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Lateinamerika

Katastrophenhilfe

Kolumbien: Flutkatastrophe in Mocoa

Ein zerstörtes Auto voller SchlammDie Geröll- und Schlammlawine riss alles mit sich.OCHA, Kolumbien

In der südlich gelegenen Stadt Mocoa am Ostrand der Anden hat sich die Situation auf einen Schlag in eine Katastrophe verwandelt: In der Nacht auf den 1. April 2017 riss eine Geröll- und Schlammlawine 332 Menschen in den Tod, 71 gelten noch als vermisst (Stand 31. Juli 2017). Fünf Stadtviertel wurden völlig zerstört und insgesamt 22.335 Menschen obdachlos.

Fachkräfte örtlicher Caritasverbände hatten sich unmittelbar nach der Katastrophe auf den Weg nach Mocoa gemacht, darunter drei auf Traumata spezialisierte Psychologen aus Pasto und Mitarbeitende aus Bogotá. Die Caritas Kolumbien leitete eine umfassende Not- und Überlebenshilfe ein: Katastrophenhelfer verteilten Lebensmittel und wärmende Decken an die Einwohner, Stromaggregate, Batterien und Solarpaneele wurden angeschafft. Die Caritas kann in Kolumbien auf ein gut funktionierendes Netzwerk zurückgreifen, wodurch eine sofortige Nothilfe ohne langwierige Prozesse möglich ist.

Caritas international engagiert sich bereits seit mehr als 20 Jahren in Kolumbien. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts stellt Caritas international für die Nothilfe 250.000 Euro bereit.

Anhaltende Regenfälle sorgten für weitere Erdrutsche

Die Regenfälle in Kolumbien hielten auch in den nachfolgenden Wochen an. Besonders gerodete Hänge wurden durch die Wassermassen instabil und rutschten ab. Am 19. April 2017 regnete es in der Stadt Manizales im Westen des Landes innerhalb von fünf Stunden so viel wie sonst in einem ganzen Monat. Über 40 Erdrutsche waren die Folge: Mindestens 16 Menschen starben, Straßen und Häuser wurden zerstört.

Konfliktgeschädigtes Land

Bild auf zerstörten Stadtteil.Drei Flüsse oberhalb der Stadt sind durch den anhaltenden Regen über die Ufer getreten und haben große Teile Mocoas unter einer Schlamm- und Gerölllawine begraben.OCHA Kolumbien

Dass es zu einer derartigen Katastrophe wie in Mocoa kommen konnte, hat verschiedene Ursachen. Diese sind natürlich in erster Linie in den ausgiebigen Regenfällen zu suchen. Ein Grund für die große Zahl an Betroffenen der Katastrophe ist jedoch auch in der konfliktreichen Geschichte des Landes zu finden: Die massive Grundbesitzkonzentration hat dazu beigetragen, dass große Teile der kolumbianischen Waldgebiete gerodet wurden, um Flächen für die Viehwirtschaft zu schaffen. Weitere Areale werden für den illegalen Koka-Anbau genutzt. Millionen Menschen wurden in dem mehrere Jahrzehnte andauernden Konflikt vertrieben. In vielen kolumbianischen Städten haben sie sich teilweise in Risikolagen, zum Beispiel entlang von Flüssen und Hängen, niedergelassen. Der kolumbianische Staat hat bislang zu wenig in wirkungsvolle Maßnahmen zur Katastrophenprävention investiert.

August 2017