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Europa

Gesundheit, Pflege, Sucht

Armenien: Häusliche Pflege und Sozialstationen

Behausung gegen KälteDie ovalen Blechcontainern dienen als Behausung -
auch bei Temperaturen unter minus 50 Grad Celsius
Caritas international

Armenien, einer der Südkaukasus-Staaten, ist ein kulturell reiches Land mit eigener Schrift und Sprache. Die Wirtschaft in Armenien hat sich seit dem dramatischen Niedergang mit dem Ende der Sowjetunion nur langsam erholt, Massenarbeitslosigkeit und Armut prägen nach wie vor den Alltag in dem Land zwischen Aserbaidschan und Georgien, der Türkei und dem Iran.  

Marode Wirtschaft - schlechte Renten

Heute liegt die Arbeitslosenquote offiziell bei knapp 20 Prozent, faktisch jedoch lebt, laut einem Bericht der Weltbank, jede fünfte Person in Armenien in großer Armut. Und "jeder Zehnte hat nur einmal am Tag zu essen," berichtet der Direktor der Caritas Armenien. Besonders die älteren Bewohner/innen der nördlichen Provinzen leiden unter Hunger und chronischer Mangelernährung. "Die Durchschnittseinkommen im Raum Gyumri liegen rund ein Drittel tiefer als im Rest des Landes, es ist die ärmste Region", berichtet die Caritas Armenien. 

Plfegerin schneidet einer Seniorin die HaareViele Bedürftige erhalten eine Rente von rund 15 Euro im Monat, was nicht einmal für das Notwendigste reicht. Caritas international

Hinzu kommen die Nachwirkungen des verheerenden Erdbebens von 1988, von dem sich Armenien auch Jahrzehnte später nicht wieder erholen konnte. Seither leben tausende - vor allem ältere Menschen in Blechhütten und Ruinen, die sich nicht ausreichend beheizen lassen. "Allein in Gyumri bleiben 600 alte Menschen einsam und unversorgt, und die sibirische Kälte der langen Winter macht den Alltag für alte Menschen fast unerträglich".

Besonders von Armut betroffen sind auch die Flüchtlinge, die seit dem Krieg um Bergkarabach Mitte der 1990er Jahre gegen Aserbaidschan, in dieser Region leben.

Von der jüngeren, arbeitsfähigen Bevölkerung verließen allein in den letzten 15 Jahren 700.000 Menschen Armenien. Zurück blieben am ehesten noch die Frauen mit kleineren Kindern. Die Versorgung von Senioren und Seniorinnen ist für sie eine zusätzliche Bürde. 

Auf staatliche Unterstützung können die alten und hilfsbedürftigen Personen nicht bauen, denn ein funktionierendes Sozialsystem ist quasi nicht vorhanden.

Juli 2014