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Lateinamerika

Peru

Anpassung an den Klimawandel

Alejandrina Mamanis Kakao-Baumschule

Alejandrina Mamina Quispe befüllt Säcke mit Kakao-SetzlingenAlejandrina Mamina Quizpe befüllt Säcke mit Kakao-SetzlingenFoto: Caritas international

Schippchen für Schippchen schaufelt Alejandrina Mamani Quispe Erde in eine Tüte. Sie füllt sie bis zum Rand. Den kleinen Pflanztopf, den sie dann erhält, stellt sie in eine stetig wachsende Reihe aus Töpfen. Ihre Nichte hilft ihr und auch ihr Kollege Henoch Lazo Uslar. Die drei sitzen in der Hocke auf dem Boden. Um sie herum in Beeten viele Jungpflanzen.

Mamani Quispe ist Bäuerin, Lazo Uslar ein Experte für landwirtschaftstechnische Fragen und vor allem für Kakaopflanzen. Wir befinden uns in der Baumschule der Bäuerin im Sektor Santa Rosa im südlichen Amazonasgebiet von Peru. Santa Rosa liegt im Bezirk Inambari in der Provinz Tambopata im Department Madre de Dios. Aus den gerade befüllten Tüten sollen Setzlinge wachsen. Die Erde in den Tüten ist ein Gemisch aus landwirtschaftlicher Erde und organischem Dünger.

Alejandrina Mamani Quispe baut auf vier Hektar Land Kakao an. Zwei Hektar davon bringen bereits gute Ernte und zwei Hektar befinden sich noch im Wachstum. Der geerntete Kakao wird verkauft. Mamani Quispe ist Präsidentin einer Kakao-Initiative, der „Vereinigung der Kakaoproduzenten von La Cumbre Inambari“. Der Kakaoanbau ist für die Familie ein Broterwerb, genauso wie für 120 weitere Kleinbauernfamilien, die Caritas international in 14 Gemeinden der Amazonasgegend in Peru unterstützt. Den Bäuerinnen und Bauern wird Beratung und technisches Gerät für die Bewirtschaftung ihres Landstücks bereitgestellt.

Der Anbau erfolgt in Form von Agroforstsystemen. Das bedeutet, es wird aufgeforstet und es werden dazwischen Nutz- bzw. Esspflanzen angebaut. Der Wald des peruanischen Amazonasgebiets ist etwa 65 Millionen Hektar groß, doch er ist stark gefährdet. Mit dem Ziel, Gold abzubauen, werden in der Region Bäume abgeholzt. Infolge des Goldabbaus, mit dem sich viele der Menschen hier vorher ihren Lebensunterhalt verdient haben, werden außerdem Flussbecken umgegraben, Gestein wird gesprengt, Böden trocknen aus und erodieren. Giftiges Quecksilber, das zum Goldabbau eingesetzt wird, verschmutzt das Grundwasser und vergiftet die Fische, die den dort lebenden Menschen als Nahrung dienen. Gibt es Überschwemmungen, was jetzt immer häufiger vorkommt, wird das Land großflächig mit Quecksilber verseucht.

Agroforstwirtschaft ist für die Bäuerinnen und Bauern eine existenzsichernde Alternative zur Goldgewinnung als Einkommensquelle. Über Agroforstwirtschaft sollen gesunde Ökosysteme entstehen, die Wasser, Boden, Luft, Tier- und Pflanzenwelt in der Amazonasgegend wieder in ein Gleichgewicht bringen. Die gepflanzten Bäume verbessern die Qualität des Wassers und der Luft. Dadurch, dass die Baumspitzen Wasser auffangen und über die Wurzeln Wasser in den Grund einsickern kann, können die Bäume das Land vor Überschwemmungen schützen. Außerdem wird die Artenvielfalt in Agroforstsystemen aktiv geschützt.

Alejandrina Mamani Quispes Mann und ihre Kinder unterstützen sie bei der Arbeit. Ursprünglich kommt sie nicht aus Madre de Dios, sondern aus dem Department Puno. Sie war sehr jung, als sie nach Quincemil zog. Dort lernte sie ihren Ehemann Lino Mamani kennen. Anfang der 90er-Jahre ließen sich die beiden in Madre de Dios nieder. Die Bäuerin war eine der ersten Begünstigten und begann mit einem Hektar Agroforstwirtschaft. Nun hat sie vor, zu vergrößern und sieben Hektar Kakao anzubauen.

August 2015 / Marie-Luise Schächtele