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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Menschen laufen hintereinanderFlüchtlinge an der Grenze Myanmars zu Bangladesch.Stefan Teplan

Der Konflikt zwischen der muslimischen Minderheit der Rohingya und der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit in Myanmar schwelt seit Jahrzehnten. Traditionelle Auseinderandersetzungen um Landbesitz und zunehmend chinesisch-burmesische Bauprojekte führen dazu, dass die Rohingyas immer mehr verdrängt werden.  Die Regierung Myanmars akzeptiert die rund eine Million Rohingya nicht als eigenständige Bevölkerungsgruppe und erkennt ihnen praktisch keinerlei Rechte zu. So dürfen sie weder wählen, noch sich im Land frei bewegen. Sie unterliegen Heirats- und Arbeitsbeschränkungen und haben kaum Zugang zu Bildung.

Militärische Einsätze gegen Rohingya

Seit den fünfziger Jahren kommt es immer wieder zu groß angelegten Militäroffensiven gegen die Minderheit. Dabei starben in der Vergangenheit Tausende Menschen und über eine Million wurden vertrieben. Mehr als 1,5 Millionen Rohingya leben mittlerweile als Flüchtlinge in Bangladesch, Indien, Pakistan, Saudi-Arabien und anderen Ländern.

Als Rohingya-Rebellen Ende August 2017 in Myanmar Polizei- und Militärposten angriffen, entflammte der Konflikt erneut. Das Militär reagierte mit einer „Räumungsaktion“, bei der mindestens 400 Menschen ums Leben kamen. Medien und Organisationen berichten von gezielten Angriffen auf Siedlungen, Niederbrennen von Häusern und Exekutionen. Die Organisation Human Rights Watch berichtete Mitte Oktober, dass seit August mindestens 288 Rohingya-Dörfer im Norden von Rakhine niedergebrannt wurden. Frauen, selbst schwangere, werden angegriffen und vergewaltigt, Kinder sind Zeugen der Gewalttaten.  Der UNO-Menschenrechtsrat bezeichnete das Vorgehen des Militärs in seiner Tagung am 11. September als "ethnische Säuberung" und rief die Regierung in Myanmar auf, die "brutale Militäroperation" sowie die Diskriminierung zu beenden.

Flüchtlingslager längst überfüllt, katastrophale Zustände

Stefan Teplan, Caritas international, im ZDF-Morgenmagazin (23. Oktober 2017)

Durch die erneute Gewalt sind seit Ende August bisher 500.000 Rohingya, davon über die Hälfte Kinder, in das überwiegend muslimische Nachbarland Bangladesch geflohen. Weitere 100.000 Menschen warten noch auf eine Gelegenheit, die Grenze zu überqueren. "Während durschnittlich rund 2.000 Flüchtlinge in Bangladesch pro Tag ankommen, stieg die Zahl in den letzten Tagen markant an", berichtete Stefan Teplan, Mitarbeiter Kommunikation von Caritas international, der Mitte Oktober vor Ort war. "An der Grenze habe ich kilometerschlange Schlangen gesehen. In Gruppen werden die Flüchtlinge durch die Armee vorgelassen und auf die Camps verteilt", so Teplan. Gemäß Unicef sind viele  Frauen allein mit mehreren Kindern unterwegs, um die sie sich kaum kümmern können. Rund 1.400 unbegleitete Kinder wurden bis Anfang Oktober registriert.

Die Situation in Bangladesch ist prekär. Die bestehenden Flüchtlingslager sind längst überfüllt und die meisten Flüchtlinge suchen Schutz, wo sich auch nur irgendwo einer bietet: In Betonröhren, bei Unterständen oder notdürftig unter Plastikplanen. Der Monsunregen verschlimmert ihre Lage, Wege und Straßen sind verschlammt, die Kleidung und das wenige Hab und Gut sind nass. Die hygienische Situation ist unhaltbar, es gibt keine sanitären Einrichtungen, sauberes Trinkwasser und Lebensmittel sind knapp. Die Menschen sind komplett auf Hilfe von außen angewiesen. "Wir haben hier eine halbe Million Menschen die unter unsäglichen Bedingungen bei minimalster Versorgung um ihr Überleben kämpfen", sagt Peter Seidel, Länderreferent bei Caritas international.

Hilfsmaßnahmen vor Ort

Die Caritas Bangledesch führte in der Grenzregion Erhebungen durch und stellte fest, dass vor allem Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medikamente, sanitäre Einrichtungen und Schutzmaßnahmen für die Kinder am dringendsten benötigt werden. 

Nach der Massenflucht startete die Caritas ihre Nothilfe und versorgt rund 70.000 Flüchtlinge in einem ersten Schritt mit Lebensmitteln, Trinkwasser, verbesserten sanitären Einrichtungen und Kochutensilien. "Die Hilfswerke tun ihr Möglichstes, aber die Probleme sind nach wie vor dramatisch.  Und jeden Tag kommen mehr Menschen", so Seidel.

Gemeinsam mit dem Erzbistum Freiburg stellt Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, für die Nothilfe 450.000 Euro zur Verfügung.

Oktober 2017