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Asien

Katastrophenhilfe

Japan: Erdbeben und Atomkatastrophe

Sechs Jahre nach der Katastrophe

Verteilung von HilfsgüternAAR bei der Verteilung von HilfsgüternAAR, Japan

Kurz nach der Dreifach-Katastrophe im März 2011 teilte der Präsident der Caritas Japan, Bischof Isao Kikuchi schriftlich mit: "In Anbetracht der ökonomischen Stärke und des technologischen Entwicklungsstands in Japan werden drei Jahre wohl ausreichen, um das Leben wieder in normale Bahnen zu lenken". Doch es sollte anders kommen. Selbst sechs Jahre nach dem schweren Erdbeben, dem Tsunami und dem Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi leben noch mehr als Hunderttausend Menschen in Übergangslösungen, zumeist in provisorischen Unterkünften. Während viele junge Menschen in andere Landesteile abgewandert sind, ist die ältere Generation geblieben. Oft wohnt sie nicht weit von ihrem alten Zuhause entfernt, kann aber aufgrund der radioaktiven Belastung nicht dorthin zurückkehren. Die Aufräumarbeiten dauern noch immer an, und der Bedarf an Unterstützung ist weiterhin gegeben.

Hand in Hand

Caritas international erhielt für die Japanhilfe 6,8 Millionen Euro an Spendengeldern. Dank der Spenden konnte in den ersten Monaten mit 2,5 Millionen Euro Notversorgung geleistet werden. Weitere 4,2 Millionen Euro wurden für den Wiederaufbau eingesetzt. Bei den Hilfsmaßnahmen arbeitete Caritas international mit etablierten Partnerorganisationen wie der Association for Aid and Relief AAR und Caritas Japan zusammen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Gebiet rund um Fukushima und AAR schätzt, dass die Bevölkerung dort bis 2022 auf Hilfe angewiesen sein wird.

Engagement mit AAR

Helfer verteilt PaketVerteilung von Hilsgütern mit AAR.AAR, Japan

Bereits zwei Tage nach dem Tsunami begann AAR mit der Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser, Decken, Matten, Schlafsäcken, Hygieneartikeln, Babywindeln und warmer Kleidung in den Präfekturen Miyagi und Iwate. Weiter erhielten Hilfsbedürftige in Notunterkünften medizinische Versorgung und Fachpersonen leisteten dort und in Schulen und Kindergärten psychosoziale Betreuung von Kindern und Jugendlichen. In Sukagawa wurden Familien in Containerunterkünften mit Decken, Heizgeräten und Kochutensilien ausgestattet. In den folgenden Jahren erhielten in der Provinz Fukushima Familien in Notunterkünften regelmäßig Hilfsgüter. In den Präfekturen Miyagi, Iwate und im Norden der Hauptinsel Honshu wurden Einrichtungen für Senioren und behinderte Menschen wiederaufgebaut.

Schwerpunkt von Caritas Japan

Auch in Zusammenarbeit mit der Caritas Japan konnte beachtliches geleistet werden. In der Stadt Mito hat die Diözese Saitama ein Gemeindezentrum zum Auffanglager für Menschen umfunktioniert, die aufgrund der erhöhten Radioaktivität um Fukushima aus ihren Dörfern fliehen mussten. Pfarreien der Erzdiözese Tokio sammelten Decken und andere Hilfsgüter, Freiwillige führten Verteilaktionen durch, bauten Suppenküchen auf und unterstützten die Menschen in den großen Notunterkünften wie auch jene, die in kleineren Einrichtungen untergekommen waren. In den Regionen um Yamagata, Sendai und Saitama wurden ebenfalls Hilfsgüter verteilt, Aufräumarbeiten geleistet, Suppenküchen errichtet und Nothilfe-Zentren betrieben.

Kindergärten und Sommerlager

kinder hocken auf dem boden und zünden ein feuer anViele Aktivitäten im Sommerlager.AAR Japan

Mit der Bürgerinitiative Miyagi Wasuko Projekt entstehen zwei neue Kindergärten: Die Einrichtung in Higashi-Matsushima konnte im September 2014 eingeweiht werden, die Eröffnung in Ishinomaki ist auf April 2017 geplant. Dort wird es auch zusätzlich Platz für Hortkinder geben.

Hunderte Schulkinder aus der Region Fukushima konnten in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Dortmund auf der Insel Okinawa ein Ferienlager besuchen. Der Alltag der Kinder spielte sich aufgrund der Strahlenbelastung hauptsächlich in geschlossenen Räumen ab. Weder gab es ausreichend Bewegungsmöglichkeiten noch frische Luft. In den Ferienlagern konnten sich die Kinder von der Katastrophe erholen, neue Lebenskraft sammeln und ihr Immunsystem stärken.

Lesen Sie hier die Berichte vom Caritas-international-Pressereferent Holger Vieth über seine Reise in das Katastrophengebiet.

Januar 2017