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Asien

Krisen und Konflikte

Afghanistan: Hilfe für die konfliktbetroffene Bevölkerung

„Ich habe meinen tuberkulosekranken Vater gepflegt“

Arifa Armaghan und  Reza Wifaq arbeiten im Team. Die beiden sind in Afghanistan für das Programm der LEPOC Kliniken zuständig, die sich auf Tuberkulose und Lepra-Erkrankungen spezialisiert haben.  Regelmäßig besuchen Arifa Armaghan und ihr Kollege Reza Wifaq die neun Kliniken des Programms und machen sich von der praktischen Versorgung und medizinischen Betreuung der Leprakranken und den Tuberkulosepatientinnen ein Bild. Bei einem ihrer Besuche in der Klinik in Yakawlang (Provinz Bamian) im Juli dieses Jahres sprachen sie mit der 24-jährigen Rahima L. an ihrem Krankenbett. Die Worte der jungen Patientin stehen für eine individuelle Erfahrung, die dennoch kein Einzelfall ist.

Portrait von 2 FrauenRahima L. (links) und eine weitere Patientin in der LEPOC Klinik in Yakawlang während eines Besuches der Projektmitarbeiterinnen des Programms zur Behandlung von Tuberkulose- und Leprakranken. Arifa Armaghan

"Vor sechs Jahren hatte ich das ständige Gefühl, dass sich mein Gesundheitszustand irgendwie verschlechterte. Besorgniserregend und unheimlich war dann vor allem dieser Husten: Wenn ich hustete, oft nachts, war das mit dem Gefühl verbunden, dass mein ganzer Körper zusammenbricht und mich mein Rücken nicht mehr hält.

Dieser Husten brachte mich dazu, von Arzt zu Arzt zu laufen. Ich habe viel Geld für die Ärzte ausgebeben, die alle darauf beharrten, dass ich eine Infektion habe, deren Symptome durch das kalte Wetter noch verstärkt worden wären. Ich bekam Spritzen und Medikamente, und dennoch ließ der Husten nicht nach. Auch wurde ich immer schwächer. Mein Zustand wurde so schlimm, dass ich weder schlafen noch essen konnte, tatsächlich fühlte ich mich gar nicht mehr richtig in dieser Welt.

Erst sehr spät wurde ich auf die LEPCO Klinik aufmerksam und erhielt dort einen Arzttermin. Anstelle von Medikamenten, die ich mir wie gewohnt verschreiben lassen wollte, wurde ein Speicheltest und ein Röntgenbild angefertigt. Dann riet mir der Arzt, als Patientin für zwei Monate in der Klinik zu bleiben - die Diagnose war plötzlich klar: ich hatte eine schwere Tuberkulose. Die Behandlung war kostenfrei, und sie war sehr gut, nicht nur medizinisch, sondern auch die Versorgung.

Nach dem Klinikaufenthalt nahm ich noch vier Monate lang weiter Medikamente, und nach dieser intensiven Behandlungsphase fühlte ich mich wieder gesund. Erst viel später litt ich bei einem Husten wieder unter diesem Gefühl, dass mir das Rückgrat zerbricht. Dieses Mal ging ich gleich in die LEOCO Klinik - für ganze drei Monate. Mein Vater ist an Tuberkulose gestorben, doch über die Ansteckungsgefahr waren wir nicht unterrichtet. Ich habe meinen Vater gepflegt, in ein Krankenhaus konnten wir ihn nicht bringen. Dazu fehlen uns als Bauernfamilie die finanziellen Mittel. Daher bin ich sehr froh, dass mich nicht meine Kinder oder Verwandten pflegen müssen und dass die Klinik für die Kosten aufkommt. Medikamente, Mahlzeiten, Hygieneartikel, alles wurde bezahlt und damit auch meine Familie entlastet."

Die Organisation LEPOC (Leprosy and TB Control Program) arbeitet mit Unterstützung von Caritas international seit den frühen 1980er Jahren und unterhält derzeit neun Kliniken, die in abgelegenen Regionen des Landes liegen wie im zentralen Hochland und in den Distrikten Bandar Sang Takht, Kidschan, Ashterla und Scharistan. Der Schwerpunkt der medizinischen Hilfe liegt auf der Behandlung von Leprakranken und Tuberkulose-Patienten und -Patientinnen. Betroffene erhalten Nahrungsmittelhilfe und Medikamente, die Bevölkerung wird über die Zusammenhänge von Hygiene und Gesundheit aufgeklärt.

Juli 2017