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Asien

Konflikte und Krisen

Nordkorea: Engagiert gegen Krankheit und Not

Männer schaufeln Sand und sieben SchuttFür den Bau eines Gewächshauses werden die Baumaterialien mit einfachen Geräten vorbereitet. Oliver Müller, Caritas international

Seit über 60 Jahren ist Nordkorea im Konflikt mit dem Süden. Die weltweit sicherste Grenze trennt die beiden Länder, die doch historisch und kulturell gemeinsame Wurzeln haben.

Nordkorea befindet sich nach wie vor in einer schwierigen, wirtschaftlichen Situation, die sich durch die derzeitige Spannung mit dem Süden nicht verbessert hat. Ungeachtet der inzwischen besseren Versorgung der Menschen in den großen Städten leidet die Bevölkerung auf dem Land noch vielfach unter einem Mangel an Gütern des täglichen Bedarfs. In den Schulen ist die Unterversorgung der Jugendlichen mit ausreichender, reichhaltiger Nahrung an der Körpergröße festzustellen: im Vergleich zu ihren gleichaltrigen Kameraden in den Städten sind sie wesentlich kleiner.

Die Metropole Pjöngjang ist gewachsen, wer kann, zieht in die Stadt. Damit unterliegen auch die für den Alltag wichtigen Familienstrukturen einem starken Wandel. Bei einer Geburtenrate von 1,2 Kinder pro Frau ist die nordkoreanische Gesellschaft eine alternde Gesellschaft. Rund 13 Prozent der Gesamtbevölkerung sind über 60 Jahre, und auch die Zahl der über 80-Jährigen wächst - und damit die Zahl der alleinstehenden Senioren. Bislang hat sich der Staat wenig um diese Gruppe gekümmert, mehr Interesse galt der  Zukunft des Landes - und damit eher der gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen. Es gibt kaum staatliche Strukturen der Fürsorge für alte Menschen, kaum Erfahrungen mit sozialen Einrichtungen für Senioren. Pflegeeinrichtungen oder -dienste sind praktisch nicht vorhanden - eine weitere Belastung für arme Familien.

Nach wie vor mangelt es vielerorts an Medikamenten und Vollkost, darunter leiden insbesondere junge, alte und kranke Menschen. Aufgrund der schlechten Versorgungslage kann von einer chronischen humanitären Krise in Nordkorea gesprochen werden, denn gerade auf dem Lande bleibt trotz arbeitsintensiver Landwirtschaft die Ernährungssituation der Menschen instabil.

Anfälligkeit für Naturkatastrophen

Das Land wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht, zuletzt im September 2016 mit Überschwemmungen in der Grenzregion im Nordwesten des Landes. Die Auswirkungen sind insbesondere für die Landbevölkerung in den abgelegenen Provinzen durch schwache Infra- und Versorgungsstrukturen und einem Leben am Existenzminimum verheerend.

Zeichen des Wandels

In den letzten Jahren hat sich eine von der nordkoreanischen Regierung zunehmend tolerierte Markttätigkeit entwickelt. Dies ermöglichte zunächst der einfachen Bevölkerung, mit dem Verkauf von Produkten ihre Existenz zu sichern. Dabei sind es insbesondere die Frauen, die vermehrt für die Familien das Haushaltseinkommen sichern. Der Graumarkt hat in den letzten Jahren das Entstehen einer langsam wachsenden Mittelschicht gefördert. Sie besteht aus politisch und wirtschaftlich gut mit China vernetzten Investoren und Händlern. Diese Mittelschicht ist im Wesentlichen auf die Hauptstadt Pjöngjang konzentriert.

mehrere ältere Männer spielen ein Brettspiel Im Seniorenzentrum in Pjöngjang fördern Gesellschaftsspiele die geistige Gesundheit und das Wohlbefinden der Senioren.Oliver Müller, Caritas international

Ein politischer Konflikt hat sich in den letzten Jahren auch mit der internationalen Gemeinschaft verschärft, nachdem der junge Machthaber Kim Jong-un seine politische Strategie auf die wirtschaftliche Entwicklung parallel zur Entwicklung von Atomwaffen ausgerichtet hat. Das Land hat die nach den Atombombentests und Raketenstarts erlassenen UN-Sanktionen negiert. Die UN hat die Verletzung der Menschenrechte durch Resolutionen immer wieder angeprangert.

Rund 30.000 Menschen haben das Land verlassen, um sich im Süden niederzulassen. Ein wesentliches Hemmnis für die Flucht stellt das Nachbarland China dar, das keine Flüchtlinge nach UN-Schutzbestimmungen anerkennt, sondern Geflüchtete gegebenenfalls wieder nach Nordkorea abschiebt. Das Land kann nur aufgrund der wirtschaftlichen Unterstützung durch China überleben. Internationale Hifsorganisationen sind nur sehr spärlich vertreten.

Mai 2017