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Asien

Katastrophenhilfe

Japan: Erdbeben und Atomkatastrophe

Fünf Jahre nach der Katastrophenserie

Tsunamischäden an einer KlippeBrachiale Wucht: Tsunamischäden an einer KlippeCaritas international / Holger Vieth

Kurz nach der Dreifach-Katastrophe im März 2011 waren die Verantwortlichen der Caritas Japan noch überzeugt: "In Anbetracht der ökonomischen Stärke und des technologischen Entwicklungsstands in Japan würden drei Jahre wohl ausreichen, um das Leben wieder in normale Bahnen zu lenken", schrieb der Präsident der Caritas Japan, Bischof Isao Kikuchi damals. Doch es sollte anders kommen. Selbst fünf Jahre nach dem schweren Erdbeben, dem Tsunami und dem Super-GAU am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi leben noch rund 50.000 Menschen in Übergangslagern. Viele, besonders die Jungen, haben sich schon eine neue Zukunft in anderen Teilen des Landes aufgebaut. Doch gerade die ältere Generation blieb. Sie lebt oft gar nicht weit entfernt von ihren Häusern. Und doch ist es aufgrund der radioaktiven Belastung zu gefährlich für sie, auch nur für ein paar Stunden zurückzukehren.

Ein großer Teil der Städte und Dörfer rund um den havarierten Reaktor sind nach wie vor verlassen, auch wenn die Evakuierungsorder bald aufgehoben werden soll. Doch noch sind fast die einzigen Menschen, die man hier trifft, Dekontaminationsarbeiter oder Polizisten.

Die lokale Partnerorganisation AAR - Association for Aid and Relief und die Caritas Japan arbeiten - unterstützt von Caritas international - gemeinsam mit Hunderten freiwilliger Helfer seit Beginn der Katastrophenserie unermüdlich dafür, das Leid der Menschen zu lindern. Ein Fokus ihrer Arbeit liegt auf der Hilfe für diejenigen Menschen, die vom GAU in Fukushima betroffen sind. Unsere Partnerorganisation AAR schätzt, dass die Menschen in der radioaktiv verseuchten Region bis 2022 auf Hilfen angewiesen sein werden.

Caritas international hat für die Japanhilfe 6,8 Millionen Euro Spendengelder erhalten. Dank dieser Spenden konnte in den ersten Monaten mit 2,5 Millionen Euro Notversorgung geleistet werden. Weitere 4,2 Millionen Euro wurden für den Wiederaufbau von Kindergärten sowie Sozialeinrichtungen für alte, kranke, obdachlose und behinderte Menschen eingesetzt. 

Von der Nothilfe bis zur psychosozialen Betreuung

Eine Massagestunde in der NothilfeunterkunftEine Freiwillige von AAR in einer Massagestunde mit einem EvakuiertenCaritas international / Holger Vieth

Die Partnerorganisation von Caritas international, Association for Aid and Relief (AAR), ist eine große, renommierte Nichtregierungsorganisation mit mehr als 30 Jahren internationaler Erfahrung in Not- und Katastrophenhilfe sowie der Behindertenhilfe. AAR ist in den drei Provinzen Miyagi, Iwate und Fukushima aktiv.  Am 13. März 2011, zwei Tage nach dem verheerenden Tsunami, begann AAR mit der kontinuierlichen Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser, Diesel und Kerosin, Decken, Tatami-Matten (japanische dünne Matratzen), Schlafsäcken und Hygieneartikeln, Kinderwindeln und warmer Kleidung an die Erdbeben- und Tsunamiopfer. Innerhalb des ersten Monats hat die außerordentlich effizient arbeitende Hilfsorganisation bereits 45.000 Menschen in 330 Gemeinden mit Hilfsgütern versorgt.

In den Jahren nach dem Tsunami hat AAR in der Provinz Fukushima regelmäßig 22.599 Familien in den Notunterkünften versorgt. Insgesamt hat AAR 60 Einrichtungen für Senioren und behinderte Menschen in den Präfekturen Miyagi, Iwate und im Norden der Hauptinsel Honshu wiederaufgebaut oder bewohnbar gemacht. Die Einrichtungen sind unter anderem auch mit 25 Transportfahrzeugen ausgestattet worden. Zu den unzähligen verschiedenen Hilfen zählen neben medizinischer Hilfe und psychosozialer Unterstützung auch der Aufbau von Containerhäusern für Evakuierte, Dekontaminierungs-Maßnahmen in Schulen und Kindergärten sowie Winterhilfen für Familien mit Behinderten.

Auch in Zusammenarbeit mit der Caritas Japan konnte beachtliches geleistet werden. In der Stadt Mito, die auf halben Weg zwischen Fukushima und Tokio liegt, hat die Diözese Saitama 2011 und 2012 ein Gemeindezentrum als Auffanglager für die Menschen umfunktioniert, die aufgrund der erhöhten Radioaktivität um Fukushima aus ihren Dörfern fliehen mussten. Pfarreien der Erzdiözese Tokio haben Decken und andere Hilfsgüter gesammelt. Caritas Japan organisierte Freiwillige, die in den Gemeinden Verteilaktionen durchführen, Suppenküchen aufgebaut haben und neben Menschen in den großen Notunterkünften auch diejenigen unterstützen, die in kleineren Einrichtungen untergekommen sind. Die Nothilfen erreichten auch Evakuierte in den Regionen um Yamagata, Sendai und Saitama. Hier wurden neben der Verteilung von Hilfsgütern Aufräumarbeiten geleistet, Suppenküchen errichtet und Nothilfe-Zentren betrieben.

Auch speziellere, aber enorm wichtige, Aktionen werden von Caritas international unterstützt: So können zahlreiche Kinder ihre Sommerferien in der Präfektur Okinawa verbringen, damit sie sich vom Stress der Katastrophe erholen können. Durch Aktivitäten im Freien können die Kinder neue Lebenskraft sammeln und so auf spielerische Weise ihr Immunsystem stärken.

Lesen Sie hier die Berichte vom Caritas-international-Pressereferent Holger Vieth über seine Reise in das Katastrophengebiet.

März 2016