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Europa

Krisen und Konflikte

Griechenland: Doppelte Krise

Not auf der Flucht lindern

Durch das Abkommen der Europäischen Union mit der Türkei sind die Zeiten, in denen Griechenland täglich zigtausende Neuankömmlinge zu versorgen hatte, vorbei. Dafür gilt es nun, den festsitzenden Flüchtlingen mit humanitärer Hilfe zur Seite zu stehen. Unsere griechische Partnerorganisation, die Caritas Hellas, verteilt mit Hilfe finanzieller Unterstützung aus Deutschland Hilfsgüter an verschiedenen Orten in Griechenland, beispielsweise in Athen, Lesbos, Chios und Thessaloniki. Da die Flüchtlinge durch die geschlossenen Grenzen teilweise dazu gezwungen sind, mehrere Monate bis hin zu Jahren auf Asylentscheidungen zu warten, rückt auch die psychosoziale Unterstützung vermehrt in den Mittelpunkt.

Psychosoziale Unterstützung in Athen

Anmeldung im Social Center AthenAdham Al-Hourani bringt seine Kinder morgens zum Kinderhort (Child Friendly Space) der Caritas. "Ich bin froh, dass sie hier hin können", sagt er. Im Social Center der Caritas in Athen haben Flüchtlinge außerdem Zugang zu psychologischer und rechtlicher Unterstützung, Sprachkursen und Beratungen. Foto: Philipp Spalek / Caritas international

In Athen hat die Caritas Hellas ein Sozialzentrum (Social Service Center) errichtet. Flüchtlinge, die in Athen und in der Umgebung leben, haben hier eine Anlaufstelle. Mit Hilfe von Übersetzern erfragen Sozialarbeiter die Situation und die Probleme der Flüchtlinge. Anschließend wird gemeinsam überlegt, in welcher Form die Menschen Unterstützung erhalten können. Im Haus werden beispielsweise Sprachkurse und eine Kinderbetreuung angeboten, aber auch eine Psychologin arbeitet für die Caritas Hellas, um traumatisierte Flüchtlinge betreuen zu können (Hier Klicken zum Interview). Wenn die Sozialarbeiter der Caritas Hellas merken, dass in einem spezifischen Fall keine Hilfe angeboten werden kann, so verweisen sie die Betroffenen an andere NGOs oder staatliche Einrichtungen mit entsprechenden Möglichkeiten. Das Sozialzentrum hat sich in den letzten Jahren als derart erfolgreich erwiesen, dass es als "Blaupause" für ein weiteres, geplantes Zentrum in Thessaloniki dient. Ebenfalls als sehr wichtig für Flüchtlinge, aber auch für mittellose Griechen in Athen, erweist sich die Suppenküche, die täglich bis zu 700 Portionen warmes Essen bereitstellt. 

Caritas-Zentrum Neos Kosmos

Kind beim Rechnen in der Schulklasse in Neos KosmosHöchste Konzentration beim Mathe-Test. Viele Kinder, die die Schulklasse im Wohnprojekt Neos Kosmos besuchen, hatten vorher noch nie in ihrem Leben die Möglichkeit zur Schule zu gehen.Foto: Philipp Spalek / Caritas international

In Athener Stadtteil "Neos Kosmos" gibt es zudem ein weiteres Caritas-Zentrum. Hier haben 42 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und anderen Ländern ein temporäres Zuhause gefunden. Jede Familie hat ein kleines Apartment, es gibt eine große Gemeinschaftsküche, einen Garten und Schulunterricht für die Kinder. Im Gegensatz zu vielen anderen Flüchtlingscamps, wo die Menschen sich jeden Tag in lange Essensschlangen stellen müssen und ihren Alltag absitzen, versorgen sich die Bewohner im Neos Kosmos selber. In der großen Gemeinschaftsküche wird - mal gemeinsam, mal als Familie - gekocht und gelacht. Während die Kinder im Schulunterricht sind, können sich die Eltern um Behördengänge kümmern oder sich mit den Sozialarbeitern der Caritas austauschen. In einer nahegelegenen Unterkunft der armenischen Kirche sind weitere 25 Flüchtlinge untergebracht.

Juli 2017