zurück

Asien

Krisen und Konflikte

Afghanistan: Aufbauhilfe in der Bergregion Hasaradschat

Hilfe bis ins abgelegene Hochland

Im kargen Hochland des HasaradschadIm kargen Hochland des HasaradschatTimo Christians / Caritas international

Das Hasaradschat im afghanischen Hochland ist eine karge Region. Kaum ein Baum oder Strauch, kaum Felder und Nutzpflanzen. Nichts, was die Natur einfach her schenkt. Besonders hart sind die kalten und schneereichen Wintermonate. Wenn der heiße und trockene Sommer eine schlechte Ernte beschert hat, reichen die Vorräte nicht bis zur nächsten Ernte aus.

Nur ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung hat Zugang zu Brunnen oder sauberen Quellen. Die meisten Bewohner der unzugänglichen Region holen ihr Wasser aus verschmutzten Flüssen oder Bewässerungskanälen. Regelmäßig werden Kinder und Erwachsene von Durchfall geplagt. Die Kindersterblichkeit aufgrund von Krankheiten durch verschmutztes Wasser ist extrem hoch.

So hilft die Caritas

Seit 30 Jahren ist Caritas international in Afghanistan aktiv. Die Anfänge der Hilfe liegen im Kampf gegen Lepra und Tuberkulose. Während der Taliban-Herrschaft in den 90er Jahren organisierten die Mitarbeiter zusätzlich in Moscheen Schulunterricht für Mädchen. Nach dem Sturz der Extremisten im Jahr 2002 sind die Caritas-Aktivitäten dann stark ausgeweitet und auf das bettelarme afghanische Hochland sowie Kabul konzentriert worden. In der Hauptstadt wurde ein Büro aufgebaut, in dem derzeit 23 Mitarbeiter arbeiten. Tragende Säule des humanitären Engagements der Caritas sind die fünf afghanischen Partnerorganisationen, die für die Umsetzung der Projekte zuständig sind. Zu den wichtigsten Aktivitäten in Kabul zählte in den vergangenen zwölf Jahren der Aufbau psycho-sozialer Zentren für Kriegstraumatisierte, die Flüchtlingsarbeit und die Schaffung von Therapieangeboten für Drogenkranke. Im afghanischen Hochland wurde zunächst der Aufbau von Schulen, Straßen, Krankenhäusern und Brunnen vorangetrieben. In den nächsten Jahren sollen die Kleinbauern der Region in die Lage versetzt werden, dank neuer Samen und besserer  Anbautechniken sich künftig selbst ernähren zu können.

Versorgung mit Trinkwasser und Hygieneprogramm

Mit Unterstützung durch das Auswärtige Amt hat Caritas 2012 in der Provinz Daikundi 56 Brunnen gebohrt und  fünf Quellen gefasst. Zusätzlich installierten die Mitarbeitenden 40 Biosandfilter, mit denen Wasser durch selbstgebaute Mineralfilter als Trinkwasser aufbereitet wird. Aus Eigenmitteln finanzierte Caritas im Jahr 2013 den Bau von weiteren 100 Brunnen, 10 Quellen und 20 Biosandfiltern.

Kinder spielen mit Wasser an einem der neuen BrunnenEndlich sauberes Trinkwasser! Kinder an einem der mehr als 1000 neue BrunnenPieter-Jan De Pue

Die Brunnen ermöglichen den Fortbestand der Subsistenzwirtschaft, die durch die jahrelange Dürre im Hochland des Hasaradschat stark geschädigt ist. Geologen haben vor Projektbeginn die Böden untersucht, um sicherzustellen, dass der Grundwasserspiegel durch die Brunnen nicht weiter sinkt.

Mit dem Bau von Latrinen an öffentlichen Plätzen wie Schulen, Moscheen und Basaren, dem Bau von Familientoiletten und der Verteilung von Hygienepaketen soll dauerhaft die Gesundheit verbessert und die Lebensqualität erhöht werden. 

Parallel zu den Baumaßnahmen schult Caritas lokale Gesundheitserzieher/innen und klärt in Kursen über Hygiene und Gesundheit auf. Die Gesundheitserzieher/innen geben ihr Wissen in ihrer Region weiter. Sie rufen die Frauen der Dörfer zusammen und besprechen mit ihnen Grundprinzipien hygienischen Verhaltens.

Bildung

Bildung ist der Schlüssel zu Gesundheit, Arbeit und zur Gleichstellung der Geschlechter. Schon in den Städten Afghanistans ist die Analphabetenrate sehr hoch. In den ländlichen Regionen aber haben die Menschen noch seltener Zugang zu Unterricht und Bildung. Dies gilt insbesondere für Mädchen und Frauen, die erst seit wenigen Jahren überhaupt wieder zur Schule gehen dürfen.

Afghanische Mädchen in einer SchuleNoch immer ein seltenes Bild: Afghanische Mädchen in der Schule / Caritas international

Insgesamt sieben Mädchen-Schulen hat Caritas seit 2002 im Hasaradschat im Distrikt Scharistan und im Bezirk Aschterlaii gebaut.

