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Asien

Rechte für Kinder

Indien: Bildung statt Kinderarbeit

Migrantenkinder beim Steine brechen

Kind traegt einen Korb voller Steine auf seinem KopfEin Drittel der Arbeiter sind Kinder zwischen vier und 14 JahrenCaritas international

Siliguri ist die größte Stadt im Bundesstaat West-Bengalen, im Nordosten Indiens. Sie liegt am Fuße des Himalayas und gilt als Tor zum Nordosten Indiens. Als alte Handelsstadt auf der Seidenstraße ist sie noch heute ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. In den letzten Jahren hat sich die Stadt wirtschaftlich gut entwickelt. 

Zuwanderer aus Bangladesch kommen seit Jahren in die Region, in der Hoffnung, hier eine Existenzgrundlage zu finden. Leider müssen sie bald feststellen, dass sie ohne Papiere weder Wohnung, noch Arbeit finden.

Daher siedeln ungefähr 3.800 Familien - zum größten Teil Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis - außerhalb der Stadt an den Ufern der großen Flüsse Mahananda, Balasan und Chenga, die die Ebene von Siliguri durchschneiden, bevor sie in den Ganges münden. Auch in der Region Jalpaiguri leben inzwischen viele Migrantenfamilien entlang der Flüsse in Titi, Torsa, Mujnai und Garganda. Die Flüsse bringen aus dem Gebirge festes Gestein mit sich, das als Baumaterial sehr gefragt ist. Gemeinsam schaffen die Familien die Gesteine an Land, bringen sie in eine handliche Form und verkaufen sie als Flussschotter und Kies an Steinhändler. Der Verkauf erfolgt meist über Mittelsmänner, die den kargen Lohn der Arbeiter noch weiter nach unten drücken.

Der Gewinn dieser Arbeit ist so gering, dass die Familien auf keine helfende Hand verzichten können. Frauen und Kinder sind unentbehrliche Mitarbeiter/innen. Ungefähr ein Drittel der Arbeitenden sind Kinder zwischen vier und vierzehn Jahren. Oft schleppen die Arbeiter am Abend noch Steine zu ihren Hütten, um im Licht von Kerosinlampen eine Nachtschicht einzulegen.

Ohne Anspruch auf soziale Leistungen

Anspruch auf staatliche Unterstützung haben die Familien, die ohne Papiere und Aufenthaltserlaubnis eingewandert sind, nicht. Die Baracken an den Flussufern zeigen ihre finanzielle Misere: Es gibt weder sauberes Trinkwasser, noch sanitäre Einrichtungen. Medizinische Versorgung findet man nur weit entfernt in der Stadt. Regelmäßig kommt der Monsunregen und lässt die Flüsse über die Ufer treten. Die reißende Strömung wird immer wieder Frauen und Kindern zum Verhängnis. Selbst die Menschen, die sich saisonweise als Teepflücker verdingen, arbeiten in den Saisonpausen weiter als Steinbrecher. Die Gesundheitsversorgung der Familien ist sehr schlecht, die Kinder leiden ständig unter Durchfallerkrankungen. Die Familien haben keine Mittel, um den Kindern eine Schulbildung zukommen zu lassen. Dabei wäre sie die einzige Möglichkeit, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen.

Juli 2016