Im Porträt

So mussten wir fliehen...

Adam

AdamAdam erzählt die Geschichte seiner Flucht in dem Haus eines Dorfbewohners.Foto: Linda Tenbohlen, Caritas international

"Wir sind die letzten, die hier in Bakhtimi angekommen sind. Das war vor drei Monaten, als unser Dorf in Syrien vom IS angegriffen wurde. Die Beziehung zu den nicht-christlichen Dorfbewohnern war zum Schluss nicht mehr so gut. Sie haben uns mit dem IS gedroht. Die christlichen Familien waren von der Landwirtschaft abhängig, aber ich konnte mein Land nicht mehr bewirtschaften und meine Töchter nicht mehr zur Schule schicken, weil ich Angst hatte, dass sie entführt würden. Ich habe fünf Töchter und einen Sohn. Als wir geflohen sind, mussten wir unser Auto an der Grenze zurücklassen.

Die Kämpfer der kurdischen Miliz YPG in Syrien sind barmherziger als die Araber, weil sie die Christen beschützen. Der kurdische Rote Halbmond ist auch mit der YPG verbunden. Die helfen den Menschen zu fliehen. In meiner Gegend sind mehr als 280 Menschen von IS-Kämpfern gefangen genommen worden.

Hier kann ich nicht arbeiten, nichts tun. Ich möchte eigentlich zurück, aber es leben keine normalen Menschen mehr in meinem Dorf. Aber es sind noch viele, die in Hassaké festsitzen. Ihr Schicksal ist ungewiss. Ich möchte am liebsten weit weg von hier, aber nach allem, was ich erlebt habe, habe ich aufgehört, von meiner Zukunft zu träumen."

Protokoll: Linda Tenbohlen / August 2015