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Europa

Krisen und Konflikte

Griechenland: Doppelte Krise

2015 versuchten gemäß UNHCR mehr als eine Million Menschen über das Mittelmeer die EU zu erreichen, fast 850.000 kamen dabei in Griechenland an. Im Zeitraum von Januar bis Mitte Juli 2016 wurden in Griechenland und auf seinen Inseln rund 160.000 neu ankommende Flüchtlinge gezählt, knapp 40 Prozent sind Kinder. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen der ankommenden Flüchtlinge durch den EU-Türkei-Flüchtlingsdeal und die "Schließung" der Balkanroute zwar zurückgegangen, von einer "deutlichen Entspannung in der Flüchtlingskrise", wie es Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière Anfang Juli 2016 formulierte, kann aber keine Rede sein. Denn der Konflikt in Syrien ist nicht weniger blutig und die Menschen nicht weniger verzweifelt geworden.

UNHCR ist besorgt über die Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern

Unterkunft in LagerhalleUrsprünglich betrug die Verweildauer in den Lagern nur wenige Tage. Doch mittlerweile sitzen viele Flüchtlinge fest - beispielsweise in alten Lagerhallen unter äußerst schwierigen Bedingungen.Foto: Philipp Spalek / Caritas international

Und auch in Griechenland ist die Situation nach wie vor schwierig. Über 60.000 Flüchtlinge befinden sich auf dem griechischen Festland oder auf den griechischen Inseln und sind auf Hilfe angewiesen. Das Auffanglager in Idomeni, welches für lange Zeit die hiesige Medienlandschaft beschäftigte, ist inzwischen geräumt worden, doch die Zustände in den offiziellen Flüchtlingslagern, in welche die Menschen gebracht wurden, sind laut dem UNHCR ebenfalls äußerst bedenklich.

Die Umsiedlung aus Idomeni und anderen Grenzlagern in die offiziellen Lager hat für viele Flüchtlinge keine Verbesserung bedeutet, im Gegenteil: Viele der Flüchtlinge sind in ehemaligen Warenlagern oder Fabriken untergebracht worden, die Frischluftversorgung in diesen Gebäuden ist oft unzureichend, es mangelt an Nahrungsmitteln, Wasser, Toiletten, Duschen und Strom. Zudem wurden viele Flüchtlinge von ihren Familien getrennt und bekommen keine oder nur unzureichende Informationen, wie sie wieder zusammenfinden und wie es mit ihnen weitergehen soll. Erschwerend zur dramatischen Situation der Flüchtlinge kommt in Griechenland dazu, dass die Einheimischen ihrerseits teilweise in großer Armut und unter prekären Bedingungen leben müssen.

Vier Millionen Menschen in Armut

Griechenland ist in der Versorgung der Flüchtlinge längst an seine Kapazitätsgrenzen gelangt. Der krisengeschüttelte Staat kann nicht einmal für seine eigene Bevölkerung ausreichend sorgen, rund vier Millionen Einwohner sind von Armut betroffen. Seit mehr als sechs Jahren setzt das Land auf massive Sparmaßnahmen, um aus der Verschuldung zu kommen. Die Finanzkrise, die 2010 offiziell bekannt wurde, hat Auswirkungen auf alle öffentlichen Bereiche. So wurden die Renten gekürzt, das Rentenalter angehoben, die Mehrwertsteuer erhöht und Löhne gesenkt. Es kam zu Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit ist weit verbreitet. Weiter gab es Kürzungen im Gesundheitsbereich, fast 2,5 Millionen Menschen sind nicht krankenversichert und die Kindersterblichkeit hat in den letzten Jahren zugenommen.

Juni 2017