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Europa

Flucht & Migration

Flüchtlingshilfe in der Balkanregion

Camp KrnjacaDas Flüchtlingslager Camp Krnjaca vor den Toren Belgrads. 1000 Flüchtlinge sind hier untergekommen.Foto: Philipp Spalek / Caritas international

Die meisten Menschen, die vor Kriegen und Konflikten in ihrer Heimat fliehen, wählten bis zum Frühjahr 2016 die Balkanroute, um nach Westeuropa zu kommen. Trotz aller Gefahren und Hindernisse, die ihnen auf diesem Weg drohten, war dieser Weg eine vergleichsweise sichere Möglichkeit, sich und seine Familie nach Europa zu retten. Nach der "Schließung" der Balkanroute und dem EU-Türkei Flüchtlingsabkommen am 20. März 2016 ist dieser Weg nun jedoch den meisten Flüchtlingen versperrt. Unterdessen sitzen viele Migranten und Flüchtlinge im Süden Europas fest. Allein in Serbien sind es mehr als 7000 Menschen. Syrer stellen dort mittlerweile nur noch einen verhältnismäßig kleinen Teil der Flüchtlinge dar - die meisten kommen aus Afghanistan, Pakistan oder dem Iran. Sie sind vor Gewalt, Terror, Verfolgung und Armut aus ihrer Heimat geflohen, häufig auch mit falschen Versprechungen der Schleuser gelockt worden. Nach teilweise jahrelanger Flucht sind sie nun in Serbien angekommen, kommen nicht mehr vor und können nicht mehr zurück - Frust und Hoffnungslosigkeit breiten sich aus. Auch für die Helferinnen und Helfer in den Flüchtlingslagern hat sich die Situation geändert: Während die Balkanroute offiziell geöffnet war, betrug die durchschnittliche Verweildauer in den verschiedenen Flüchtlingslagern in Serbien nur wenige Tage. Durch die geschlossenen Grenzen leben viele Flüchtlinge mittlerweile jedoch schon mehrere Monate in den Lagern.

Noch immer fliehen Menschen über die Balkanroute

Farman aus Pakistan"Ich habe bereits 8-mal versucht, über die Grenze zu kommen. Fünfmal nach Ungarn und dreimal nach Kroatien", erzählt Farman (18) aus Pakistan. Häufig wurde er bei dem Versuch ausgeraubt, auch sein Handy - sein wertvollster Besitz - wurde ihm weggenommen. Foto: Philipp Spalek / Caritas international

Wenn in den Medien häufig davon die Rede ist, die Balkanroute sei "dicht", so ist sie in Wirklichkeit vor allem teurer und gefährlicher geworden. In ihrer Verzweiflung versuchen es die Flüchtlinge immer wieder über die Grenze - meistens werden sie geschnappt und wieder auf die andere Seite gebracht. Rund 500 Euro zahlt ein Flüchtling im Durchschnitt an einen Schleuser für die Überquerung einer Grenze, je widriger die Bedingungen, desto höher der Preis. Damit sind die Flüchtlinge den Schleusern völlig ausgeliefert. Wer das Geld nicht aufbringen kann, verpflichtet sich oftmals, die Schulden nach Ankunft im Zielland abzuarbeiten - häufig führt dies zum Abrutschen in die Illegalität. Die alternativen Flüchtlingsrouten befinden sich zudem häufig fernab vom Einflussbereich internationaler Organisationen, was die Versorgung der Flüchtlinge erschwert oder unmöglich macht.

Mai 2017