zurück

Europa

Katastrophenhilfe

Deutschland und Mitteleuropa: Hochwasser

Caritas unter WasserBetroffen und Helfer zugleich / Mai 2013Eva-Maria Zaglauer / Caritas Passau

Viele Anwohner/innen waren von der Flut im Frühjarn 2013 hart getroffen worden. Der Gesamtschaden belief sich allein in Deutschland auf rund sieben Milliarden Euro. Die Flutnachsorge dauert bis Ende 2016 an.

Südosten und Osten Deutschlands

Dramatisch wurde die Lage im Südosten und Osten Deutschlands im Mai 2013: Hier wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen. In den Überflutungsgebieten waren Feuerwehr, Soldaten und Anwohner/innen rund um die Uhr im Einsatz, um die Dämme zu sichern und um Einwohner/innen aus ihren Häusern zu retten. Straßen und Bahnstrecken waren über Wochen gesperrt. Bis zum 9. Juni 2013 wurden über 75.000 Feuerwehrleute eingesetzt.

Vielerorts, so auch im Verbandsbereich Leipzig, sind die Caritasverbände Betroffene und Helfer zugleich. So wurde das Christopherus-Büro in Grimma von den eindringenden Wassermassen völlig zerstört. Auch das Jugendprojekt "Kompass" in Borna stand vorübergehend unter Wasser. In Pirna stand die Caritas-Beratungsstelle unter Wasser. Die Sozialstation konnte wegen des Hochwassers im Umland ihre Haus- und Krankenpflegedienste nicht mehr vollständig leisten.

Helfer mit schlammigen Kleidern berichten von der LageBischof Wilhelm Schraml dankt den Helfern, hier im Diözesan-Caritasverband Passau.Eva-Maria Zaglauer/Caritas Passau

Not schweißt zusammen: Die Caritas stellte sicher, dass die Pflegedienste über Angehörige und Nachbarn erfolgte. Caritas international leistete in den folgenden Wochen und Monaten grenzübergreifend Hilfe. Die teilweise selbst stark betroffenen Caritasverbände begrüßten die Unterstützung, die Caritas international durch seine Erfahrung als Katastrophenhilfswerk dabei leisten kann.

Prekär war zudem die Situation in Thüringen. Dort wurde unter anderem die Wohnungsloseneinrichtung "Haus Emmaus" in Gera-Zwätzen komplett überflutet. Im Ort Schmölln wurde die Werkstatt für Arbeitslose in den Kellerräumen überflutet, in der zwanzig SGB II-Hilfeempfänger beschäftigt sind.

In Gera-Debschwitz musste der ambulante Pflegedienst evakuiert werden. Der "CariVan", ein Begegnungsangebot im Hofwiesenpark in Gera-Untermhaus, stand komplett unter Wasser. Und in Magdeburg sind Caritaseinrichtungen und -dienste vom Hochwasser betroffen. Dort wurden das Altenpflegeheim "Sankt Marien", die Bahnhofsmission sowie die Beratungsstelle evakuiert. Gravierende Schäden richtete das Hochwasser in Bayern besonders in den Diözesen Regensburg und Passau, teilweise auch in der Erzdiözese München-Freising an.

Ein Gruppenfoto freiwilliger HelferBeschäftigte der Caritas-Einrichtung „S.C.H.A.T.Z.-Haus“ helfen freiwillig bei der Beräumung der Hochwasser-Schäden.Andreas Zube

Langfristige Herausforderung

Schnell war offensichtlich, dass die Zerstörung von unzähligen Privathäusern und Existenzen nicht von den Kommunen und Ländern alleine getragen werden kann. Überschwemmte Kläranlagen und Müllberge mit Elektroschrott sowie das Fluten der Kanalisation hatten riesige Schäden angerichtet. Die Krisenstäbe waren auf die Unterstützung der Katastrophenhilfswerke angewiesen, und für viele Menschen stellten die Caritas Ortsgruppen einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner dar.

Für einige Menschen, die mit den psychischen und materiellen Folgen der Flut nicht alleine klarkommen, bleibt die Caritas ein verlässlicher Ansprechpartner: Die Flutnachsorge von Caritas international wird noch bis Ende des Jahres 2016 weitergeführt. Hilfen gegen die Zukunftsängste sind auch drei Jahre nach der Flut noch wichtig: So bietet eine Kunsttherapeutin in der Gemeinde Schönhausen (Sachsen-anhalt) generationenübergreifende psycho-soziale Nachsorge für Geschädigte des Hochwassers an.

Caritas Hochwasserhilfe in Mitteleuropa

Auch in Tschechien, Österreich und Ungarn stellte das Hochwasser 2013 die Menschen vor große Probleme. 

Österreich und Ungarn: Auch in Österreich standen viele Häuser unter Wasser. In Tirol, in der Region um Salzburg sowie in Ober- und Unterösterreich wurden 2013 Hunderte Menschen evakuiert. Als die Scheitelwelle der Donau Budapest erreichte, verstärkten Soldaten Dämme und Uferanlagen mit Sandsäcken. In Bratislava hatte der Wasserstand der Donau mit 10,3 Meter einen Rekordwert erreicht.

Tschechien: Kritisch wurde die Situation in Tschechien, als Dämme in Lipno, Orlik, Nechranice und anderen Ortschaften die Wassermassen nicht mehr halten konnten: Für fast ganz Tschechien wurde der Notstand ausgerufen, Zehntausende Menschen mussten evakuiert werden. Allein in der Diözese Prag evakuierten Feuerwehrleute über 7.000 Personen, einige Evakuierungen waren nur noch mit Helikoptern möglich. Das Ausmaß der Überschwemmungen war größer als im Jahre 2002.

In Tschechien nutzt die Caritas ein Netzwerk aus 350 lokalen Caritaspartnern, um für die Betroffenen schnell und professionell Hilfe zu leisten. Für viele Evakuierte bot sie übergangsmäßig neuen Wohnraum an. In den Orten Prag, Budweis, Pilsen und Litomerice richtete die Caritas Zentren zur Koordination der Hilfsaktionen ein. Eine 24-Stunden-Hotline für Betroffene half, bedarfsgerechte Hilfe schnell zu leisten.

Von der Flut in der Diözese Prag waren drei Caritas-Einrichtungen betroffen, das Altenheim in Mukarov, die Büroräume der Caritas Prag und ein Bildungs-, Trainings- und Übernachtungszentrum. Um den Pflegebetrieb zu gewährleisten, mussten diese Räume hergerichtet werden -  dank der Aufbauarbeiten zeichnete sich für die 40 Bewohner/innen des Altenheims in Mukarov schnell wieder mehr Sicherheit im Alltag ab. Zudem erhielten 450 sozial schwach gestellte Personen, die besonders große Verluste erlitten haben, eine psycho-soziale Unterstützung. 

Um den Menschen in Tschechien nach der Flut eine Zukunftsperspektive zu geben, unterstützte Caritas international die Caritas Prag mit 280.000 Euro in ihrer Arbeit, die eng mit anderen NRO kooperiert, wenn es vor Ort um die Abstimmung von Haushaltsbeihilfen geht.

Februar 2016