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Asien

Katastrophenhilfe

Japan: Erdbeben und Atomkatastrophe

Zertrümmerte Straßen, Häuser und AutosBilder der Verwüstung.R. Würkner / Caritas international

Am 11. März 2011 ereignete sich vor der Küste Japans ein Erdbeben der Stärke 9,0, das einen Tsunami auslöste, der die Ostküste auf 700 Kilometer Länge verwüstete. Betroffen wurden auch die Atomanlagen von Fukushima. Es kam in mehreren Reaktoren zu Kernschmelzen, die eine hochgradige atomare Verseuchung in einem Radius von mindestens 40 km verursachten. Die Zahl der amtlich registrierten Toten liegt bei mehr als 20.000.

Situation fünf Jahre danach

Fünf Jahre danach zeigt sich die Nordwestküste Japans dünn besiedelt. Von den Trümmern, die lange das Bild der schwer getroffenen Küstenregion prägten, ist auf den ersten Blick nur noch wenig zu sehen. Die Räumfahrzeuge haben ganze Arbeit geleistet. Vereinzelte Gebäude stehen verloren im Niemandsland, der Schutt liegt verborgen unter Plastikplanen. Von einigen Städten wie Minami-Sanriku oder Natori ist buchstäblich nichts mehr übriggeblieben. Der Tsunami hat sie völlig ausgelöscht. Diese Städte sollen nicht mehr am gleichen Ort aufgebaut, sondern einige Kilometer ins Inland auf hügeliges Gelände versetzt werden, um vor einem eventuellen neuen Tsunami besser geschützt zu sein.

Gespenstisch

Eine Halde mit kontaminierter ErdeKontaminiert: Eine Deponie mit radioaktiv verseuchter Erde Caritas international / Holger Vieth

Gespenstisch wirken die großen Halden mit Plastiktüten, die als provisorische Behälter für die radioaktiv kontaminierten Überreste der Katastrophen dienen. Es bleibt weiter unklar, wohin dieser Atommüll endgelagert werden soll.

Klassifiziert nach Stärke der Strahlenbelastung, hat die Regierung drei Zonen um das Atomkraftwerk gezogen. In der dritten Zone, am Rande der 20-Kilometer-Sperrzone um die havarierten Reaktoren von Fukushima, leben Tausende noch immer in Behelfsunterkünften. Fast 100.000 Menschen in der Präfektur Fukushima mussten nach dem Super-Gau evakuiert werden. Etwa die Hälfte davon hat die Region für immer verlassen, denn eines ist klargeworden: An eine Rückkehr, einen Wiederaufbau im unmittelbaren Umfeld ist hier kaum zu denken.

50.000 leben noch in Notunterkünften

Auch im Jahr 2016 leben noch mehr als 50.000 Menschen in der Region in behelfsmäßig erbauten Containersiedlungen. Zehntausende weitere sind an anderen Orten untergekommen, bei Freunden oder Familienmitgliedern. Bis der improvisierte Zustand in eine Art von Normalität übergehen kann, ist noch viel zu tun. Für die Menschen aus der Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk Daiichi bleibt weiterhin unklar, ob sie je wieder ihre Heimat betreten können.

Messung der RadioaktivitätMessung der Radioaktivität bei Katastrophenopfern Reuters/Kim Kyung-Hoon

Die Strahlenbelastung macht außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk nicht Halt. Zahlreiche Menschen, die dort leben, äußern sich extrem verunsichert über das wahre Ausmaß der Strahlung. Weiterhin meiden die meisten Bewohner landwirtschaftliche Produkte aus der Region. Die Waren werden zwar von Regierungsstellen auf ihren radioaktiven Gehalt hin untersucht; allerdings werden von Produkten, die für unbedenklich erklärt werden, die exakten Messwerte nicht kommuniziert, was nicht zum Vertrauen in der Bevölkerung beiträgt. Das in Tokio sitzende unabhängige Bürger-Atom-Informationszentrum "Citizens' Nuclear Information Center" (CNIC) bezweifelt auch die offiziellen Messwerte der Verstrahlung der Luft und des Bodens in der Region Fukushima.

September 2016