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Asien

Krisen und Konflikte

Afghanistan: Hilfe für die konfliktbetroffene Bevölkerung

Hilfe für die konfliktbetroffene Bevölkerung

Kinder spielen mit Wasser an einem der neuen BrunnenKinder an einem der neuen BrunnenPieter-Jan De Pue

In enger Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort verbessert Caritas international auch die Lebensbedingungen der konfliktbetroffenen Bevölkerung - zum Beispiel in den Flüchtlingscamps der Hauptstadt Kabul. Viele leben hier ohne fließendes Wasser und ohne Heizung. Die Hilfen umfassen hier Gesundheitsberatung, Lebensmittel und Winterpakete.

Seit über 30 Jahren ist Caritas international in Afghanistan aktiv. Die Anfänge der Hilfe liegen im Kampf gegen Lepra und Tuberkulose. Während der Taliban-Herrschaft in den 1990er Jahren organisierten die Mitarbeiter zusätzlich Schulunterricht für Mädchen. Nach dem Sturz der Extremisten im Jahr 2002 wurden die Caritas-Aktivitäten inhaltlich ausgeweitet. Auch wurde die Arbeit auf Kabul, das afghanische Hochland und später auf den Nordwesten ausgedehnt.

Kinder trinken frisches Brunnenwasser.Endlich gibt es sauberes Trinkwasser Pieter-Jan De Pue

Hochland und Nordwesten

Das Hasaradschat im afghanischen Hochland zählt zu den ärmsten Regionen im Land. Die Klimabedingungen sind harsch, und die Ernten reichen meist nicht aus, um genügend Vorräte zu schaffen. Fast 48 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an Mangelernährung, die Säuglingssterblichkeit ist hoch.Der Zugang zu sauberem Wasser ist sehr begrenzt, Krankheiten wie Tuberkulose und Lepra sind verbreitet. Zudem fehlt es an Perspektiven für die junge Generation. Im Nordwesten des Landes sieht es ähnlich aus.

Trinkwasser und Hygiene

Bereits 2012/2013 baute Caritas international mit Unterstützung des Auswärtigen Amts in der Provinz Daikundi hunderte Brunnen und Biosandfilter, durch die natürlich vorkommendes Wasser zu Trinkwasser aufbereitet wird. Quellen wurden gefasst und  Geologen haben vor Projektbeginn die Böden untersucht, um sicherzustellen, dass der Grundwasserspiegel durch die Wasserentnahme nicht weiter sinkt.

Im Bau befinden sich weitere Brunnen und Biosandfilter. Die Haushalte erhalten Zugang zu Latrinen, wodurch sich Gesundheit und  Lebensqualität verbessern. Mit den Familien werden Hygienetrainings durchgeführt. Aufgrund der Maßnahmen können lokale Arbeiter beschäftigt werden, besonders Bedürftige erhalten neben dem Lohn noch Nahrungsmittelhilfe. In 15 Gemeinden wurden Katastrophenvorsorge-Komitees gegründet und Baumaßnahmen zur Katastrophenvorsorge durchgeführt.

Ernährungssicherung

In der Ernährungssicherung unterstützt Caritas international fast zehntausend Menschen in 133 Gemeinden in den Provinzen Daikundi, Ghor, Bamyan, Herat und Balkh. In Daikundi ist Caritas seit Jahren mit Projekten zur Nahrungssicherung und Katastrophenprävention präsent. Die Bevölkerung ist dabei aktiv eingebunden und erhält für ihre Arbeit einen Lohn (Cash-for-Work) oder Naturalien (Food-for-Work).

Für eine langfristige Verbesserung der Ernährung hat die Wissensvermittlung einen großen Stellenwert. Unterrichtet werden landwirtschaftliche Anbaumethoden, Hygiene und Ernährung, Tiergesundheit, Weidebewirtschaftung, Milchproduktion, Anlage von Hausgärten und Vermarktungsstrategien für die eigenen Produkte. Als Grundstock erhalten die Familien Saatgut, Dünger und Obstbaumsetzlinge. Demonstrationsställe und -gewächshäuser dienen dazu, den Austausch zu fördern und das Gelernte in die Praxis umzusetzen.

Schaffung von Existenzgrundlagen

Um der jungen Generation, die in die Städte oder ins Ausland abwandert, eine Bleibealternative zu bieten, werden Existenzgrundlagen und Einkommensmöglichkeiten geschaffen. Dazu erhalten die Bauernfamilien Kleinkredite, Forbildungen in Vermarktung und Finanzplanung. Mit der Gründung von Vermarktungsgruppen können sich die Familien besser vernetzen und profitieren voneinander.

Damit aber überhaupt Produkte vermarktet werden können, muss aus der Subsistenzwirtschaft, also der reinen Selbstversorgung, ein Produktionsbetrieb werden. Mit Feldschulen, Hausgärten, verbesserter Viehhaltung, diversifizierter Anbauweise und resistenterem Saatgut lassen sich die Erträge in Landwirtschaft und Viehhaltung steigern. Um Böden besser zu schützen und Katastrophen vorzubeugen, werden Wasserauffanggräben und Schutzwälle gebaut. Flächen, die von starker Bodenerosion betroffen sind, können durch Aussaat von Futterpflanzen regeneriert werden.

Zwei Kinder und drei Erwachsene in einem Wartezimmer.Kind in einer der von Caritas gebauten Kliniken.Pieter-Jan De Pue

Gesundheitszentren für Tuberkulose- und Leprakranke

Bereits seit den 1980er Jahren fördert Caritas im zentralen Hochland und im Norden Afghanistans den Aufbau der Gesundheitsversorgung und unterstützt die Partnerorganisation LEPCO (Leprosy and TB control program).

Neun Kliniken für Lepra- und Tuberkulosepatienten wurden in schwer zugänglichen Gebieten aufgebaut. Betroffene werden behandelt und mit Medikamenten versorgt und die Bevölkerung wird über die Zusammenhänge von Hygiene und Gesundheit aufgeklärt. Arifa Armaghan und  Reza Wifaq, Mitarbeiterinnen des Klinik-Programms, berichten von einem Besuch einer Klinik. Die neun Kliniken entstanden in den Provinzen Balkh, Daykundi, Bamyan, Wardak, Ghazni und Ghor.

Bildung

Im Distrikt Scharistan und im Bezirk Aschterlay baute Caritas sieben Schulen für Mädchen. Die Schulen sind inzwischen an die lokalen Gemeinden sowie das afghanische Bildungsministerium übergeben worden. Damit ist zumindest ein Tabu aus den Zeiten der Taliban-Herrschaft überwunden; Mädchen und Frauen haben ein Recht auf Bildung.

Straßen- und Brückenbauprojekte

Mit lokalen Partnern in Daykuni wurden kilometerlange Passstraßen neu eingerichtet oder wiederhergestellt. An dem Projekt können sich auch Frauen beteiligen. In einer Werkstatt der Caritas lernen sie Drahtkörbe zu flechten. Die Drahtgeflechte schützen die neuen Straßen wie auch Felder und Bewässerungskanäle vor Erosion.

Juli 2017

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Afghanistan: Praxis, Grundsätze und Perspektiven

Mit dieser Broschüre zieht Caritas international eine Zwischenbilanz über die seit 1984 andauernde Arbeit des Hilfswerks in Afghanistan.