Die Schulen sind inzwischen teilweise an die lokalen Gemeinden sowie das afghanische Bildungsministerium übergeben worden. Damit ist zumindest ein Tabu aus den Zeiten der Taliban-Herrschaft überwunden; Mädchen und Frauen haben ein Recht auf Bildung.

Gesundheitszentren und Klinik für Tuberkulose- und Leprakranke

Neben Schulen und Straßen, fehlen im Hasaradschat vor allem Krankenhäuser und Ärzte. Gesundheitseinrichtungen sind so rar, dass viele Menschen tagelange Fußmärsche auf sich nehmen müssen, um einen Arzt zu konsultieren. Hinzu kommt, dass viele Siedlungen im Winter oft monatelang von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Die Hauptursache von Krankheiten in Afghanistan und insbesondere im Hasaradschat sind Unterernährung und der Mangel an sauberem Trinkwasser. Typisch sind daher neben Durchfallerkrankungen vor allem Lepra und Tuberkulose. Hiervon besonders betroffen sind Frauen und Kinder.

Caritas förderte im Hasaradschat den Aufbau der Gesundheitsversorgung. Bereits 1984 unterstützte Caritas international die Partnerorganisation LEPCO (Leprosy and TB control program), die Lepra- und Tuberkulosepatienten in insgesamt zehn Kliniken behandelt.

2004 konnte mit Hilfe von Caritas international ein neues Krankenhaus in Scharistan gebaut werden, in dem neben Lepra- und Tuberkulosebehandlungen auch Basisgesundheitsschulungen und Ausbildungen für Krankenpflegerinnen angeboten werden.

Insgesamt weitere vier Kliniken hat Caritas international seit 2006 in den Distrikten Bandar Sang Takht, Kidschan und Ashterla gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung gebaut. Das jüngste Bauprojekt in Ashterla wurde im Jahr 2009 begonnen und hat inzwischen seine Arbeit aufnehmen können. Alle Kliniken konnten nach Fertigstellung in die Verantwortung des afghanischen Gesundheitsministeriums übergehen.

Straßen- und Brückenbauprojekte

Voraussetzung für jegliche Entwicklung im Hasaradschat ist die Zugänglichkeit des bergigen Hochlandes. Gemeinsam mit afghanischen Partnerorganisationen werden seit 2003 entlang bestehender Eselspfade befestigte Bergstraßen in den Fels gehauen. Die Straßen und Brücken bahnen den Weg für den Transport von Hilfsgütern und Baumaterialien und verschaffen den Menschen Zugang zu Brunnen, Schulen und Gesundheitsstationen.

Frauen bei der Herstellung von DrahtgeflechtenHerstellung von Drahtgeflechten für den StraßenbauUlrich Ladurner

Caritas international hat mit den lokalen Partnern in den Distrikten Scharistan und Waras kilometerlange Passstraßen neu eingerichtet oder wiederhergestellt. In dem Projekt können sich auch Frauen beteiligen. In einer Werkstatt der Caritas lernen sie Drahtkörbe zu flechten. Die Drahtgeflechte schützen die neue Straße wie auch Felder und Bewässerungskanäle vor Erosion. 

Katastrophenvorsorge und Ernährungssicherung

Vor allem durch wiederkehrende Dürren und den schlechten Wegen zu den Märkten, ist die Lebensmittelversorgung in den abgelegenen Projektregionen im Hasaradschad sehr unsicher. In den Provinzen des Hochlands wandern viele der jungen Generation in die Städte ab. Diejenigen, die bleiben, sind meist die Älteren - und sie kämpfen gegen die fortschreitende Bodenerosion, die durch das Brachliegen der Felder verursacht wird. Sie sind häufig hoch verschuldet, denn sie müssen das Lebensnotwendigste zukaufen.

Caritas international möchte daher mit den Hasara Perspektiven des Lebens und Arbeitens in den Bergregionen ihrer Heimat entwickeln. Caritas unterstützt die Bewohner dabei, effektivere und ressourcenschonendere Methoden des Anbaus und der Viehhaltung zu erlernen, um sich eine grundständige Nahrungssicherheit aufzubauen und damit zukünftigen Dürrekatastrophen vorzubeugen. Bis eine solch stabilere Nahrungsversorgung erreicht sein wird, überbrückt Caritas die Versorgungsengpässe mit Programmen, in denen Lebensmittel als Lohn für die Mitarbeit ausgegeben werden (Food-for-Work). Besonders Bedürftige, die auf Grund von Alter oder Krankheit nicht mehr arbeiten können, erhalten Lebensmittel ohne Gegenleistung. Gemeinsam mit den Gemeinden plant Caritas notwendige Arbeiten, wie den Bau von Erosionsschutzmauern, die finanziell vergütet werden (Cash-for-Work). Die Arbeiten, wie der Bau von Straßen und Brücken, ermöglichen so eine bessere Anbindung des Hochlands an die wirtschaftlichen Zentren Afghanistans.

März 2014

Download

Neue Wege - bewährte Mittel

Zehn Jahre nach den Anschlägen des 11. September 2001, nach dem Sturz des Taliban-Regimes und nach der ersten internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn zieht Caritas international mit dieser Broschüre eine Zwischenbilanz über die seit 1984 andauernde Arbeit des Hilfswerks der deutschen Caritas in Afghanistan.