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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Irak: Hilfe für die Opfer des Konflikts

Krieg nach dem Krieg

Ein Gemälde von Sadam Hussein beschmiert mit roter FarbeSaddam Hussein ist schon lange Geschichte - die blutigen Auseinandersetzungen dauern aber an

Es sollte ein schneller, gezielter und kurzer Krieg sein, mit dem die US-Armee mit ihren Alliierten das Baath-Regime Saddam Husseins entmachten wollten. Der offizielle Grund für den Angriff waren vermeintliche Beweise, dass der Irak über große Lager mit Massenvernichtungswaffen verfüge.

Am 20. März 2003 begann der sogenannte dritte Golfkrieg mit Luftangriffen. Nur wenige Wochen später war das Ziel erreicht, das Regime war gestürzt und der Krieg wurde offiziell für beendet erklärt. Die vermuteten Waffenlager allerdings existierten gar nicht. Das aber blieb eine Randnotiz, denn was dem Militärschlag folgte, war ein zermürbender, schleichender Dauerkonflikt, der auch nach über zehn Jahren noch kein Ende gefunden hat. 

Am 30. Juni 2009 übergaben die amerikanischen Kampftruppen ihre Stützpunkte und die von ihnen kontrollierten Städte Kampftruppen das Land. Der Abzug wurde im Dezember 2011 abgeschlossen. Seither verüben verschiedene Terrorgruppen und Extremisten Gewalt. Die Frontlinien sind dabei schwer auszumachen: Gegner und Befürworter des alten Regimes, Angriffe gegen die ausländischen Militäreinheiten und deren Helfer, Machtkriege verschiedener religiöser Gruppen überlagern sich. Seit 2014 kontrolliert der sogenannte Islamische Staat (IS) Teile des Iraks, so auch die zweitgrößte Stadt Mosul.

Im Zuge des Irakkrieges sind einer Studie von The Lancet zufolge mindestens 120.000 Menschen getötet worden. Etwa 200.000 Todesopfer hat der "Krieg nach dem Krieg" bislang durch Entführungen, Attentate, Selbstmordanschläge und bewaffnete Auseinandersetzungen gefordert. Seit 2014 mussten rund 3 Millionen Menschen vor dem IS fliehen und ziehen oft über zwei Jahre später schutzsuchend im eigenen Land umher.

Für den Irak gelten die schärfsten Sicherheitswarnungen. Internationale Hilfsorganisationen haben schon seit Jahren ihre ausländischen Mitarbeiter abgezogen. Allein die wenigen irakischen Hilfsorganisationen leisten noch soziale und humanitäre Hilfe für die Opfer des Konflikts.

Die humanitäre Lage im Irak hat sich über die seit dem ersten Golfkrieg andauernde Krise stetig verschlechtert. Seit dem Höhepunkt der Gewalt im Jahr 2006 ist die Zahl der Anschläge im Irak inzwischen deutlich zurückgegangen. Dennoch kommt es immer wieder zu Angriffen - vor allem auf die Sicherheitskräfte des Landes. Das ehemals wohlhabende Land ist mit extremer Armut konfrontiert, die Infrastruktur ist in weiten Teilen zerstört. Trinkwasser, Lebensmittel und medizinische Versorgung sind seit Jahrzehnten nicht mehr durchgängig gewährleistet.

Auch irakische Organisationen wie Caritas Irak sind nicht vor Angriffen gefeit. "Wer hilft, hat selbst zuviel" lautet allzu schnell die Logik, mit der humanitäre Helfer/innen zur Zielscheibe von Überfällen und Gewaltakten werden. Unter diesen lebensgefährlichen Bedingungen bemühen sich die Mitarbeiter/innen der "Confrèrie de la Charité", der Caritas Irak, ihre Arbeit fortzusetzen. 

Grenzüberschreitende Konflikte

Unterstützung brauchen auch die Caritasorganisationen der Nachbarländer, in die Millionen von Irakern geflüchtet sind. Nach Angaben der International Organisation for Migration ist der Anteil von christlichen Familien unter den Flüchtlingen und Inlandsvertriebenen überproportional hoch im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Christliche Familien, eine Minderheit im muslimisch geprägten Irak, sind ein bevorzugtes Ziel von fanatischen religiösen Gruppen.

Die Menschen leiden unter einer Mischung aus Terrorismus, Kriminalität und religiösem Fanatismus. Viele der Familien mussten nach massiven Bedrohungen ihre Häuser und ihre Existenzgrundlage fluchtartig verlassen. Vor allem aus dem Süden des Landes und der Hauptstadt Bagdad sind viele Familien vertrieben. Sie flüchten entweder in die Nachbarländer oder in den vermeintlich ruhigeren Norden des Landes. Diese Familien leben nun unter schwierigsten Bedingungen. Die wenigsten finden Arbeit. Von der staatlichen Nahrungsmittelzuteilung sind sie nach dem Verlassen ihrer Heimatgemeinden ausgeschlossen. Nicht selten stößt man in Bagdad auf zerfallene Häuser, die von Flüchtlingen bewohnt sind. Oft lebt eine große Familie in einem einzigen Raum, ohne Wasser und ohne sanitäre Anlagen.

Juli 2016