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Lateinamerika

Rechte für Kinder

Argentinien: Kampf gegen Kinderhandel

Das Netzwerk "Geraubte Kindheit"

Menschenansammlung bei einer Straßenaktion Eine Straßenaktion des Netzwerks "Geraubte Kindheit" mit Caritas und anderen Organisationen.Infancia Robada

Kinderhandel hat in Argentinien Hochkonjunktur. Vor allem der Norden und Nordosten sind betroffen. Dort, in den ländlichen und armutsgeprägten Regionen, haben sich organisierte, kriminelle Händlerringe etabliert, die Kinderhandel bei steigender Nachfrage betreiben. Die gekauften oder entführten Jungen und Mädchen werden zur Prostitution oder Arbeit gezwungen und stammen zumeist aus ganz armen und zerrütteten Familien, in denen sie schon früh Gewalt, Misshandlung und Missbrauch erfahren.

"Es könnte sein, dass in Argentinien mehr Geld mit Kinderprostitution als mit Drogen verdient wird", sagt Martha Pelloni, Karmeliterschwester aus Goya. Die energische Frau kämpft seit über 20 Jahren gegen Kinderhandel und Kindesmissbrauch und ist Leiterin der Stiftung Santa Teresa.

Caritas international unterstützt das Engagement von Martha Pelloni seit 2004. Im Laufe der Jahre kristallisierten sich dabei zwei Schwerpunkte heraus: Der erste ist die direkte Arbeit mit den Opfern von Kinderhandel, Gewalt und Missbrauch, der zweite fokussiert sich auf Öffentlichkeitsarbeit und politische Einflussnahme.

Netzwerk „Geraubte Kindheit“

Plakat vom NetzwerkEin Plakat vom Netzwerk "Geraubte Kindheit"Infancia Robada

Unter dem Namen „Geraubte Kindheit“ wurde durch kirchliche und zivile Organisationen, darunter Caritas international, im Norden Argentiniens ein Netzwerk von Anlaufstellen für die Opfer und ihre Familien gebildet. Die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitenden setzen sich aus Psychologen, Juristen und Sozialarbeitenden zusammen. Sie leisten psychosoziale und juristische Hilfe und begleiten die Betroffenen. In einem Kinderschutzhaus finden die Jungen und Mädchen ein vorübergehendes Zuhause und werden dort so lange betreut, bis sie gefestigt sind. Über öffentliche Notfallnummern kann im Bedarfsfall sofort reagiert werden, weiter können Kinder und Familienangehörige Telefonberatungen in Anspruch nehmen.

Seit Beginn der Unterstützung ist das Netzwerk stark angewachsen. Waren es im Jahr 2009 erst neun Anlaufstellen, so gab es Mitte 2015 bereits 35 dieser Stellen.

Öffentlichkeitsarbeit: Eine Stimme für die Opfer

In Veranstaltungen werden Kinder, Eltern, Lehrpersonal, Gemeinden und Vertreter staatlicher oder zivilgesellschaftlicher Institutionen zu Kinderrechten, Kinderhandel und Kindesmissbrauch sensibilisiert. Gezielte Kampagnen informieren die breite Öffentlichkeit über korrupte Politiker, Polizisten und Staatsbeamte, machen Hintergründe und Hintermänner bekannt und fordern beim Staat seine Pflichten zum Schutz der Kinder und Jugendlichen ein.

Durch die Arbeit des Netzwerks bekommen die Opfer erstmals eine Stimme und können über das erlittene Unrecht und die Gewalt berichten.

November 2016