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Asien

Katastrophenhilfe

Nepal: Hilfen nach dem Erdbeben

Nepal: Hilfe nach dem Erdbeben

In einem Bergdorf in Nepal nach dem Erdbeben. Kinder laufen auf TrümmernIn einem Bergdorf in Nepal nach dem Erdbeben.Jake Lyell / Caritas USA

Nach dem Erdbeben in Nepal im April 2015 begannen die Helfer des Caritas Netzwerkes unmittelbar mit der Nothilfe. Neben Zelten, Planen und Decken verteilen sie auch Lebensmittel und Hygiene-Artikel an Bedürftige. Den Sofort- und Nothilfen folgten Übergangshilfen, die nach wie vor für viele Betroffene lebenswichtig sind.

Zur Nothilfe zählen zum Beispiel zehn Gesundheits-Hilfspakete der Weltgesundheitsorganisation WHO, die durch Caritas international und Caritas Nepal in Bergregionen wie Sinduhulpachowk und Karve gebracht und verteilt wurden. Mit ihrer Hilfe konnte für 10.000 Menschen eine Basisversorgung über drei Monate gewährleistet werden.

Die Nothilfe war im vergangenen Frühsommer ein Wettlauf mit der Zeit. Denn die obdachlos gewordenen Opfer des Erdbebens brauchten dringend ein Dach über dem Kopf, bevor die starken Monsunregen einsetzten. Insbesondere arme Menschen, die in einfachen Ziegelbauten lebten, benötigen Baumaterialien, denn ihre Häuser sind weitgehend zerstört. Weitere Bedürftige sind Frauen, die den Haushalt alleine führen, weil arbeitsfähige Familienmitglieder abgewandert sind oder ihre Männer als Saisonarbeiter in Indien oder im nepalesischen Tiefland arbeiten.

Die Caritas-Helfer suchen aktiv viele alte Menschen auf, die aus eigener Kraft kaum mehr den Weg bis zu einer Gesundheitsstation schaffen und mit dem Organisieren des Nötigsten zum Leben oft völlig überfordert sind. Und diejenigen, die sie sonst unterstützen, haben zu viele eigene Sorgen und kaum mehr Kapazitäten.

Ein schützendes Dach

Wenige Wochen nach dem Beben verteilte Caritas international 1.140 Großraumzelte, viele an Grundschulen, Gesundheitsstationen und Verwaltungsbüros. So konnten diese Einrichtungen weiter arbeiten. Der wiedereinkehrende Schulalltag hilft den Kindern zurück zu einer gewissen Normalität. Eine weitere Priorität hatte bei der Verteilung der Zelte Familien in den Hochlagen, in denen der Monsun nicht nur mit starkem Regen, sondern auch mit kaltem Wind einhergeht. Auch mit dem einsetzenden Regen Anfang Juni konnte die Nothilfe der Caritas so weit möglich in entlegenen Gebieten die Opfer erreichen.

Wasseraufbereitung und Hygieneartikel sind nach wie vor wichtige Hilfsgüter, zudem Nahrungsmittel und Decken. Wenn dank dieser Hilfen die Grundbedürfnisse der Betroffenen sichergestellt werden können, ist das eine erste Voraussetzung dafür, dass die Menschen auch aus eigenen Kräften ihren Alltag und Lebensunterhalt organisieren können, um über die Monsunzeit zu kommen. Die Helfer/innen berichten, dass die Betroffenen engagiert sind und Zeit aufbringen, in Gemeinschaftsaktionen Schutt und Abfall aufzuräumen, provisorische Unterkünfte zu bauen. Viele helfen sich gegenseitig.

Medizinische Versorgung

Für die medizinische Hilfe sowie die Verteilung von Zelten und Schutzplanen hat Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, im letzten Jahr mehrere Millionen Euro zur Verfügung gestellt. In Gorkha war die medizinische Erstversorgung und psychosoziale Betreuung für traumatisierte Menschen in den ersten Wochen ein wichtiger Teil der Arbeit der Caritas Nepal..

Ein Caritas-Mitarbeiter nimmt eingepackte Zelte auf dem Flugfeld in AugenscheinAm Ziel: Am Flughafen nimmt ein Caritas-Mitarbeiter die Zelte in Empfang.Thomas Hoerz / Caritas international

Durch die Caritas-Kontakte zu CHAI, dem indischen Verband katholischer Krankenhäuser werden Medikamente geliefert. Medizinisches Personal unterstützt die Soforthilfen in Nepal. Caritas international hat außerdem die Lieferung von zehn "WHO-Emergency-Health-Kits" auf den Weg gebracht. Jedes einzelne dieser Pakete besteht aus etwa einer Tonne Material - ausgestattet mit allen gängigen Notfall-Medikamenten, Verbandsmaterial und anderen Medizinprodukten, die für die Versorgung von 10.000 Menschen über drei Monate ausgelegt sind.

