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Lateinamerika

Krisen und Konflikte

Venezuela: Versorgung der Bevölkerung

Nothilfegüter und juristischer Beistand

Menschen in einem WarteraumImmer mehr Menschen suchen Hilfe in den Caritas-Zentren.Caritas Venezuela

Misswirtschaft, Korruption und eine hohe Staatsverschuldung sorgen dafür, dass Venezuela seit Jahren vor dem Ruin steht. Die Bevölkerung kann sich nicht ausreichend ernähren, die Geschäfte sind leer und der Schwarzmarkt boomt. Die Mangelversorgung geht soweit, dass rund 25 Prozent der venezolanischen Kinder mittlerweile akut unterernährt sind. Auch die Gesundheitsversorgung kann nicht mehr gewährleistet werden.

Immer mehr Menschen flüchten daher in das benachbarte Kolumbien, suchen dort Schutz, Unterstützung und medizinische Hilfe. Andere wiederum werden von der venezolanischen Regierung zwangsausgewiesen und vertrieben, wie zum Beispiel Menschen kolumbianischer Herkunft.

Notversorgung im Grenzgebiet

Caritas hat in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten im venezolanisch-kolumbianischen Grenzgebiet begonnen, die Flüchtlinge mit lebensnotwendigen Hilfsgütern zu versorgen. Im Land selbst initiierte Caritas Venezuela in mehreren Regionen Projekte, in denen Säuglinge und Kinder mit Zusatznahrung versorgt werden. Dabei gehört Caritas Venezuela zu den wenigen Organisationen, die im Land überhaupt noch Hilfe leisten können.

Ein Kind wird gemessenDie lokale Caritas wiegt und misst die Kinder. Rund 25 Prozent der Kinder sind in Venezuela unterernährt.Caritas Venezuela

 Jedoch stellen sowohl die Finanzierung als auch die praktische Umsetzung das katholische Hilfswerk zunehmend vor Probleme. Wie Caritas-Direktorin Janeth Márquez berichtet, reichen ihre Möglichkeiten bei weitem nicht aus, um den immer größer werdenden Bedarf zu befriedigen: „Früher kamen zehn Menschen, um medizinische Hilfe bei uns zu erhalten. Heute sind es 5000.”

Unterstützung für Zwangsvertriebene

Neben den Flüchtlingen hat auch die Zahl der Menschen zugenommen, die aufgrund ihrer kolumbianischen Herkunft aus Venezuela vertrieben werden. In einem eigenen Projekt unterstützt Caritas international gemeinsam mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten die Vertriebenen. Bei ihrer Rückkehr nach Kolumbien erhalten sie eine humanitäre Erstversorgung sowie psychosoziale und insbesondere juristische Betreuung. Denn wichtig für einen Neustart ist, dass sich die Betroffenen ihrer Rechte bewusst werden und in der Lage sind, ihre Ansprüche bei den staatlichen Stellen einzufordern.

In den Siedlungen, in denen die meisten vorerst ein Zuhause finden, führt Caritas außerdem Schulungen durch, die die gegenwärtigen Lebensumstände in der Gemeinschaft verbessern sollen. Berufliche Bildungsmaßnahmen erhöhen die Chancen, anzukommen und Fuß zu fassen. Weiter wird die Lage der Vertriebenen und Flüchtlinge genau dokumentiert, um Öffentlichkeit und Politik aufzuklären und Veränderungen zu bewirken.

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, unterstützt die Hilfe der Partner in der kolumbianisch-venezolanischen Grenzregion mit insgesamt 220.000 EUR. Davon profitieren auch kolumbianische Binnenflüchtlinge.

Juli 2017