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Europa

Flucht und Migration

Italien: „Hotspot“ für Flüchtlinge

Lampedusa ist winzig - ein Klecks im Meer, so groß wie die Insel Langeoog, irgendwo zwischen Sizilien und Tunesien. Doch Lampedusa hat es in den letzten Jahren zu trauriger Berühmtheit geschafft.

Überlebende der Tragödie werden von Rettungskräften an Land gebrachtÜberlebende der Tragödie im Oktober 2013 werden von Rettungskräften an Land gebracht. Spätestens seit da ist Lampedusa ein Sinnbild der europäischen Flüchtlingspolitik. Caritas Europa

Spätestens seit der Tragödie vom Oktober 2013, als rund 550 Flüchtlinge vor Lampedusa ertrunken sind, gilt auch Lampedusa als ein Symbol für die Flüchtlingspolitik Europas. Doch mittlerweile, so ist aus Lampedusa zu hören, erreichen kaum noch Flüchtlingsboote die Insel. In der militärischen Sperrzone am Rand des Hafens kommen jedoch immer noch Flüchtlinge an: italienische oder europäische Rettungsschiffe haben die Menschen zuvor aus völlig überfüllten, maroden Gummibooten gerettet und nach Lampedusa gebracht. Denn Lampedusa ist jetzt ein sogenannter "Hotspot", ein Ort wo eine Art Vorselektion der Flüchtlinge stattfindet in diejenigen, die voraussichtlich Anspruch auf Asyl haben und diejenigen, für die ohnehin keine Möglichkeit besteht, legal in Europa zu bleiben.

Von Lampedusa nach Sizilien

Mehrere Flüchtlinge winken von einer FähreDie meisten Flüchtlinge verlassen den "Hotspot" Lampedusa innerhalb von 72 Stunden per Schiff Richtung Sizilien. Caritas international

Es geht jedoch auch darum, zu verhindern, dass Flüchtlinge und Migranten unregistriert in die EU gelangen. Durchnässt, hungrig und eingeschüchtert lassen die Männer, Frauen und Kinder die Registrierungsprozesse über sich ergehen. Viele von ihnen sind zudem traumatisiert, sei es von der Flucht oder durch Erlebnisse in ihren Herkunftsländern. Die meisten verlassen Lampedusa wieder während der ersten 72 Stunden - eine achtstündige Schiffsfahrt bringt sie nach Sizilien. Mit Hilfe des sogenannten EU-Umsiedlungsprogramms sollten die Menschen dort die Chance haben, in ein anderes EU-Land weitergeschickt zu werden. Doch in der Praxis mag das noch nicht so ganz gelingen. 
Die sizilianische Diözese Agrigento, zu der auch die Insel Lampedusa gehört, sieht sich mit einer stetig zunehmenden Zahl von Flüchtlingen, vornehmlich aus afrikanischen Ländern wie Eritrea, Syrien, Nigeria oder Ghana, konfrontiert. Die italienische Regierung beschränkt sich oft auf Rettungseinsätze auf See und die akuten Nothilfen. Den Flüchtlingen eine mittel- und langfristige Perspektive zu bieten und ihnen bei der Integration zu helfen - diese Aufgabe obliegt meistens Organisationen wie der Caritas.

Dezember 2016