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Lateinamerika

Katastrophenvorsorge

Bolivien: Vorsorge in Zeiten des Klimawandels

„Man muss dringend etwas für den Umweltschutz im Amazonasgebiet unternehmen“

Caritas-Mitarbeiter Roberto CastilloCaritas-Mitarbeiter Roberto CastilloFoto: Caritas international

Welche Rolle spielt Umweltschutz im Amazonasgebiet?

Eine große Rolle, man muss dringend etwas für den Umweltschutz unternehmen. Das Amazonasgebiet ist die zweitgrößte Süßwasser-Quelle der Welt, die Wasservorräte des Gebiets müssen geschützt werden. Auch die Biodiversität der Gegend muss erhalten bleiben. Und für die Gebiete, in denen Bergbau, Ölförderung oder extensive Landwirtschaft betrieben wird, müssen Naturschutzgebiete abgegrenzt und Regeln festgelegt werden.

Was passiert aktuell im Amazonasgebiet?

Viele wirtschaftliche Interessen treffen gerade aufeinander, um am Reichtum des Landes teilzuhaben: Viele Firmen bauen dort Rohstoffe ab. Nicht nur in Bolivien selbst, auch in Brasilien und Argentinien. Das Amazonasgebiet wird gerade national und international als eine Gegend betrachtet, die Geld einbringt. Die bolivianische Regierung nationalisiert die Rohstoffe und will von ihnen profitieren, um die Entwicklung des Lands zu finanzieren: Der Erhalt von Gas und Wasserkraft sowie Ernährungssicherheit wird angestrebt. Die Regierung strebt sogar an, dass Menschen ins Amazonasgebiet ziehen, damit die Bevölkerung stärker von den Rohstoffen profitieren kann. Es leben jetzt viel mehr Menschen dort. Die Indigenen werden aber aus diesem ganzen Prozess ausgeschlossen und verlieren Boden. Die Bevölkerung, die ursprünglich aus dem Amazonasgebiet kommt, ist Verliererin in diesem Prozess. Die Menschen roden deshalb, um mehr Platz für Monokulturen zu haben, vor allem für Soja. Deshalb ist die Ernährungssicherheit nicht mehr gewährleistet.

Was sind typische Symptome der Umweltveränderung?

Die Hauptwasserquellen des Amazonasgebiets sind verschmutzt und die Wälder verändern sich. Es gibt starke Überschwemmungen, 2014 gab es so starke Überschwemmungen wie noch nie im bolivianischen Amazonasgebiet. Das liegt daran, dass der Wald gerodet wird. Denn er diente als ein natürlicher Schutz vor Überschwemmungen.

Was macht die Caritas in Bolivien?*

In zwei Ökoregionen im bolivianischen Amazonasgebiet stärkt die Caritas indigene Bevölkerungsgruppen beim nachhaltigen Wirtschaften. Zusammen mit den Bauern bauen wir dort Agroforstsysteme auf.

Eine bessere Beziehung zwischen Mensch und Wald stärkt die lokale Bevölkerung. Wir, die Caritas, wollen das Bewusstsein dafür schaffen, dass man noch mehr vom Wald profitieren kann. Im Wald gibt es so vieles, was wir essen können und wir können damit vieles produzieren, was wir auf dem externen Markt verkaufen können. Über die Arbeit mit Agroforstsystemen schützt man das Grundwasser ebenso wie die Nebenflüsse und der Boden trocknet nicht aus. Außerdem ist diese Form der Landwirtschaft auch eine Antwort auf die Frage der Ernährungssicherheit.

Wir müssen in der Praxis begreifen, dass man anders handeln kann, wenn man Mensch und Natur verbindet. Es ist schwierig, das den Leuten verständlich zu machen, die einen Nahrungsmittelüberschuss produzieren müssen, um verkaufen zu können. Aber wir können zeigen, dass es mehr und langfristigeren Nutzen hat, einen Baum zu erhalten, als ihn zu fällen. Es ist ein langsamer Prozess.

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Lokalregierungen? Trifft man da auf ein Umweltbewusstsein?

So eine Zusammenarbeit in Sachen Umweltschutz ist fundamental, denn Gemeinden und Lokalregierungen sind die Hauptverantwortlichen für die Gebiete, aber nicht alle Regierungen sind zu einer Zusammenarbeit bereit. Es gibt Regierungen, die stärker daran interessiert sind, weiterhin das Gebiet auszubeuten, um Rohstoffe zu erhalten. Es gibt auch sehr viel Ohnmacht dort, also lokale Regierungen, die keine Kontrolle über ihr Gebiet haben.

Ein großes Problem.

Ja, das ist ein großes Problem. Es gibt da keine Strukturen, um die Ausbeute der Rohstoffe kontrollieren zu können. Es gibt auch keine Strukturen, mit denen das Gebiet besser über Regeln geordnet werden kann. Man könnte ja sagen: In dieser Zone darf es Landwirtschaft geben, diese Zone ist ein Naturschutzgebiet und in dieser Zone darf es ein bisschen Industrie geben. Territoriale Ordnung ist wichtig und nötig. Aber die Struktur der Regierung kann so eine Kontrolle nicht leisten. Am meisten Macht hat deshalb der, der die meisten Rohstoffe hat. Um zu unterstützen, dass das Gebiet durch Regeln organisiert wird, ist es am besten, mit den Kommunen zusammenzuarbeiten, nur sie können ihre Regierung verändern. Das alles dauert lange und man muss sehr präsent sein. Man muss permanent da sein.

Gibt es Schulen, gibt es Umwelt-Kurse?

Nein, nur sehr basal. Die Menschen tragen Müll zum Berg, Plastik, Taschen oder verschmutzen den Fluss, es gibt nicht viel Bewusstsein für die Umweltproblematik. Und die Akteure, die auf Gewinn aus sind, machen es nicht besser. Es gibt hier einfach große Schwächen auf Seiten der Institutionen. Ich glaube, dass sich das verändert. Aber dieser Prozess ist langsam. Es braucht noch viel Arbeit. Es gibt zwar Fortschritte, aber nur wenige. Man muss bei den Kindern beginnen.

Roberto Castillo

Roberto Castillo arbeitet seit ungefähr 15 Jahren im Kontext der Caritas. Seine Hauptthemen sind Risikominderung und Katastrophenvorsorge. Ursprünglich aus Guatemala arbeitete er zunächst bei der Caritas Guatemala. Vor acht Jahren engagierte ihn Caritas international für ein Projekt in Bolivien. Seitdem arbeitet Roberto Castillo in Bolivien. Von hier aus hatte er die Möglichkeit, auch mit der Caritas Chile zusammenzuarbeiten, wie auch der Caritas in Zentralamerika, El Salvador, Guatemala, Nicaragua. Auf die Weise konnte er einen Blick für unterschiedliche Länder gewinnen und auch dafür, dass das Amazonasgebiet ein sehr wichtiges Thema ist.

*Eine weiterführende Beschreibung der Projekte der Caritas Bolivien im Amazonasgebiet gibt es leider nicht auf unserer Homepage. Ein ähnliches Programm, das auch von Caritas international unterstützt wird, finden Sie jedoch unter den Projekten in Peru.