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Afrika

Krisen und Konflikte

Uganda: Prävention gegen Gewalt

Interview mit den Regisseuren des Film "Lost Children"

Ali Samadi Ahadi & Oliver StoltzAli Samadi Ahadi & Oliver Stoltz

Warum habt ihr den Film "Verlorene Kinder" gemacht?

Kinder bilden das schwächste Glied in der Gesellschaft. Sie spüren die Wucht einer Krise am härtesten. Mehr als 300.000 Kinder werden als Soldaten missbraucht. Es spielt keine Rolle welche hohen Ziele bei diesen Auseinandersetzungen verfolgt werden: Kinder zu rauben oder sie zum töten zu zwingen ist und bleibt ein Verbrechen. Ein Kind das getötet hat ist gezeichnet für sein ganzes Leben. Und das Traurige dabei ist, dass diese Opfer über keine eigene Organisation oder Lobby verfügen. Dafür müssen sich die Erwachsenen stark machen. 

Warum habt ihr für euren Film ausgerechnet Uganda gewählt?

Man hätte eine ähnliche Geschichte auch in Burma, Kolumbien oder Angola erzählen können. Doch der Weg, den die Hilforganisationen in Uganda ausgesucht haben, um die Kinder wieder in die Gesellschaft zurück zu führen, ist sehr spannend. Manche NGOs, darunter auch die Caritas in Gulu, verbinden europäische und traditionelle Methoden in ihrer Arbeit. Der Clan, die Gemeinde, wird mit in die Verantwortung gezogen. So fällt die Ablehnung der Kinder schwerer und macht den Weg in die Gesellschaft einfacher. Leider klappt das nicht immer, wie wir im Verlauf der Dreharbeiten feststellen mussten.

Was unterscheidet "Verlorene Kinder" von anderen Filmen über Kindersoldaten?

Wir machen keine politische Reportage über einen Konflikt und dessen schwierige Hintergründe. Es ist ein Film ganz aus der Perspektive der Kinder. Bei diesem Thema muss man aufpassen, dass man nicht plump und gefühlig wird aber auch eine reißerische Berichterstattung über "Kleine Killer" kam für uns nicht in Frage. Wir wollten statt dessen beobachten, wie es die Kinder schaffen, mit den Problemen aus der Entführung umzugehen. Beeindruckend war ihre Zuversicht und Kraft trotz des Erlebten am Guten nicht zu zweifeln und Hoffnung für die Zukunft zu behalten.   

Wer hat euch bei der Produktion unterstützt? 

Ohne die personelle und logistische Unterstützung der Caritas Gulu in Uganda hätte dieser Film so überhaupt nicht entstehen können. Wir alleine hätten uns in diesem Gebiet nicht bewegen können. Das ist die einzige Hilfsorganisation, der nicht in erster Linie ihre Büros und Jeeps am Herzen liegen, sondern die Menschen vom Stamm der Acholis. Sie wagen sich als Einizige in Gebiete, wo sonst keiner hingeht, um zu helfen. Und sie arbeiten fast nur mit lokalen Kräften für einen Bruchteil der Kosten, die die anderen internationalen Hilfsorganisationen für ihre weißen Mitarbeiterstatt für die Bevölkerung ausgeben. Die Caritas Gulu, die Kirche mit ihren Bischof Odama und die Priester in den Missionen leisten hier übermenschliches für kein Geld und sie sind wirklich für ihr Volk da. Deswegen sind die Kirchen übervoll. Und das sagen wir, obwohl wir keiner Kirche angehören und schon gar nicht katholisch getauft sind. Der Film selbst wurde vom Land Niedersachsen gefördert und Arte ist in das Film-Projekt voller Begeisterung eingestiegen.

Filmteam mit AusrüstungDas Filmteam

Welche Perspektive seht ihr für die Menschen und die Region?

Sicherlich ist der frisch abgeschlossene Friedensvertrag zwischen Nord- und Südsudan ein Schritt in die richtige Richtung um den Konfliktherd Ost-Afrika zu entzerren. Denn durch diesen Frieden werden Amerika und Uganda vielleicht die militärische Unterstützung der Südsudanesen beenden, und die Regierung Sudans wird vielleicht aufhören die LRA zu unterstüzen. So könnte auch Josef Kony an den Verhandlungstisch gezwungen werden. Aber wie wir wissen, sind Waffenstillstandsabkommen und Friedensverhandlungen in der Region sehr zerbrechlich. Wir glauben, dass eine Verhandlung unter der Aufsicht einer internationalen Organisation der richtige Weg wäre um dem Elend der Menschen im Norduganda ein Ende zu setzten. Als letzter Ausweg bleibt die Anklage gegen Joseph Kony, den Anführer der Rebellen durch den internationalen Strafgerichtshof (ICC). Ein Haftbefehl würde Nägel mit Köpfen machen und eine friedliche Einigung womöglich formal gefährden. Doch als Druckmittel, um die Rebellen wieder an den Verhandlungstisch zu holen, sollte es ruhig stärker zum Einsatz kommen.