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Naher Osten

Teilhabe bei Behinderung

Irak: Für die Integration von Menschen mit Behinderungen

Kind auf einer SchaukelKind mit Behinderung auf einer SchaukelWolfgang Fritz

Über die Situation und die Anzahl von behinderten Menschen im Irak gibt es keine verlässlichen Informationen. Vorsichtige Schätzungen gehen jedoch von mehr als einer Million behinderter Menschen aus, bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 27 Millionen. Sie leiden - in unterschiedlichem Ausmaß - an sozialer Diskriminierung und Isolation.

Vergleichsweise gut ist dabei die Situation der unzähligen Kriegsversehrten aus den Kriegen gegen den Iran und den Golf-Kriegen. Hier gab es bereits in der Vergangenheit immer eine bescheidene Unterstützung durch die zuständigen Ministerien, und auch innerhalb der Gesamtbevölkerung konnte diese Gruppe mit Solidarität rechnen.

Weitaus schwieriger ist die Situation der übrigen körper- oder geistig behinderten Menschen. Nicht selten werden die Behinderten versteckt oder verleugnet, denn eine Behinderung wird häufig als Strafe Gottes interpretiert. Die Behinderung einzelner Familienangehöriger kann zur sozialen Isolation der gesamten Familie führen. Leider gibt es nur wenige Programme zur Unterstützung von Behinderten im Irak.

Caritas Irak sieht die Förderung von Behinderten als einen wichtigen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Im Rahmen einer mehrjährigen Pilotphase wurde zunächst eine sorgfältige Erhebung der Situation von Behinderten im Land durchgeführt. Dabei wurden die Zahl und die Art der Behinderten als auch die vorhandenen Programme und Projekte zur Unterstützung dieser Gruppe erfasst. Gleichzeitig entwickelte sie geeignete Strategien zur Arbeit mit Behinderten.

In diesem Zusammenhang entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit und ein fachlicher Austausch mit dem Behindertenprogramm SETI in Ägypten. Mehrfach haben Mitarbeiter der Caritas Irak an Aus- und Fortbildungskursen von SETI teilgenommen. Im Verlauf der Pilotphase wurde ein geeignetes Konzept entwickelt, welches nun als Basis für die Behindertenarbeit von Caritas Irak dient. Dieses Konzept setzt sowohl bei behinderten Kindern und Jugendlichen an, als auch bei deren Familienmitgliedern.

Caritas Irak

Nach Verhängung des Wirtschaftsembargos gegen den Irak und den daraus resultierenden Schwierigkeiten für die irakische Gesellschaft wurde im Jahr 1992 die Caritas Irak gegründet. Caritas Irak leistet seitdem Katastrophenhilfe als Reaktion auf zahlreiche Krisen, etwa im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsembargo oder den beiden letzten Kriegen. Sie richtet ihr Augenmerk besonders auf die Schwächsten der Bevölkerung.

Einen wesentlichen Teil der Arbeit leisten freiwillige Mitarbeiter. Weil die Caritas Irak eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung humanitärer Krisen im Land übernimmt, wird sie von der irakischen Bevölkerung sehr positiv wahrgenommen. Diese Tatsache ermutigte das Hilfswerk darin, sich stetig zu vergrößern, ihre Programme zu diversifizieren und sukzessive Entwicklungs- und Peace-Building-Programme in ihre Arbeit aufzunehmen. 

Die instabile Sicherheitslage - gerade auch für die christliche Minderheit - und die sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zwingen die Caritas Irak immer wieder dazu, ihre Arbeit neu zu strukturieren. Neben der humanitären Arbeit engagiert sich das Hilfswerk nun verstärkt auch in der Bildungsarbeit.

Caritas Irak versteht sich als eine Organisation, die nicht nur den Bedürftigen aller christlichen Kirchen im Irak zur Seite steht, sondern in gleichem Maße auch der Bevölkerungsmehrheit der Muslime. Diese Unabhängigkeit der Hilfe trägt zum größeren Verständnis zwischen den Religionsgemeinschaften bei.

Juli 2016