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Lateinamerika

Chancen für Chancenlose

Peru: Aktiv für den Umweltschutz im Bergbau

Vergastes IndustriegebietLa Oroya: Einer der zehn am stärksten verschmutzten Orte der Welt. Caritas international

Peru zählt durch das Vorkommen seiner Bodenschätze wie Gold, Silber, Kupfer oder Zink zu den weltweit führenden Förderländern von Rohstoffen.

Bereits in den 90er Jahren setzte die peruanische Regierung massiv auf die Expansion des Bergbaus, um Investoren in das Land zu holen. Unterstützt wurde dieser Kurs von der Weltbank, die sich dadurch eine schnellere Tilgung der Auslandsschulden Perus versprach. Die hohe Qualität der peruanischen Bodenschätze und die zahlreichen Anreize der Regierung lockten internationale Großkonzerne ins Land. Und auch heute noch finden Unternehmen in Peru ein Paradies vor: Geringe Steuerbelastungen, schwache Umweltstandards und -kontrollen verbunden mit großzügigen Konzessionen über Flächen ohne Beteiligung der Bevölkerung versprechen maximale Gewinne.

Aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise seit 2005 brachte die ungehemmte Ausbeutung der Ressourcen Peru Devisen und Steuereinnahmen ein, die für den Ausbau der Sozialprogramme dringend benötigt wurden. Doch eine wirtschaftliche Diversifizierung ist dem Land auch in den letzten acht Jahren nicht gelungen. Und jetzt, da die Rohstoffpreise wieder sinken, setzt die peruanische Regierung alles auf eine Karte, um dem Preisverfall entgegenzusteuern und vergibt weitere Schürfrechte, die sich mittlerweile auf Naturschutzgebiete und Wassereinzugsgebiete ausdehnen.

Soziale Ungerechtigkeit und hohe Umweltbelastung

Arbeiter des BergbausDie Arbeiter in den Minen sind von den gesundheitlichen Belastungen besonders betroffen.Caritas international

Mit dem Abbau gehen eine extrem hohe Belastung der Umwelt und die existentielle Bedrohung der Bevölkerung auf dem Land einher. Das unter dem Namen "Rohstoff-Fluch" bekannte Phänomen der Verarmung ressourcenreicher Länder trifft vollumfänglich auf Peru zu. Schon während der radikalen Wirtschaftsliberalisierung unter dem Diktator Alberto Fujimori blieben die Rechte der Gemeinden auf ein Minimum beschränkt, am wirtschaftlichen Erfolg wurden sie nicht beteiligt und es gab nahezu keine Standards im Umweltschutz. So ist Cajamarca Standort der viertgrößten Goldmine der Welt und zugleich das zweitärmste Department Perus.

Die Schäden an der Umwelt sind enorm, denn die Emissionen der Minen und die Chemikalien zur Weiterverarbeitung der Metalle vergiften Boden und Wasser auf lange Zeit. Selbst Bergwerke, die schon lange stillgelegt sind, hinterlassen kontaminierte Landstriche. Traurige Berühmtheit erlangte 2006 und 2007 die Stadt La Oroya als eine der zehn am stärksten verschmutzten Orte der Welt.

Wasser ist mittlerweile zu einem knappen Gut geworden, denn beim Förderprozess werden große Mengen benötigt. Das Brauchwasser wird mit Schwermetallen und Chemikalien verunreinigt wieder in die Flüsse geleitet. Blei, Cadmium, Quecksilber, Stickstoff, Arsen und Cyanid führen zu bleibenden gesundheitlichen Schäden bei der Bevölkerung und haben katastrophale Auswirkungen auf Landwirtschaft und Viehzucht. Inzwischen sind nur noch fünf Prozent der Gesamtfläche des Landes für Ackerbau nutzbar.

Keine staatliche Regulierung und Kontrolle

Die staatlichen Regulierungen sind zu schwach und ermöglichen groben Missbrauch: Es gibt weder transparente Umweltverträglichkeitsnachweise, noch verbindliche Bodennutzungspläne. Die Umweltkontrolle wird den Unternehmern überlassen, und der Staat besitzt kein wirksames Kontrollsystem. Die gesetzlichen Grenzwerte für die Luftverschmutzung liegen unterhalb der Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation, das Gesetz zur Wasserreinheit stammt noch aus dem Jahre 1969 und gegen Bodenverschmutzung gibt es noch keinen Entwurf. Ebenso wenig sind bisher Regularien für das Fischerei-Wesen oder die Landwirtschaft festgelegt. Dafür übt der Staat als Eigner der unterirdischen Bodenschätze alleiniges Verfügungsrecht aus. Land, das für neue Förderanlagen in Frage kommt, kann er kurzerhand enteignen.

Cajamarca, Tambogrande, Tabaconas und La Oroya gehören zu den Gebieten, in denen die Situation seit Jahren heftige Konflikte hervorgerufen hat. Dort hat sich die Bevölkerung organisiert und kämpft um den Erhalt der bedrohten Landwirtschaft und gegen die unkontrollierte Verunreinigung von Wasser und Luft.

Dezember 2016