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Afrika

Krisen und Konflikte

Uganda: Prävention gegen Gewalt

Mädchen auf einer PisteIm Norden von Uganda: Der Alltag ist in der strukturschwachen Region schwierig zu meisternCaritas international

Der Norden Ugandas trägt schwer an seiner Geschichte. Folterungen und Ermordung von über 12.000 Menschen, Entführung von mehr als 25.000 Kindern, Vergewaltigungen und Verstümmelungen: Das ist die Bilanz von zwanzig Jahren Krieg im Norden Ugandas. Fast zwei Millionen Menschen waren mehr als zehn Jahre lang gezwungen, in Flüchtlingslagern zu leben. Nach dem Rückzug der Rebellenorganisation LRA (Lord’s Resistance Army) aus Norduganda in die Nachbarländer DR Kongo und Südsudan im Jahre 2007 hat sich die Sicherheitslage in Norduganda inzwischen stabilisiert. Jedoch bestimmt in der Region im Norden des Landes nach wie vor eine große soziale Unsicherheit das Leben der Menschen.

Strukturschwache Region

Zum einen hat der langjährige Konflikt seine Spuren hinterlassen, die den Aufbau einer sicheren Existenz erschweren: Der Norden weist bis heute eine nur minimale Infrastruktur auf. Schulen, Gesundheitszentren und Straßen sowie Verwaltungen sind oft sehr dürftig ausgestattet oder nicht in erreichbarer Nähe. Zum anderen braucht es Zeit, um Versöhnung und Frieden zu schaffen und eine funktionierende Sozialstruktur und Zivilgesellschaft wieder aufzubauen. 

So erschweren häufig Konflikte um den Landbesitz ein friedliches und produktives Leben in den Dörfern. Viele Nachbarn wussten nicht mehr, wem welches Grundstück und welches Feld gehörte oder ob die Besitzer/innen wieder zurückkehren würden.

Hunderttausende von Menschen in Norduganda haben mehrere Jahre ihres Lebens auf engstem Raum in Notunterkünften und Flüchtlingslagern gelebt. Nach der Flucht vor Gewalt und Willkür, in der Angst vor weiteren Übergriffen, ohne eine Perspektive auf ein eigenes Einkommen, waren viele von ihnen über Jahre von fremder Hilfe weitgehend abhängig. Auch war ihre Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt, aus Angst vor Übergriffen, wegen Militärsperren und staatlichen Regulierungen in den Flüchtlingslagern. 

Insbesondere die Männer haben in ihrer gesellschaftlichen Rolle als Versorger der Familie ihre Aufgaben weitgehend eingebüßt, viele stellten damit ihre Identität, ihr Selbstbewusstsein, ihre Persönlichkeit in Frage. Das hat nicht nur zu einer hohen Rate an Selbstmorden geführt. Der Missbrauch von Alkohol, Gewalt gegen andere - insbesondere auch gegenüber Frauen und Kindern - sind unübersehbare Folgen.

Uganda-Konflikte_loesenDon Bosco, Mitarbeiter der Caritas Gulu, moderiert den Austausch über Gewalterfahrungen.Birgit Kimmerling

Die Gewalt bis in die Familien

Inzwischen gehören im Norden Ugandas häusliche Gewalt, Alkoholmissbrauch und eine steigende Anzahl an Selbstmorden zu den akuten Problemen des Zusammenlebens innerhalb der Dörfer, Städte und Familien. Nach der Heimkehr und dem Verlassen der Flüchtlingslager hat sich der Alkoholkonsum stark ausgebreitet. Soziale Unsicherheit, die Erfahrung von Willkür und Armut verbunden mit einer tiefsitzenden Perspektivlosigkeit wirken sich auf das soziale Miteinander aus.

Sowohl Männer als auch Frauen greifen zu körperlicher Gewalt. Viele verlassen ihre Familien. Kinder werden oft zum Ziel gewalttätiger Handlungen und ebenso oft von ihren Eltern verstoßen. Die Anzahl der Morde und Gewalttaten gegenüber Kindern steigt stetig. Auch sind hohe Infektionsraten mit dem HI-Virus und hohe Raten an Aidskranken eine Folge dieser anhaltenden gesellschaftlichen Krise.

Die Caritas Gulu bietet, unterstützt von Caritas international, eine dorf- und familienbasierte Sozialarbeit an, um Gewaltopfer zu stärken und gegen die häusliche Gewalt auch präventiv vorzugehen. Dazu werden lokale Mediatoren ausgebildet,  die direkt in die Familien gehen.

Dezember 2016