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Asien

Katastrophenhilfe

Nepal: Hilfen nach dem Erdbeben

Wiederaufbau nach der Katastrophe

Das Erbeben im April 2015 traf Nepals Bevölkerung völlig unvorbereitet. Innerhalb von Sekunden wurden Hunderttausende Menschen obdachlos, verloren ihr Hab und Gut, lagen Gesundheitseinrichtungen und Schulen in Trümmern, wurden Ernten und Straßen zerstört. Das internationale Caritas-Netzwerk leistete sofort Nothilfe, die durch viele Nachbeben erschwert wurde.

Dann begann die Phase des Wiederaufbaus, und der braucht Zeit, immer noch. Insbesondere in den abgelegenen Bergregionen stellen sich enorme logistische Herausforderungen. Die Koordination mit den nepalesischen Behörden erfordert viel Geduld. Die Bevölkerung muss beispielsweise für jede erhaltene Geldleistung zum Neubau ihrer Häuser einzeln Nachweise erbringen, bevor sie die nächste Tranche erhält.

Frau am Brunnen hält Hände unter den Wasserstrahl und lachtShamila Shrestha aus dem Distrikt Sindhupalchok freut sich über die neue Wasserstelle. Beim Bau half sie selbst mit.Bente Stachowske, Caritas international

Caritas international konzentriert sich in ihrer Hilfe auf den Wiederaufbau von Wohnhäusern, Schulen, Landwirtschaft und Wasserversorgung und die psychosoziale Betreuung traumatisierter Menschen. Ganz wesentlich ist Caritas die Beteiligung der Bevölkerung mittels „Cash-for-Work“-Programmen. Dabei arbeiten die Familien bei den Reparaturen und Aufräumarbeiten mit und erhalten dafür einen Lohn. Oft ist es der einzige Verdienst einer ganzen Familie, weil andere Einkommensmöglichkeiten fehlen.

Wiederaufbau, Prävention und Perspektiven

In verschiedenen Distrikten werden besonders schwer getroffene Gemeinden beim Wiederaufbau von Infrastrukturen unterstützt, darunter Trinkwasserleitungen, Wassermühlen, Brücken und Wege.Purano-Gaon Khet Puchar in Sindhupalchok war eine dieser Gemeinden. "Wir haben 17 Wasserstellen in der Gemeinde errichtet", erklärt der Vorsteher Prabhuram Pahari voller Stolz, und die 21-jährige Dorfbewohnerin Shamila Shrestha ergänzt. "Es ist wunderbares Trinkwasser, das nun direkt neben meinem Haus aus dem Hahn kommt. Vorher musste ich eine Stunde gehen, um Wasser zu holen",

Mann beim MaurernSuk Bahadur Rokka beim Bau seines Hauses.Bente Stachowske, Caritas international

Die Menschen, die von der Landwirtschaft leben, erhalten Saatgut, landwirtschaftliche Geräte, Nutzvieh  und Schulungen zu Anbaumethoden und Tierhaltung. Andere Familien werden finanziell beim Wiederaufbau ihrer Häuser und der Beschaffung der Baumaterialen unterstützt. Wie zum Beispiel die Familie des 45-jährigen Suk Bahadur Rokka: "Wir sind so froh, dass die Caritas uns hilft, dieses gute Haus zu bauen", sagt er. Die Unterstützung durch Caritas ist zwar eine wesentlich Entlastung, und doch reicht sie nicht allein für den Neubau, und die meisten Familien müssen zusätzlich Kredite aufnehmen.

Für eine professionelle und erdbebensichere Bauweise fehlen außerdem Arbeitskräfte. Darum bildet Caritas Maurer, Steinmetze und Schreiner aus. Die Fachleute kommen dann im Wiederaufbau zum Einsatz und haben mit ihrer Ausbildung gleichzeitig eine Zukunftsperspektive. So wie Chandra Bahadur Karki, der mit 83 Jahren zum gefragten Maurer in seinem Dorf wurde.

Schwerpunkt Kinder

Schulmädchen im KlassenraumGemeinsam mit ihren Partnern sorgt Caritas dafür, dass die Kinder weiter zur Schule gehen können.Bente Stachowske, Caritas international

Das Erdbeben hat auf die Kinder verheerende Auswirkungen. Da viele Familien ihr Einkommen und auch ihr Haus verloren haben, ist das Geld so knapp, dass die Kinder zum Überleben beitragen müssen. Entweder werden sie früh verheiratet oder in die Städte und ins Ausland geschickt und müssen dort arbeiten. Die Gefahr, dabei ausgenutzt zu werden und zum Beispiel in der Prostitution zu landen, ist groß.

