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Lateinamerika

Rechte für Kinder

Argentinien: Kampf gegen Kinderhandel

Eine Frau hält ein Plakat, auf dem ein vermisstes Kind abgebildet ist.Eltern und AnwohnerInnen kämpfen um die entführten Kinder.Caritas international

Der Norden Argentiniens gilt als Hort des Menschenhandels. Das Büro zur Überwachung und Bekämpfung von Menschenhandel (Office to Monitor and Combat Trafficking in Persons) des US-Außenministeriums definiert Argentinien als Ursprungs-, Durchgangs- und Zielland von Männern, Frauen und Kindern, die Opfer von Menschenhandel werden.

Absolute Zahlen gibt es nicht, aber für das Jahr 2005 wurde beispielsweise geschätzt, dass mehr als 45.000 Kinder aus dem Nordosten des Landes in die Fänge von Menschenhändlern geraten sind. Die Region dort ist strukturschwach, im ländlichen Raum herrscht zumeist Armut, die Familien sind oftmals zerrüttet und es kommt gehäuft zu Gewalt an Kindern. Für die Kinder und Jugendlichen gibt es kaum Perspektiven, dafür gedeihen Kriminalität, Drogenschmuggel und Menschenhandel.

Die Rechtslage ist eindeutig, und Argentinien hat die Kinderrechtskonventionen auch unterzeichnet, doch fehlt es an der Umsetzung von ganzheitlichen Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche, vor allem im ländlichen, nordöstlichen Raum. Organisierte kriminelle Händlerringe kaufen hier unter Duldung oder gar mit Unterstützung staatlicher Helfershelfer mittellosen Familien ihre Kinder ab oder entführen sie. Die Mädchen und Jungen werden verschleppt und zur Prostitution oder zur Arbeit in illegalen Betrieben im Süden des Landes gezwungen. Allein in der Provinzstadt Goya mit rund 73.000 Einwohnern, wurden zwischen 2013 und 2015 rund 96 Fälle von Kindesmissbrauch, 71 Fälle von Kindesmisshandlung und sechs Fälle von Kinderhandel registriert.

November 2016