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Europa

Chancen für Chancenlose

Albanien: Armutsbekämpfung

Nach wie vor befindet sich Albanien - nach fast fünfzigjähriger Isolation des Landes unter kommunistischer Herrschaft - in einer sehr labilen Situation. Zwar können nach den Krisen in den 1990er Jahren seit der politischen Wende allmählich Erfolge verzeichnet werden: Die Inflationsrate hatte sich stabilisiert, das durchschnittliche Monatsgehalt war gestiegen.

Bregui LumitBregui Lumit am Stadtrand von Tirana - viele Kinder werden von ihren Eltern zum Müllsammeln am Flussufer statt in die Schule geschicktFoto: Ralph Weihermann / Caritas international

Dennoch gilt Albanien noch immer als das ‚Armenhaus‘ Europas. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, 14 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Die Hauptstadt Tirana ist die einzige Großstadt mit westlicher Prägung. Straßencafes und Restaurants, schicke Boutiquen und internationale Ketten prägen das Bild in der Innenstadt. Es gibt ein bisschen Tourismus, Rad- und Wanderurlauber aus dem Westen sind keine Seltenheit. Aber zum Bruttoinlandsprodukt tragen sie nur einen kleinen Teil bei. Es gibt kaum produzierende Industrie.

Offiziell liegt der Mindestlohn bei knapp 200 Euro, aber wo es keine festen Arbeitsverhältnisse gibt, greift auch kein Mindestlohn. Leidtragende der verbreiteten sozialen Unsicherheit sind Kinder und Jugendliche, die einer großen Vernachlässigung und damit einhergehenden Verwahrlosung ausgesetzt sind. Von staatlicher Seite gibt es zu wenige Schulen oder sinnvolle Freizeitangebote. Analphabeten- und Krankheitsraten sind hoch.Viele Familien schicken ihre Kinder zur Arbeit, Müll sammeln am Flussufer ist eine Variante davon. Die Basisversorgung der Bevölkerung ist oftmals kaum gewährleitet. In einigen ländlichen Regionen gibt es nur wenige Stunden am Tag fließendes Wasser. Stromausfälle gehören insbesondere in den Wintermonaten zum Alltag. Die staatliche Krankenversicherung reicht oft nicht aus, um die Arztrechnung zu bezahlen.

Viele Albaner sind in den letzten Jahren zudem aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland geflohen, aktuell kommen viele wieder zurück ins Land, weil sie in Deutschland oder anderen EU- Ländern kein Asyl erhalten. Neuer sozialer Sprengstoff, den die Caritas im Blick behalten will - denn auch diese Rückkehrer suchen Wohnungen und Arbeit.

 Januar 2018