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Afrika

Krisen und Konflikte

Uganda: Prävention gegen Gewalt

Zum Wohle der Kinder

Die Mehrzahl der Menschen in Uganda sind Kinder unter 18 Jahren. Sie gehören zu der verwundbarsten Personengruppe des Landes: Zweidrittel der Menschen in Uganda, die unter der Armutsgrenze leben, sind Kinder. Die zunehmend unsichere Ernährungslage, Krankheiten, häusliche Gewalt und auch fehlende Schulen sind nur einige Faktoren, die Kinder verletzbar machen.

Hinzu kommt: Kinder in Uganda sind Waisen oder Halbwaisen - eine Folge des jahrzehntelangen Krieges zwischen der LRA (Lord Resistance Army) und den Regierungstruppen. Die Mehrzahl der rund  2,5 Millionen Waisenkinder lebt im ärmeren Norden des Landes. Jeder vierte Haushalt versorgt hier ein Waisenkind.

Zudem haben viele Familien und Gemeinden während des Bürgerkriegs Flucht und Vertreibung erlebt. Damit sind gesellschaftliche Mechanismen zur Lösung von Konflikten vielfach verloren gegangen. Wenn Streitschlichtung nicht praktiziert wird, wenn traditionelle Räume der gewaltfreien Austragung von Konflikten schlicht nicht mehr existieren, wächst die Gefahr eines gewaltsamen Auslebens von Sorgen und Existenzängsten. Kinder, die in Pflegefamilien aufgenommen wurden, sind oftmals ohne Vertrauensperson:  Manche Betreuer, die Waisenkinder aufnehmen, vernachlässigen die Kinder oder  missachten die Kinderrechte vor allem der nicht leiblichen Kinder und Jugendlichen. Familien stehen vielfach vor ökonomischen Existenzproblemen, die ökonomische Not verschärft die Not der Kinder: Mädchen werden in dieser angespannten Lage gerne früh verheiratet und damit ihre Zukunftsperspektiven eingeschränkt. Teenagerschwangerschaften sind  verbreitet.

Eine Krankheit mit gesellschaftlichen Folgen

In der Acholi Region stellt sich die Situation für Kinder aufgrund der dort auftretenden Nickkrankheit besonders schwierig dar. Die Krankheit ist dort in den späten 2000er Jahren aufgetreten und betrifft mehrere Tausend Kinder und Jugendliche.

Portrait einer jungen Frau in einer HütteDiese Junge Frau leidet an der Nickkrankheit. Bei einem Krampfanfall fiel sie in eine offene Feuerstelle und verbrannte sich beide HändePhilipp Spalek

Über die Ursache der kaum erforschten Krankheit ist wenig bekannt. Sie tritt vermutlich in Verbindung mit einer durch einen Wurm ausgelösten Infektionskrankheit auf, welche  auch Flussblindheit verursacht. Episodisch auftretendes Kopfnicken, Krampfanfälle und eine Art epileptischer Anfälle sind nur ein Anzeichen. Die erkrankten Kinder und Jugendlichen leiden häufig unter Wachstumsstörungen oder physischen und geistigen Behinderungen. Das ist der Grund, warum die meisten an der Nickkrankheit leidenden Kinder und Jugendlichen nicht zur Schule gehen. Nicht selten werden sie vernachlässigt oder gar misshandelt, und gerade junge Mädchen werden immer wieder auch Opfer sexueller Belästigungen. Die betroffenen Kinder und ihre Angehörigen werden in den Gemeinden stark stigmatisiert.

Weitsichtig planen - umsichtig handeln

Wenn die Caritas Gulu einen Projektplan schmiedet, um die Situation der Kinder zu verbessern, denkt sie von zwei Enden her: auf der einen Seite stehen die konkreten Bedürfnissen der betroffenen Kinder: Sie brauchen Schutz, Vertrauenspersonen, medizinische Hilfe. Auf der anderen Seite ist relevant, was es für gesamtgesellschaftliche Veränderungen braucht, um  für Kinder ein Umfeld zu schaffen, das sie befähigt und das ihre Rechte gewährleistet.

Mit einem Schulbuch, einer medizinischen Behandlung oder der psychosozialen Einzelbetreuung kann Einzelnen gezielt geholfen werden - ein wichtiger Teil der Projekte ist daher die individuelle Förderung. Kinder und Jugendliche mit physischen oder psychischen Behinderungen sowie jene, deren Rechte durch Kinderarbeit oder Missbrauch verletzt wurden oder die alleine einem Haushalt vorstehen oder aber an einer chronischen Krankheit leiden, werden hier bevorzugt unterstützt.

Durch umsichtiges Handeln an der Basis wird der Zugang der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Familien zu medizinischer Versorgung und rechtlicher Unterstützung verbessert. Auch werden einzelne Betroffene psychosozial betreut. Die Caritas organisiert zudem Kinderfreizeiten, denn viele Kinder brauchen diese Auszeit, um wieder Mut zu fassen und ihre Stärken spielerisch zu entdecken. Andere erhalten rechtlichen Beistand oder einen Krankenhausbesuch oder ein wichtiges Medikament  - je nachdem, was für ihre Notlage Priorität hat. Dank des vielseitigen Angebotes der Partner von Caritas international können 1.200 Kinder ganz  individuell unterstützt werden.

Das Wohl der Kinder geht alle an

Doch darüber hinaus müssen die Risiken minimiert werden, die zur Verletzung von Kinderrechten führen: ökonomische Not, Unwissenheit über Kinderschutz, Überforderung. Daher zählen für die Caritas Gulu auch die Eltern und Betreuer sowie Verantwortliche aus Staat und Zivilgesellschaft zur Zielgruppe des Programms: Für sie und gemeinsam mit ihnen werden Fortbildungen organisiert, lokale Komitees für Kinderrechte gegründet und ein Erfahrungsaustausch ermöglicht. Dafür wird u.a. eine Plattform zur Stärkung der Kinderrechte geschaffen. Informationsbroschüren und regelmäßige Radio-Talkshows sorgen dafür, dass die gesamte Gesellschaft besser informiert ist und so schließlich handlungsfähiger wird, wenn es darum geht zu entscheiden, was zum Wohle und zum Schutz eines Kindes zu tun oder zu lassen ist.  

Dezember 2016