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Europa

Flucht & Migration

Flüchtlingshilfe in der Balkanregion

Serbien: Hilfe mit dem Notwendigsten

Menschen stehen im Schneegestöber in einer SchlangeSchlange stehen für ein paar Hilfsgüter: Flüchtlinge in einem Camp an der Westgrenze Serbiens. Caritas Serbia

Temperaturen von weit mehr als 20 Grad Celsius - unter Null. Der Januar hat den Balkan und Griechenland sowie Teile der Türkei mit einem eiskalten Schleier überzogen. Nicht nur die dort zumeist in provisorischen Unterkünften lebenden Migranten und Flüchtlinge trifft dieses Wetter hart. Auch der besonders arme Teil der lokalen Bevölkerung hat mit der Situation schwer zu kämpfen. "Aus Serbien erreichen uns Berichte, dass viele Menschen bereits einen großen Teil ihres Vorrats an Feuerholz verbrennen mussten, um sich gegen die Kälte zu wappnen. Mitglieder besonders armer Familien müssen durch eine Grippewelle zudem oftmals ihr letztes Geld in Medikamente investieren. Aus Griechenland kommen ähnliche Nachrichten", sagt Südeuropa-Referent Gernot Krauß.

Caritas international unterstützt seine lokalen Partner dabei, den Menschen auf dem Balkan und in Griechenland in dieser prekären Lage zur Seite zu stehen. Die Caritas Hellas verteilt übergangsweise unter anderem Plastikflaschen mit Wasser an besonders Bedürftige, die derzeit ohne fließendes Wasser auskommen müssen. Auf der Insel Lesbos und im Lager Vasilika schenken Mitarbeiter der Caritas in sozialen Treffpunkten Tee und Kaffee gegen die Kälte aus. In Serbien betreibt die lokale Caritas einige Suppenküchen und verteilt regelmäßig Nahrungsmittel. Auch die Verteilung von warmer Winterkleidung und Decken ist hier geplant.

"Seit 2015 haben wir unsere Partner in der Region mit mehr als drei Millionen Euro unterstützen können - auch dank Institutionen wie dem Auswärtigen Amt. Der Großteil des Geldes wurde für die Hilfe von Flüchtlingen und Migranten verwendet, ein Teil aber auch für die Unterstützung besonders bedürftiger Menschen in der lokalen Bevölkerung", sagt Krauß. "Gerade letztere Gruppe wird oft vergessen. Wir würden hier gerne noch mehr Hilfe leisten - sind dafür aber dringend auf Spenden angewiesen", sagt er.

Neue Situation erfordert neue Form der Hilfe

Eine Ausgabe von HilfsgüternFreude über ein paar Hilfsgüter, die gegen die Kälte helfen sollen. Caritas Serbia

Rückblende: Lange war die Situation in der Region kaum überschaubar: Dicht gedrängt schliefen unzählige Flüchtlinge im Herbst 2015 auf Pappkartons unter freiem Himmel - während die Temperaturen von Tag zu Tag sanken. Einige der Migranten und Flüchtlinge auf dem Balkan hatten nicht einmal genug Geld, um sich ein Stück Seife zu leisten. Gerade Alten, Kranken und Kindern, die sich aus Krisen- und Konfliktländern in ein neues Leben aufgemacht hatten, setzte die strapaziöse Flucht zu. Um diesen Menschen zu helfen, hatte Caritas international bereits damals in Kooperation mit der Caritas Serbien ein umfangreiches Hilfsprogramm gestartet. An die Migranten und Flüchtlinge wurden Wasser und Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Decken und Schlafsäcke verteilt. Über 200.000 Flüchtlingen in Serbien konnte so geholfen werden.

Im Frühjahr 2016 veränderte sich die Situation auf einen Schlag. Das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei sowie die Schließung der sogenannten Balkanroute schwächten die Bewegungen der Migranten und Flüchtlinge ab, wohlgemerkt ohne dass sich etwas an den Fluchtursachen geändert hätte. Menschen, die sich während der Schließung der Balkanroute bereits auf dieser befanden, konnten ihre Reise nicht mehr fortsetzen und sind in verschiedenen Ländern "gestrandet". Vor der Grenzschließung stellte Serbien lediglich ein Durchreiseland dar, beinahe alle Flüchtlinge verließen das Land innerhalb kürzester Zeit wieder. Seitdem hat sich einiges geändert. Die aktuell noch in Serbien verbleibenden Flüchtlinge mussten durch die veränderte Situation oft längerfristig untergebracht werden. Ein Problem dabei ist aber, dass die Flüchtlinge offizielle Lager aus Furcht vor Abschiebung oft meiden und mitunter wilde informelle Siedlungen entstehen. Die Versorgung nach humanitären Standards ist oft nicht gewährleistet.

Flüchtlingen und aufnehmender Bevölkerung helfen

Das Ziel der Caritas-Arbeit in Serbien bleibt immer das gleiche: Einen Beitrag zur Deckung der Grundbedürfnisse zu leisten und den Migranten und Flüchtlingen in dieser schwierigen Situation beizustehen. Auch die lokale Bevölkerung wird in die Projekte der Caritas integriert. Da viele Menschen in Serbien ebenfalls am Existenzminimum leben, erleichtert es sowohl die Akzeptanz der Caritas-Mitarbeiter vor Ort als auch das gegenseitige Miteinander zwischen aufnehmender Bevölkerung und Migranten und Flüchtlingen. Sowohl Migranten und Flüchtlinge als auch die besonders bedürftige serbische Bevölkerung werden von Caritas international und der Caritas Serbien mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und Kleidung unterstützt. Das Projekt beinhaltet auch eine psychosoziale Betreuung für die teilweise schwer traumatisierten Flüchtlinge.

Januar 2017