zurück

Afrika

Situation

Uganda: Flucht vor dem Krieg im Südsudan

Fast zwei Millionen Menschen waren im Norden Ugandas mehr als zehn Jahre lang gezwungen, in Flüchtlingslagern zu leben. Nach dem Rückzug der LRA (Lord’s Resistance Army) aus Norduganda in die Nachbarländer DR Kongo und Südsudan 2007 ist die strukturschwache Region noch immer als Nachkriegsgesellschaft vor die Herausforderung gestellt, den lange ersehnten Frieden zu wahren.

Hütten in einer Flüchtlingssiedlung in AdjumaniHütten in einer Flüchtlingssiedlung in AdjumaniFoto: Philipp Spalek

Umso belastender ist für die Gemeinden die Aufnahme von über einer halben Million Flüchtlinge aus den Nachbarländern. Der größte Teil der 200.000 südsudanesischen Flüchtlinge, die sich seit Ausbruch des Kriegs im eigenen Land über die Grenze nach Uganda gerettet haben, werden von der Regierung im grenznahen Distrikt Adjumani angesiedelt. Sie stammen vor allem aus den südsudanesischen Bundesstaaten Equatoria, Upper Nile und Jonglei. Rund 180 Neuankömmlinge täglich zählt das staatliche Registrierungszentrum im grenznahen Nyumanzi im Durchschnitt.

Caritas Gulu um Hilfe gebeten

Die kleine Diözese Arua, die eigentlich für das Flüchtlingsgebiet in Adjumani zuständig wäre, war mit dem starken Zustrom der Flüchtlinge aus dem Süsudan schnell überfordert. Bischof Sabino Ocan Odoki der Diözese Arua hat daraufhin die Caritas der Erzdiözese Gulu gebeten, in den Lagern in Adjumani aktiv zu werden. 

Joel Ocaya von der Caritas Gulu ist für die Flüchtlingshilfe in Adjumani verantwortlich.Joel Ocaya von der Caritas Gulu ist für die Flüchtlingshilfe in Adjumani verantwortlich.Foto: Philipp Spalek

Die Caritas Gulu, die bereits während des 20-jährigen Bürgerkriegs im eigenen Land humanitäre Hilfe für Inlandsvertriebene leistete und Zentren zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten betrieb, verfügt über die nötige Erfahrung. In Absprache mit der ugandischen Regierung und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR kümmert sich die Caritas Gulu derzeit um etwa 5.000 Flüchtlinge in den Siedlungen Ayilo und Mungola. In diesen Siedlungen haben sich bereits in den 1980er- bis 90er Jahren Flüchtlinge aus dem Sudan angesiedelt. Sie waren damals vor dem Krieg zwischen dem Norden und Süden des inzwischen geteilten Landes geflohen.

Schrittweise Anpassung an die neue Lebensrealität

Während die Vertriebenen im Südsudan in zum Teil riesigen Zeltstädten der UN leben, wohnen die Flüchtlinge in Adjumani in unmittelbarer Nachbarschaft mit der ugandischen Bevölkerung. Viele Flüchtlingssiedlungen unterscheiden sich optisch kaum von den Siedlungen der Einheimischen.

Die Flüchtlinge aus dem Südsudan konkurrieren mit den Einheimischen zum Beispiel um knappe Wasserressourcen.Die Flüchtlinge aus dem Südsudan konkurrieren mit den Einheimischen zum Beispiel um das knappe Wasser.Foto: Philipp Spalek

Man teilt den Menschen ein Stück Land zu und stellt ihnen Material für den Bau einer eigenen Unterkunft zur Verfügung. Dennoch ist ihre Ausgangslage sehr schwierig. Die meisten Flüchtlinge in Adjumani gehören der Bevölkerungsgruppe der Dinka an, die traditionell vor allem von der Viehzucht lebt. In Adjumani haben sie weder den Platz noch das nötige Vieh, um ihre gewohnte Lebensweise beizubehalten. Sie sind daher weitestgehend auf professionelle Hilfe angewiesen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten und ihre Lebensweise Schritt für Schritt umstellen zu können.

Solidarität auf dem Prüfstand

Sowohl der Staat als auch die Bevölkerung in Adjumani zeigen sich grundsätzlich sehr solidarisch mit den Flüchtlingen aus dem Nachbarland. Lange genug litten die Menschen in Norduganda selbst unter verheerenden Kriegswirren und haben daher Verständnis für die Situation der Flüchtlinge aus dem Südsudan. Dennoch: Durch die neuen Nachbarn aus dem Südsudan müssen auch sie sich umstellen. Die Einheimischen in Norduganda siedeln meist in kleinen Familienkomplexen mit relativ großzügigen Abständen zu den Nachbarfamilien. Nun konkurrieren sie mit den südsudanesischen Flüchtlingen nicht nur um knappe Ressourcen wie Wasser oder Brennmaterial, sondern auch um Ackerland und Schulplätze. Da die einheimische Bevölkerung ohnehin schon unter teilweise sehr ärmlichen Verhältnissen lebt, birgt die zusätzliche Belastung der Gastgemeinden auch Konfliktpotential. Dieser angespannten Situation trägt die Caritas bei der Planung und Durchführung ihrer Hilfe Rechnung.

Zwei Drittel der Flüchtlinge unter 18 Jahren

Laut offiziellen Angaben ist die Sicherheitslage in Adjumani weitestgehend ruhig, wenngleich es gerade im Bildungsbereich zu kleineren Aufständen aufgrund mangelnder Kapazitäten in den Schulen kam.

Unterricht in einer von Caritas unterstützten Schule in der Flüchtlingssiedlung Ayilo.Unterricht in einer von Caritas unterstützten Schule in der Flüchtlingssiedlung Ayilo.Foto: Philipp Spalek

Dass gerade hier ein Engpass entsteht, wundert kaum: Mit 65 Prozent stellen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren den größten Teil der südsudanesischen Flüchtlinge, gefolgt von Frauen als zweitgrößte Gruppe. Dem extrem steigenden Bedarf an Schul- und Ausbildungsplätzen gilt daher auch das Augenmerk der internationalen Hilfsorganisationen. Denn aufgrund der verheerenden Sicherheitslage und Willkür im angrenzenden Südsudan, die sich seit dem wirtschaftlichen Absturz und mit dem Rückzug der ugandischen Armee Ende 2015 weiter verschlechtert hat, rechnet die Caritas Gulu vorerst nicht mit einem Rückgang des Flüchtlingszustroms.

Mai 2016