter der Situation und ist von Armut und Ernährungsunsicherheit geprägt. Die Wirtschaft ist völlig zusammengebrochen, seit die Straßen zu den ehemaligen Warenumschlagsplätzen zu gefährlich geworden sind. Wo einst jährlich bis zu 150.000 Tonnen Fisch verkauft wurde, liegt heute ein ausgestorbener Marktplatz. „Wir sind jetzt in Sicherheit“, so Haoua Abdoulay, „aber wir haben kaum zu Essen“.

Ein Caritasmitarbeitender in einem BootCaritas stellt Pirogen (Fischerboote) bereit.Caritas international

Landwirtschaft und Fischfang sichern die Ernährung

In Yekiram, nordwestlich von Baga-Sola, hat Caritas international gemeinsam mit der lokalen Caritas ein Nothilfeprojekt initiiert, das Flüchtlinge, Vertriebene und Gastgemeinden entlastet und die Lebensbedingungen für alle verbessert.

Dabei verfolgt das Projekt eine unmittelbare Hilfe und eine längerfristige Perspektive. So werden einerseits Nahrungsmittel verteilt, aber auch Saatgut und landwirtschaftliche Geräte, damit die Menschen Getreide und Gemüse zur Selbstversorgung anbauen und Mehrerträge verkaufen können. Der See selbst bietet mit seinen Fischvorkommen eine weitere Nahrungsquelle. Darum werden zusätzlich Geräte für den Fischfang und Pirogen (einfache Boote) bereitgestellt. Der Bau von Brunnen verbessert den Zugang zu Trinkwasser und Bewässerung. Weiter baut Caritas Latrinen und schult die Menschen in korrektem Hygieneverhalten.

Gemeinsam mit dem internationalen Caritas-Netzwerk

Lokale und internationale Caritasverbände unterstützen seit mehreren Monaten in Nigeria, Niger, dem Tschad und in Kamerun die Opfer der Hungerkrise und der Gewalt mit Nahrung, Wasser, Hygiene- und Haushaltsartikeln und Notunterkünften. In Workshops werden die Flüchtlinge im Bau von Notunterkünften angeleitet.

Für Hilfsprojekte in Nigeria hat Caritas international Ende Januar bereits 300.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Juni 2017