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Asien

Katastrophenhilfe

Nepal: Hilfen nach dem Erdbeben

Ruin und Wiederaufbau in Nepal

Kamala PaharKamala Pahar mit ihrem dreijährigen Sohn Rajan, der gerade Cash in den Händen hält. Foto: Prakash Khadka/ Caritas Nepal

Ruin und Wiederaufbau, schrieb einmal der griechische Philosoph Epiktet, liegen dicht beieinander. Die nepalesische Familie Pahari hat noch nie von Epiktet gehört, aber sie stimmt sofort zu, als man sie mit dieser Weisheit konfrontiert. Dazu mussten sie nicht Philosophie studieren. Sie sagen: „Wir haben es am eigenen Leib erfahren.“

„Unser Leben schien für immer ruiniert“, erinnert sich der 30-jährige Familienvater Shivahari Pahari, „als das Erdbeben uns alles nahm, was wir besaßen.“ Den Tag, an dem dies geschah, wird er nie mehr vergessen: „Es war der 25. April 2015.“ Die Paharis hatten ein bescheidenes Haus und sich dessen Einrichtung vom Mund abgespart. Als Hilfsarbeiter hatte Shivahari Pahari nur ein mageres Monatseinkommen von rund 80 Euro. Das reicht in Nepal gerade noch zum Überleben. Zu mehr aber auch nicht. Zu mehr, erklärt Pahari, könne man als Angehöriger einer niedrigen Kaste wie der seinen meist auch nicht kommen. Er trägt zufällig den gleichen Namen wie der Kaste, der er angehört: Pahari – das heißt frei übersetzt so viel wie: Bergbewohner.

Tatsächlich leben die Paharis in den Bergen, im Dorf Thokarpa inmitten einer schwer zugänglichen Region im Bezirk Sindhupalchok, ganz im Norden des Landes. Dort fielen beim Erdbeben im April 2015 die, meist nicht durch Zement befestigten, Häuser zusammen wie Kartenhäuser. Auch das der Paharis. Glück im Unglück war, dass niemand aus der Familie ums Leben kam. Shivahari Pahari arbeitete gerade in der nahegelegenen Stadt Banepa, seine Frau Kamala war im Wald, um Tierfutter zu sammeln. Ihre beiden Kinder, die (heute) siebenjährige Anisha und ihr dreijähriger Bruder Rajan spielten im Haus, als die Erde bebte. Anisha sprang, ihren kleinen Bruder im Arm, mehr aus Schreck als aus Geistesgegenwart, aus dem Fenster. Nur wenige Sekunden später fiel hinter ihr das Haus zusammen.

Neu aufgebautes HausStolze Besitzer ihres neuen Hauses: Die Familie Pahari, die nach dem Erdbeben vor dem Nichts stand.Foto: Caritas Nepal

Die Paharis standen vor dem Nichts, Jetzt, zwei Jahre später, sagt der Familienvater: „Es geht uns besser als je zuvor. Gerade sind wir in unser neues Haus eingezogen – ein stabiles, erdbebensicheres Haus, das wir uns nie hätten leisten können, wenn uns die Caritas nicht unterstützt hätte.“ Die Caritas Nepal, unterstützt von Caritas international, finanzierte das Haus in zwei Tranchen: mit 500 Euro Starthilfe bei Baubeginn und 2.500 weiteren Euro bis zum Abschluss. Die Paharis haben das Haus, mit viel Unterstützung von Nachbarn und Freunden, zum größten Teil in Eigenleistung errichtet. Es sieht für deutsche Verhältnisse außen unfertig aus, weil es nicht getüncht ist, in Nepal ist dies jedoch ein übliches Bild. Zwei Zimmer und eine Küche statt wie vorher nur ein Zimmer für alles, das empfindet die Familie als regelrechten Luxus.

Paharai aber meint nicht nur das Haus, wenn er sagt, es gehe ihm besser als vorher. Er ist nun nicht mehr Hilfsarbeiter, sondern betreibt nun als selbständiger eine kleine Geflügelfarm. Die Caritas Nepal schulte ihn dazu landwirtschaftlich und gewährte ihm eine kleine Starthilfe. Die reichte sogar noch dafür, dass Kamala einen kleinen Dorfladen errichten konnte. „Wir verdienen jetzt doppelt so viel wie vor zwei Jahren“, freut sich Kamala. Sie macht nicht viele Worte. Sie strahlt einfach. Und sagt nur mehr ein einziges Wort: „Dhanyabad – danke!“

April 2017, Stefan Teplan