Traumabewältigung an Schulen

Naturkatastrophen wie das Erdbeben in Nepal verursachen gerade auch bei Kindern und Jugendlichen traumatische Erfahrungen. Viele können nicht darüber sprechen und finden keinen Raum und keine Wege, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten. So haben viele Kinder auch Monate nach der Katastrophe seelische Not und es kommt zu Schwierigkeiten, die sich unter anderem auf den Schulalltag auswirken. Nicht alle Lehrkräfte können mit den Folgen dieser Traumatisierungen adäquat umgehen. Hier greift  stART international e.V., Partnerorganisation von Caritas international, unterstützend ein.

An ausgewählten Schulen im Tal von Kathmandu und den umliegenden Distrikten Dhading, Nuwakot und Kavre können Kinder und Jugendliche nun Workshops besuchen, um dort von geschultem Personal bei der Trauma-Verarbeitung eine erste Hilfe zu erhalten. Eintägige Veranstaltungen mit jeweils einer Klasse sind hier ein ermutigender Anfang. Die Workshops arbeiten darauf hin, Kinder und Jugendliche in den Schulen zu befähigen, mit Verlust- und Schockerfahrungen sowie Traumatisierungen kreativ umzugehen. Lehrkräfte an Schulen werden darauf sensibilisiert, Traumata bei ihren Schüler/innen zu erkennen und damit konstruktiv umzugehen.

Wiederaufbau einer Sherpa-Schule in Bamti

Da der Schulbesuch gerade den vom Erdbeben betroffenen Kindern dabei helfen kann, wieder "Boden unter den Füssen" zu gewinnen, unterstützt Caritas international Initiativen für den Wiederaufbau einer Schule und zur Trauma-Bewältigung von Kindern.

Eine schwer beschädigte Schule in Bamti im Distrikt Solukhumbu wurde vor Jahren dank der Kinderhilfe Nepal aufgebaut. Nun wird die Schule, in der bei normalem Schulalltag 240 Kinder unterrichtet werden können, mit Unterstützung von Caritas international repariert bzw. wieder errichtet. 60 Schüler/innen wohnen in dem an die Schule angeschlossenen Internat.

Neben dem Wiederaufbau der Gebäude werden auch Kurse für Jugendliche angeboten: Sie können im landwirtschaftlichen und handwerklichen Bereich Kenntnisse erwerben. Diese Kurse stärken die Jugendlichen in doppelter Hinsicht: sie gewinnen wieder Vertrauen in ihr eigenes Tun und können die Kenntnisse in ihrem Alltag gut gebrauchen.

Hand in Hand

Was sich hinter der Verteilung von Hilfsgütern an Herausforderungen verbirgt, ist nur mit dem erfahrenen Partner von Caritas international, der Caritas Nepal, zu bewältigen: Die Kenntnisse der Mitarbeiter über Straßen und Transportmittel sind in den abgelegenen Bergregionen unverzichtbar, ebenso ihre Expertise in der Katastrophenarbeit. Absprachen mit Dorfvorstehern und den Distriktverwaltungen, um wirklich die Bedürftigsten zu erreichen und an einem Strang mit den lokalen Helfern zu ziehen, sind unerlässlich.

Die Partner von Caritas international sind ein wichtiges Bindeglied im reibungslosen Ablauf der Katastrophenhilfe. Dank ihrer Kenntnisse auch der sozialen Realität in den Dörfern wird bei dem nun anstehenden Wiederaufbau darauf geachtet, dass besonders Benachteiligte und die Schwächsten in den Gemeinden von der Hilfe nicht ausgeschlossen werden.

Aus dem weltweiten Caritas-Netzwerk waren in den ersten Wochen nach dem Beben Katastrophenhelfer unter anderem aus Deutschland, Australien, Österreich, Indien, den USA, und Polen im Einsatz. Caritas ist mit vielen sozialen Projekten seit vielen Jahren in Nepal fest verankert.

Caritas international hat unseren lokalen Kolleg/innen der Caritas Nepal mehrere Expert/innen für Katastrophenhilfe und Koordination zur Verstärkung zur Seite gestellt. Sie haben die Organisation und Logistik für die eintreffenden Hilfsgüter übernommen und vertreten Caritas in den internationalen Koordinationstreffen der Hilfsorganisation. 

Es stehen Caritas international rund zehn Millionen Euro für die Erdbeben-Hilfe zur Verfügung. Davon sind nach einem Jahr bislang 2,3 Millionen Euro verausgabt, weitere zwei Millionen Euro sind in laufenden Projekten fest verplant. Die Erdbeben-Hilfe von Caritas international ist auf fünf Jahre ausgelegt. Die noch nicht verausgabten Mittel werden in den kommenden Jahren zum Beispiel für den Hausbau, die Katastrophenvorsorge, die Organisation gesellschaftlicher Selbsthilfe und Bildungsprogramme für benachteiligte Kinder eingesetzt.

April 2016


Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, ist in Nepal seit 25 Jahren in der Katastrophenhilfe tätig und unterstützt Projekte der Katastrophenvorsorge.

Für ihre Hilfsprogramme ruft Caritas international zu Spenden auf.

Spenden mit Stichwort "Erdbebenhilfe Nepal" werden erbeten auf:

    Caritas international
    Freiburg, Spendenkonto 202
    Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
    BLZ 660 205 00
    IBAN Nr.: DE88660205000202020202
    BIC: BFSWDE33KRL
    Oder online unter: www.caritas-international.de