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Lateinamerika

Katastrophenhilfe

Flutkatastrophe in Peru

Nothilfe nach Flutkatastrophe

Zwei Männer stehen vor Trümmern.Ein Caritas-Mitarbeiter nimmt Schäden auf in Chanchajalla, Provinz Ica.Cáritas del Perú

Eine lokale Form von El Niño sorgte in Peru zwischen Januar und März 2017 für außergewöhnlich starke Regenfälle. In weiten Teilen des Landes kam es zu Überflutungen, Erdrutschen und Schlammlawinen. „Es war, als ob sich alle Schleusen geöffnet hätten“, erzählt Janina Mamani Zevallos, eine Bewohnerin aus dem Dorf Barbablanca, das unter Schlammmassen begraben wurde.

Über 100 Menschen verloren laut dem peruanischen Katastrophenschutz ihr Leben und mehr als 1,1 Millionen Menschen sind von der Katastrophe betroffen. Die Zerstörungen sind massiv: Über zehntausend Häuser wurden komplett zerstört, mehr als hunderttausend sind schwer beschädigt, darunter Krankenhäuser und Schulen. Weite Teile des Straßennetzes und Brücken wurden zerstört, Felder und Ernten vernichtet. Allein in Lima haben 6.700 Personen alles verloren, weitere 20.000 sind betroffen und mehr als 8.000 Häuser zerstört. Der Fluss Rimac, wichtigster Wasserlieferant der Stadt, überflutete Straßen, Häuser und ganze Stadtteile. Tagelang war die Trinkwasserversorgung der 10-Millionen-Stadt stark eingeschränkt, in den Supermärkten war das Trinkwasser zwischenzeitlich ausverkauft. Die Wasserversorgung ist für die meisten betroffenen Regionen eines der drängendsten Probleme,  so auch für die Provinz Huarochiri.

Nothilfe teilweise nur auf dem Luftweg möglich

Menschenkette entlädt Waren aus einem HubschrauberEinige entlegene Regionen, zum Beispiel in Piura, können nur via Hubschrauber erreicht werden. Cáritas del Perú

In sieben Diözesen des Landes leistet Caritas seit der ersten Stunde Nothilfe. Unzählige haupt- und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind noch immer in den überschwemmten Gebieten im Einsatz. „Die Situation ist verheerend“, sagt Angela Nestarze Torres. Sie organisiert die Verteilung der Hilfsgüter, die Caritas der Diözese Chosica bereitgestellt hat. Bis März waren es allein 600 Tonnen Hilfsgüter, die in den betroffenen Regionen verteilt wurden, darunter Lebensmittel, Trinkwasser, Kleidung, Hygieneartikel und Material für Notunterkünfte. Die größte Herausforderung sei es, so Torres, die Menschen in den abgelegenen Regionen zu erreichen. Durch den Einsturz mehrerer Brücken und das zerstörte Straßennetz sind immer noch einige Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Helikopter übernehmen dort die Auslieferung der Hilfsgüter.

Unterstützung richtet sich nach Bedürftigkeit

Zwei Frauen und zwei Kinder stehen hinter den Nothilfegütern, die sie erhalten haben.Was es jetzt braucht: Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel.Cáritas del Perú

Der Umfang der Nothilfe richtet sich nach dem Ausmaß der Zerstörungen und der betroffenen Menschen. Priorität haben für Caritas zunächst besonders Bedürftige, wie Familien mit Kleinkindern, Senioren und Personen mit Behinderung. Auch geographisch unterscheidet sich die Hilfe: Stark betroffen von den Wassermassen und daher im Zentrum der Hilfe stehen die Diözesen in Piura, Lambayeque und Chulucanas. Ebenso unterstützen in den Diözesen Chimbote, Chosica, Ica und Trujillo viele haupt- und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der Caritas die Bevölkerung vor Ort. Neben der Bereitstellung von Notunterkünften, Hygieneartikeln und Medizin umfasst die Hilfe ebenso eine psychosoziale Begleitung der oft traumatisierten Menschen.

Wiederaufbau bewusst und nachhaltig planen

Noch konzentriert sich die Unterstützung auf die erste Katastrophenhilfe, der Wiederaufbau hat noch nicht begonnen. Roger Hildago, Leiter des Instituts für die Anpassung an das El Nino Phänomen, betont, dass man erst eine Evaluation der betroffenen Gebiete machen müsse, bevor man mit dem Wiederaufbau beginne. „Sonst geht im nächsten Jahr alles wieder von vorne los.“ Angela Blanco Riveras, Umweltexpertin der Caritas Chosica ist in den betroffenen Regionen unterwegs und spricht mit der Bevölkerung über Umweltschutz, Naturkatastrophen und Vorbeugung. „Die Katastrophe konnte nur ihren Lauf nehmen, weil die Politik die Regeln nicht befolgt“, sagt sie. Die Menschen bauten ihre Häuser, wo sie Platz fänden, und dies an Flussufern, Steilhängen und in trockenen Flussbetten. Es fehle eine adäquate Stadtentwicklung, so Rosalynn Toribio Medina, Direktorin von Caritas Chosica.

Caritas international unterstützt Caritas Peru in der Nothilfe und bei den Planungen des Wiederaufbaus. Das Auswärtige Amt und das Erzbistum Freiburg haben Caritas international für die Nothilfe in Peru je 300.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Mai 2017