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Asien

Katastrophenhilfe

Südostasien: Tsunami 2004

Tsunamihilfe bewirkt soziale Veränderungen

Blick auf HauseingangNeue Reihenhäuser in TrienggadengChristina Grawe

Der Tsunami, der am 26. Dezember 2004 Südostasien erschütterte, war die größte je verzeichnete Naturkatastrophe. 230.000 Menschen kamen dabei ums Leben, fast zwei Millionen wurden obdachlos.

So groß die Katastrophe war, so groß war auch die Hilfsbereitschaft der Spenderinnen und Spendern: 62,5 Millionen Euro nahm Caritas international für die Nothilfe und einen nachhaltigen Wiederaufbau in Südostasien ein. Gemeinsam mit Partnern konnten Notunterkünfte gebaut, eine medizinische Versorgung gewährleistet sowie Lebensmittel, Trinkwasser und andere Hilfsgüter verteilt werden.

Wiederaufbau und Existenzsicherung

Rund fünf Jahre nach der Katastrophe wurde der Wiederaufbau von Wohnhäusern und Infrastrukturen in Indonesien, Indien, Thailand, Sri Lanka und Somalia abgeschlossen. Die Sicherung der Existenzgrundlage der Betroffenen war ein weiterer Schwerpunkt im Wiederaufbau. So erhielten Fischerfamilien neue Boote und Netze, Ausbildungen und Umschulungen halfen bei einer beruflichen Neuorientierung.

Tiefergehende Veränderungen

Indien FischerEinst Hilfsarbeiter, jetzt stolzer Fischer mit eigenem Boot.Stefan Teplan, Caritas international

Am Beispiel Indiens wird der nachhaltige Ansatz der Hilfe besonders deutlich. "Zum Thema Nachhaltigkeit", erklärt Jayseelan, ein Mitarbeiter der lokalen Caritas Madras Social Service Society (MSSS) in Südindien, "kann ich nur raten: Gehen Sie in die vom Tsunami betroffenen Dörfer und überzeugen Sie sich, welche sozialen Fortschritte dort seit dem Wiederaufbau gemacht wurden. Wer weiß, wie es dort vor zehn Jahren war, erkennt die Orte nicht wieder."

In der Tat wurde in vielen Regionen durch die Tsunamihilfe eine kleine soziale Revolution ausgelöst: Caritas verband die materielle Hilfeleistung an die Betroffenen mit der Abschaffung von sozialen Ungerechtigkeiten. So etwa setzten viele Fischer vor dem Tsunami Kinder und die im indischen Kastensystem an unterster Stelle stehende Gruppe der Dalits als billige Hilfskräfte auf ihren Booten ein. Heute sieht man dort kein Kind mehr arbeiten. Die Caritas machte die Abschaffung von Kinderarbeit zur Bedingung, bevor sie neue Boote und Netze an die betroffenen Fischerfamilien verteilte. Die Familien haben erkannt, dass eine gute Schulbildung das beste Kapital ist, das sie in ihre Kinder investieren können.

Auch für die Dalits veränderte sich der Alltag markant, denn sie haben nach dem Tsunami ebenfalls Boote erhalten. So müssen sie sich nicht mehr für einen Hungerlohn bei den Fischern verdingen und leben in ökonomisch weit besseren Verhältnissen als vorher. Viele ehemalige Fischer profitieren bis heute von den Ausbildungs- und Umschulungskursen, die Caritas nach dem Tsunami anbot und arbeiten heute als Handwerker, Fahrer oder in Büros zu besseren Bedingungen.

Das Wort der Frauen hat Gewicht

Eine soziale Revolution gab es auch bei den Frauen. "Vor dem Tsunami hatten die meisten von ihnen nichts zu sagen", erzählt Mary Peter, Frauenbeauftragte der lokalen Caritas in der indischen Diözese Chengalpattu. "Heute existiert im indischen Bundesstaat kein einziges Gremium mehr, das auschließlich von Männern dominiert wäre. Seit August 2009 sind Frauen in Tamil Nadu mit einer 50-Prozent-Quote in allen politischen Gremien vertreten. Das hat die Länder-Regierung damals im Gesetz verankert. Ich sehe dies als Frucht unserer Caritas-Tsunamihilfe, in der wir enorm viel Bewusstseinsarbeit in Sachen Frauenrechte betrieben."

"Der Hebel für all diese sozialen Errungenschaften sei die Tsunamihilfe gewesen, ergänzt Sebastian James, Sozialarbeiter der Caritas Indien stolz. “Wenn man auf die letzten zehn Jahre zurückblickt, so haben wir in einer Dekade eine jahrtausendalte Kultur verändert."

August 2016