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Lateinamerika

Gesundheit, Pflege, Alter

Würdiges Leben im Alter

Ein Porträt eines alten MannesDer Anteil der über 60-Jährigen wird im Jahr 2030 auf über 30 Prozent steigen. So die Prognose.Bud Ellison

Das Bild, das in der Gesellschaft über ältere Menschen vorherrscht, ist zumeist negativ geprägt und wird oft gleichgesetzt mit Krankheit und dem Verlust von Fähigkeiten. Ob hierzulande oder in Lateinamerika: Statt als Bereicherung der Gesellschaft anerkannt zu werden, erfahren ältere Menschen oft, dass sie eine Belastung für das soziale Umfeld sind.

Ein Großteil der Senioren in Kuba leidet neben dieser gesellschaftlichen Diskriminierung zusätzlich noch unter wirtschaftlicher Not. Von den Reformen und wirtschaftlichen Erfolgen in den vergangenen Jahrzehnten profitieren sie nicht. Mehr noch haben die Umbrüche im Land die sozialen Ungleichheiten verstärkt. Durch Änderungen in der Sozialpolitik erfüllen einige ältere Menschen nicht mehr die Kriterien auf Sozialhilfe, andere haben ihre Rentenansprüche verloren oder müssen Kredite zurückzahlen. Hinzu kommen die gestiegenen Kosten für Miete, Strom, Wasser und Medikamente. Im Bereich Altenpflege fehlen entsprechende Einrichtungen und Personal: Gemäß einer landesweiten Erhebung durch Caritas Cuba im Jahr 2015 zählt der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal auf Gemeindeebene zu den größten Defiziten im Sozialbereich.

Oft übernehmen daher die Familien die Pflege ihrer Angehörigen Zuhause. Die Pflegepersonen sind mitunter selbst schon über 60 Jahre alt und müssen neben der Pflege noch den Haushalt führen und Kinder betreuen. Wer keine Familie hat, versucht, alleine klar zu kommen, was nicht selten zu prekären Lebenslagen führt. Die Schwierigkeiten verstärken sich dann noch mal im ländlichen Raum.

Frauen sind von Altersarmut besonders oft betroffen

Ein alter Mann verkauft an einem Stand BananenMit Kleinhandel und Straßenverkäufen versuchen viele ältere Menschen in Kuba ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.Matias Garabedian

Gravierende Änderungen in der Sozialpolitik täten Not. Auch im Hinblick auf die demographischen Entwicklungen, die sich klar abzeichnen: Der Anteil der über 60-Jährigen wird im Jahr 2030 auf über 30 Prozent steigen, die Geburtenrate stagniert und die Abwanderung der jungen Bevölkerung in wirtschaftsstarke Länder wächst. Damit ist Kuba nach Uruguay das "älteste" Land Lateinamerikas.

Der Staat reagierte bereits im Jahr 2010 auf den demografischen Wandel und hob das Rentenalter für Männer auf 65 Jahre und für Frauen auf 60 Jahre an. Trotzdem reichen die Renten von durchschnittlich 20 Dollar kaum zum Leben. Viele der Seniorinnen und Senioren versuchen darum unter großen Mühen als Kleinhändler etwas dazuzuverdienen. Andere hoffen auf finanzielle Unterstützung von Verwandten aus dem Ausland.

Frauen sind im Alter in besonderer Weise gefährdet. Denn zum einen werden Frauen älter als Männer. Gleichzeitig wird von ihnen erwartet, dass sie Familienpflichten auch im hohen Alter weiterhin übernehmen: den Ehemann pflegen, die Enkelkinder versorgen, das Haus der Kinder in Ordnung halten. Oft konnten sie in ihrem früheren Leben keine Rücklagen und keine eigene Existenzgrundlage aufbauen und sind von familiären Strukturen stark abhängig.

Seit vielen Jahren fördert die Caritas Kuba den Austausch zwischen den Generationen und initiiert Projekte, die alte Menschen in ihrer Selbstorganisation und in ihren Rechten stärken.

Juli 2017

  

(Bilder: Porträt, Bud Ellison, Änderung keine, Lizenz: CC BY-SA 2.0 / Straßenhändler: Matias Garabedian, Änderung Bildausschnitt, Lizenz: CC BY-SA 2.0)