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Lateinamerika

Chancen für Chancenlose

Kolumbien: Neuanfang in der alten Heimat

zwei ältere Männer auf einer BankNach der Rückkehr in die alte Heimat braucht es für den Neuanfang Vertrauen und RespektBettina Taraki

Den indigenen Völkern gilt die Sierra Nevada im Norden Kolumbiens als das Herz der Erde. Tatsächlich ist das Küstengebirge mit seiner biologischen und klimatischen Vielfalt weltweit einzigartig: Auf einer Fläche von annähernd 12.000 Quadratkilometern finden sich hier beinahe alle Klimazonen der Erde, vom tropischen Küstenklima bis zum 5.700 Meter hoch gelegenen Berggipfel. Indigene Gemeinden nutzen die Sierra Nevada seit Jahrhunderten als Rückzugsort. Hierher flohen sie vor den spanischen Eroberern und später vor den Siedlern der Kolonialmacht. Weil das Gebirge sehr schwer zugänglich ist, konnten sie sich dort lange Zeit gegen Einflüsse und Fremdherrschaft abschirmen. Das historisch begründete Misstrauen gegenüber der Außenwelt hat sich bis heute gehalten.

Um die Jahrtausendwende drangen immer mehr bewaffnete Gruppen in die Region ein. Mit diesen dehnte sich auch der illegale Drogenanbau in der Sierra Nevada aus. Das Land der Wiwa, der Kogis, Arhuacos und der Kankuamos wurde zunehmend für den Drogenanbau in Beschlag genommen. So wurden die Gemeinden in die Konflikte zwischen Guerilla, Paramilitärs und kolumbianischen Streitkräften hineingezogen und zum Teil gewaltsam vertrieben. Zu diesen Dörfern gehört auch El Limón, in dem heute rund 200 Wiwa leben.

Wenn Klimawandel und Bürgerkrieg zusammentreffen

Seit die Konflikte in der Region nachgelassen haben, sind viele Dorfbewohner/innen in ihre Heimat zurückgekehrt. Doch der Bürger- und Drogenkrieg haben Spuren hinterlassen. Traditionen und kulturelle Werte sind zerbrochen, das ehemals urbare Land war zerstört, zum Teil auch durch den staatlich verordneten Einsatz chemischer Pflanzenvernichtungsmittel. Damit wurden nicht nur illegale Kokapflanzungen vernichtet, der Boden ist für lange Zeit verseucht.

WasserrückhaltebeckenIm Rahmen der Ernährungssicherung züchten die WIWA Fische, um ihren Eiweißbedarf zu decken Bettina Taraki

Das größte Problem aber stellen heute die Klimaveränderungen dar. Das El-Niño-Phänomen führt seit einigen Jahren zu längeren Trockenperioden, die mit Starkregen einhergehen, die wiederum zu Erdrutschen führen. Die auf landwirtschaftliche Subsistenzwirtschaft angewiesenen Gemeinden sind daher nicht mehr in der Lage, sich ausreichend zu ernähren.

Zwar hat der kolumbianische Staat Anstrengungen zum Schutz der indigenen Völker unternommen. So wurde etwa ein Opfer- und Landrückgabegesetz geschaffen, das die Rechtsgrundlage für Wiedergutmachungen bilden soll. Allerdings bestehen diese staatlich zugesagten Hilfen bisher nur auf dem Papier.

März 2017