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Lateinamerika

Chancen für Chancenlose

Kolumbien: Ausstieg aus der Prostitution

Auszeichnung für eine soziale Erfolgsgeschichte aus Kolumbien

Preisübergabe in vollbesetztem KonzertsaalNeben einem Preisgeld bedeutet der Mundologia-Preis vor allem Anerkennung für die Arbeit, die die Schwestern der Ordensgemeinschaft seit über 40 Jahren leisten. Foto: Tobias Friedrich

Der mit 4.000 Euro dotierte Sozialpreis geht an ein seit vielen Jahren von Caritas international unterstütztes Hilfsprojekt in Kolumbien. Dieses hilft Frauen beim Ausstieg aus der Prostitution und bietet ihnen dauerhafte Einkommensalternativen. Schwester Maria Rosaura von den "Hermanas Adoratrices" ist für die Übergabe des Preises extra nach Freiburg gereist. Sie leitet das Projekt in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá, welches seit 40 Jahren Frauen von der Straße aus der Prostitution holt und ihnen eine zweite Chance gibt. Das Projekt steht für eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die Schwestern konnten laut eigenen Angaben bereits ca. 10.000 Frauen unterstützen.

Ein neues Leben für ehemalige Prostituierte in Bogotá

Mit nach Freiburg gekommen ist auch die Näherin Amparo Chambo. Genau wie viele andere Menschen in Kolumbien, hat sie der jahrzehntelange Bürgerkrieg in bittere Armut gestürzt. Amparo Chambo wurde so in die Prostitution getrieben und musste Schlimmes ertragen: Gewalt, Vergewaltigungen, ungewollte Schwangerschaften.


Heute arbeitet sie in der Nähwerkstatt "Miquelina" der Schwestern. Die Ordensschwestern waren es, die die Nähwerkstatt 1977 gründeten und die sich bis heute um die Frauen kümmern. Amparo Chambo arbeitet bereits seit 20 Jahren in der Nähfabrik: "In dieser Zeit konnte ich als alleinerziehende Mutter meine fünf Kinder aufziehen und bin stolz, dass sie heute alle eine Schule besuchen oder studieren!", erzählt sie.

Fair produzierte Kleidung als sichtbarer Erfolg des Projekts

Schwester Maria Rosaura und die Näherin Amparo ChamboDie Leiterin der "Hermanas Adoratrices", Schwester Maria Rosaura, und die Näherin Amparo Chambo nehmen den Mundologiapreis 2017 stellvertretend entgegen.Foto: Tobias Friedrich

Es ist erstaunlich - was einst mit zwei Nähmaschinen begann, ist heute ein großes, florierendes Unternehmen: In Zusammenarbeit mit dem Outdoor-Kleidungshersteller "Páramo" produzieren die Näherinnen jedes Jahr hochwertige, ökologisch auf höchstem Niveau befindliche Kleidung unter fairen Arbeitsbedingungen. Seit 2017 sind die Kleider auch offiziell mit dem anspruchsvollen Fair-Trade-Siegel der World Fair-Trade Organisation WFTO ausgezeichnet. Damit ist Páramo einer der ganz wenigen Hersteller von Outdoor-Bekleidung auf dem Markt, der wichtige soziale und ökologische Herausforderungen bei der Herstellung berücksichtigt. Der Preis bedeutet Schwester Rosaura und Amparo Chambo viel, besonders wegen der damit verbundenen Anerkennung für ihr Engagement. Das Preisgeld wollen sie übrigens für Spielsachen ausgeben. Denn zur Näherei gehört auch ein Kindergarten, in dem die Kinder der Frauen versorgt werden, während diese arbeiten.

Kim Nicolai Kerkhof, Februar 2017