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Europa

Katastrophenhilfe

Deutschland und Mitteleuropa: Hochwasser

Caritas Flutnachsorge

Sicht auf eine Straße mit Sperrmüll und SchlammBlick auf eine Straße in Gimma 2013: Es dauerte Tage , bis Müll und Schlamm beseitigt waren.Andreas Zube, Caritas Ostthüringen

Mit den Folgen der Hochwasserkatastrophe haben Bewohner und Bewohnerinnen in den betroffenen Ortschaften bis heute zu kämpfen. Viele durchlebten im Juni 2013 den gleichen Stress wie schon während der Flut im Jahr 2002. Über Monate waren die Menschen extremen Belastungen ausgesetzt, nicht nur wegen hoher finanzieller Verluste, unbewohnbarer Räume oder fehlenden Hausrats. Einige leben noch heute in einer Ausnahmesituation, die auch an den körperlichen und psychischen Kräften zehrt.

Aufgrund des anhaltenden Stresspegels und ständiger Sorgen und Ängste zeigen viele Hochwassergeschädigte psychosomatische Beschwerden wie Schlaflosigkeit und Konzentrationsprobleme. Aber auch traumatische Belastungsstörungen wie Depressionen, Angst  und Abhängigkeitserkrankungen (Alkohol, Spiele, Drogen) gehen mit der starken Überbelastung einher, ausgelöst oder verstärkt durch den Verlust. Zudem bringt die Flut auch indirekte Folgen mit sich, etwa Probleme in der Ehe oder in den Familien. Im Sozialraum der Nachbarschaft trugen Missgünste zu Konflikten bei. Familien mit Kindern, mit pflegebedürftigen Menschen und mit geringem Einkommen und finanziellen Nöten hatten es oft besonders schwer und sind von den Spätfolgen mehr betroffen als andere.

Neben dem privaten Wohnraum waren Schulen, Kindergärten, Vereine und Betriebe vom Hochwasser betroffen. Daher hatten oft alle Familienmitglieder, ob Kinder, Eltern oder Großeltern, mit den Schäden zu kämpfen. Aufgrund dieser Belastungen für die Gemeinden und Familien hat Caritas international in der Flutnachsorge soziale Probleme genauso im Blick wie die materiellen Aspekte.

Flutnachsorge 2016

Die Flutnachsorge kommt Menschen zugute, die generell Schwierigkeiten in der Bewältigung ihres Alltags haben und somit auf die langfristige Unterstützung der Caritasmitarbeitenden angewiesen sind - sie werden in Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern der Gemeinden und den Vertreter/innen der Landkreise ermittelt. Im Bistum Magdeburg steht ein Härtefallfonds für die großen Nöte von Menschen mit Behinderung bereit, für Personen mit Pflegebedarf in der Familie, für ältere Menschen über 65 Jahre, Alleinerziehende und kinderreiche Familien.

Auch die Sanierung von Spielplätzen wird finanziell unterstütz. Das "Haus am Deich" und das "Flutcafé" ermöglichen als Orte der Begegnung einen Austausch von Betroffenen. Zudem finanziert die Caritas Schulungen für Sozialarbeiter, die auf dem Leitfaden Katastrophenhilfe basieren. So werden die besonderen Bedürfnisse der Opfer in den Blick genommen. Krisenpläne, Arbeitsorganisation und Ehrenamt sind weitere Aspekte, die vorsorglich gestärkt werden. Und Traumatherapien helfen, Traumata zu erkennen und zu bewältigen.

Auch im Bistum Dresden sind die Hilfen zum Wiederaufbau noch nicht vollends abgeschlossen. Drei Sozialarbeiter und ein Baufachberater unterstützen hier bedürftige Familien dabei, die Hilfen von insgesamt rund zwei Millionen Euro sinnvoll und zielgerichtet umzusetzen.

4 Männer mit Schippen im PortraitFreiwillige des Obdachlosen-Freundeskreises (OFK) machten sich am 7. Juni nach Meißen auf und halfen bei den Aufräumarbeiten nach der großen Flut.Daniel Intile, Caritas Lüdenscheid

Sofort helfen & verlässlich begleiten

Die Fluthilfe hört also keineswegs auf, wenn das Wasser abgeflossen ist. Mit der Zeit ändern sich die Folgen und Nöte der Opfer - professionelle Hilfe reagiert auf diese Bedürfnisse angemessen und flexibel.

Schon in den ersten Tagen der Katastrophe leistete Caritas Soforthilfen. In einigen Einrichtungen wurden eilends Notunterkünfte eingerichtet, Mitarbeitende verteilten Essen, Getränke, Kleidung oder Hygieneartikel. Mancherorts half die Caritas unbürokratisch mit Bargeld als Überbrückungshilfe, andernorts stand die psychische Unterstützung der verzweifelten Flutopfer im Vordergrund.

Sobald in einigen Gebieten das Wasser abgeflossen war, begannen Aufräumarbeiten und Hilfen zur Instandsetzung. Caritas stellte technische Geräte wie Wandtrockner, Dampfstrahler oder Generatoren zur Verfügung, um Wohnhäuser zu reinigen und feuchte Wände zu trocknen. Außerdem half die Caritas beim Bezug von Hilfsmaterialien. "Besondere Härtefälle, wie Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen oder kinderreiche Familien, bei denen Versicherung oder öffentliche Gelder nicht einspringen, können in unseren Caritas-Zentren jederzeit Anträge auf Unterstützung stellen", erklärte Monika Huber. Sie war verantwortlich für die Spendenabwicklung des Diözesan-Caritasverbands in München und Freising. Das Caritas Zentrum in Rosenheim organisierte eine Freizeitfahrt für betroffene Kinder und Jugendliche, damit sie "Räume erhalten, um über ihre traumatischen Erlebnisse zu sprechen."

Die Hilfen der Caritas sind einerseits praktisch und  andererseits  sind soziale Dienste zur Betreuung der Betroffenen ein wesentlicher Teil. So hat die Caritas 2013 einen Leitfaden herausgegeben, der die wichtigsten Schritte zur Selbsthilfe nach einer Hochwasserkatastrophe auflistet. Die Broschüre erläutert, wie man Wasser aus dem Keller pumpt, das Haus vom Schlamm säubert und desinfiziert, wie man Räume trockenlegen und Schimmel vermeiden oder bekämpfen kann.

Wie auch schon nach der Elbe-Flut 2002 begleitet Caritas die Menschen langfristig beim Wiederaufbau. Mitarbeitende beraten Flutopfer bei den Formalitäten für staatliche Hilfen oder in Verhandlungen mit Versicherungen. Aus den Spenden und Eigenmitteln der Caritas leistet sie bis in das Jahr 2016 hinein finanzielle Hilfe bei Gebäudeschäden zum Kauf von Haushaltsgeräten oder Hausrat.

Psychosoziale Dienste der Caritas bilden nun in allen betroffenen Regionen den Schwerpunkt der langfristigen Hilfsmaßnahmen. Besonders im Osten Deutschlands sind Menschen, die nach der Elbeflut 2002 gute zehn Jahre später zum zweiten Mal vor dem Nichts standen, psychisch extrem belastet. Psychologisch geschulte Fachkräfte der Caritas stehen ihnen bei der Bewältigung ihrer Erfahrungen zur Seite und motivieren und unterstützen sie bei der Bewältigung der bürokratischen Hürden in der Antragstellung auf staatliche Hilfen.

Dank der großen Solidarität für die Opfer der Hochwasser-Katastrophe in Deutschland konnte Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbands, mehr als 14 Millionen Euro an Hilfsgeldern bereitstellen.

Januar 2016