Gemeinsam mit der Organisation "Child Nepal" und anderen Partnern schützt Caritas in Kunchok die Kinder vor Arbeit, Schulabbruch und Zwangsverschickung. Hier kam es nach dem Erdbeben zu vermehrtem Missbrauch, zu Kinderarbeit, Menschenhandel, Vernachlässigung und Gewalt.  Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Projekts begleiten gefährdete Familien, in den Gemeinden entstehen Kindesschutz-Komitees, mit Aufklärungskampagnen wird die Bevölkerung zu den Themen sensibilisiert, Schulgelder und -materialien werden übernommen und einkommenschaffende Maßnahmen angeboten. Die 12-jährige Renuka ist eines von 5.400 Kindern, das von diesem Projekt profitiert. Obwohl sie eine sehr gute Schülerin ist, wollten die Eltern sie von der Schule nehmen und zum Arbeiten schicken. Inzwischen hätten die Eltern zwar ihre Meinung geändert, doch Renuka fühlt sich noch immer nicht in Sicherheit: "Jeden Tag habe ich Angst, dass ich nicht zur Schule darf", sagt sie.

In einem anderen Projekt im Distrikt Sindhupalchok unterstützt Caritas den Bau neuer, behindertengerechter Schulen. "Sicher soll sie sein", sagt die 15-jährige Nirmala, gefragt nach ihrem Wunsch an die neue Schule.  Ein wichtiger Punkt für Caritas: Unter Berücksichtigung von nationalen und internationalen Baustandards werden Schulen gebaut, die selbst Bebenstärken über denjenigen vom April 2015 standhalten. Das Schulpersonal erhält Trainings zur Wartung der Gebäude, die Kinder und Pädagogen werden in Evakuation, Risikominderung und Hygiene unterrichtet.

Im Distrikt Solukhumbu beteiligte sich Caritas international am Wiederaufbau einer schwer beschädigten Sherpa-Schule mit angeschlossenen Internat.

„Cash-for-Work“

Zwei Männer bearbeiten SteineMit anpacken, beim Wiederaufbau helfen und gleichzeitig einen Lohn verdienen - das ist Cash-for-Work.Caritas international

Perspektiven und Einkommen schaffen, aktiv den Wiederaufbau der Gemeinden mittragen – das ist das Ziel von Cash-for-Work-Programmen. Viele Frauen und Männer haben noch immer keine Arbeit, keine reguläre Ernte, kein Einkommen. Es fehlen ihnen die Mittel für den Lebensunterhalt oder gar für den Neubau ihrer Häuser. In den „Cash-for-Work“-Programmen bekommen sie für ihren Arbeitseinsatz bei der Wiederherstellung von Straßen, Schulen und Dämmen einen Lohn, mit dem sie erwerben können, was sie am dringendsten brauchen.

Dhan Bahadur Khadka und das Ehepaar Khatri haben sich so einige Zeit ihren Lebensunterhalt gesichert und zugleich in ihr Haus investieren können.

Medizinischer Bereich

An ausgewählten Schulen fanden für Kinder Workshops zur Traumaverarbeitung statt, denn die Auswirkungen des Erbebens machten sich im Schulalltag bemerkbar. Mit verschiedenen Strategien lernten die Kinder, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Aber auch Erwachsene benötigen Hilfe: Viele von ihnen haben Familienangehörige verloren, der Verlust ihres Hab und Guts lässt so manchen verzweifeln. Psychosoziale Teams in den Gemeinden begleiten und betreuen die Betroffenen.

Weiter im medizinischen Bereich wurden über die Nothilfe hinaus Gesundheitskits zur Versorgung schwer zugänglicher Bergregionen finanziert.

Gut durchdacht

Erfahrungsgemäß braucht der Wiederaufbau vor allem Zeit. Denn es geht nicht nur um fertige Häuser und eingerichtete Schulen, sondern darum, die Kompetenzen möglichst vieler Menschen für einen präventiven Umgang und für eine professionelle Wiederaufbauhilfe zu stärken und die Pläne gut miteinander abzustimmen. Auch die Vernetzung und der Austausch spielen beim Wiederaufbau eine wichtige Rolle, um bei der nächsten Katastrophe besser gewappnet zu sein.

November 2017