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Asien

Rechte für Kinder

Tadschikistan: Familiäre Netzwerke stärken

Die hohe Arbeitsmigration geht einher mit großen Lücken im Gesundheits- und Sozialwesen. Für arme Familien  gibt nur wenig Unterstützung. Armut und die oft jahrelange Emigration von einem oder beiden Elternteilen hat Konsequenzen für die Kinder.

Eine Konsequenz: Heimunterbringung

Frau mit Sohn und zwei Kleinkindern vor einem ärmlichen HausFamilien ohne Väter – ein häufiges Bild in Tadschikistan Caritas international

Schon zu Sowjetzeiten wurden Waisen bzw. Kinder aus armen Familien in staatlichen Heimen untergebracht mit dem Gedanken, dass sie dort eine bessere Versorgung und Zukunftsperspektive haben, als ihre Familie ihnen bieten kann.

Das mangelhafte Sozialsystem und der migrationsbedingte Auseinanderfall der Familien führen in Tadschikistan auch heute dazu, dass viele Elternteile in der Heimunterbringung ihrer Kinder die einzige Alternative sehen. In diesen Institutionen leben die Kinder jedoch unter schlechten Bedingungen. Die Bauten sind veraltet und zugig, im Winter ist oft nur ein einziger Raum beheizbar. Das Essensgeld ist pro Kind und Tag knapp bemessen. Unter diesen Umständen kommt auch die soziale und emotionale Betreuung der Kinder zu kurz - die Kinder werden eher aufbewahrt als gefördert.

Auf ein Leben in der Gesellschaft - also außerhalb der Heime - werden sie nicht vorbereitet. Nach Abschluss der neun bis elfjährigen Schulzeit haben sie nicht wie andere Kinder schrittweise gelernt, was ein eigenständiges Alltagsleben bedeutet. Sie werden entlassen und sind auf sich alleine gestellt. Dabei treffen sie auf eine Gesellschaft, die Heimabgänger sozial stigmatisiert. Der Arbeitsmarkt will sie nicht, und auch als Schwiegertochter oder -sohn sind sie in der tadschikischen Gesellschaft, in der Heirat ein Muss ist, unerwünscht.

Die Gefahr für diese jungen Menschen, auf der Straße zu landen, ist hoch. Häufig sind sie den Risiken von Kriminalität, Prostitution und Obdachlosigkeit ausgesetzt. Nicht zuletzt ist die Gefahr einer Drogenerkrankung hoch.  Diesen Kindern und Jugendlichen den Schritt in die Gesellschaft zu erleichtern, ist ein wesentliches Ziel von Zumrad, einer Partnerorganisation von Caritas international.

Eine andere Konsequenz: zurückgelassene Kinder

Auch in Khorog haben 60 Prozent der Kinder schon die Erfahrung gemacht, dass mindestens ein Elternteil aus ökonomischen Gründen nicht präsent ist. Die kleine Stadt Khorog ist das administrative Zentrum der abgelegenen Bergprovinz Gorno-Badachschan in Tadschikistan. Sie liegt an der Grenze zu Afghanistan im Pamir. Ein Großteil der Bevölkerung lebt von weniger als einem Euro am Tag. Immer mehr Menschen verlassen Khorog, um andernorts Arbeit zu finden. Sie lassen ihre Kinder und Angehörigen zurück: Rentner/innen oder ältere Geschwister, die eigentlich auch Unterstützung bräuchten, kümmern sich um die kleinen Kinder. Manchmal kommen diese auch in Stieffamilien unter, wo sie nicht immer gut behandelt werden. Die Kinder sind nicht nur sozialer und emotionaler Vernachlässigung ausgesetzt, auch die Gesellschaft begegnet ihnen mit Ablehnung. Durch die Nähe zu Afghanistan besteht außerdem die Gefahr, dass sie unter den Einfluss des Drogen- und Waffenhandels kommen. Kinder vor schlechten Einflüssen und gesellschaftlicher Diskriminierung zu bewahren, ist ein wesentliches Ziel von Khirad, einer weiteren Partnerorganisation von Caritas international.

Juli 2016