Im Porträt

So mussten wir fliehen...

Rasi H.

Rasi Hassan sitzt in der dunklen Tiefgarage und studiert in seinen Büchern.Rasi H. würde gerne viel häufiger in die Schule gehenLinda Tenbohlen / Caritas international

Ich bin hier im August 2014 hingekommen. Die Flucht war schrecklich. Wir waren sieben Tage im Sindschar-Gebirge und hatten nur ganz wenig zu essen und zu trinken. Einige sind in den Bergen gestorben, weil es nicht genug Wasser und Essen gab. Aus dem Gebirge sind wir direkt hierhin gekommen. Hier können wir bleiben. Wir sind ungefähr 30 Familien, alle aus demselben Dorf. Ich lebe mit meiner Familie mit acht Personen in einem Raum in diesem Tiefgaragenrohbau.

Ich gehe in eine Schule im Flüchtlingslager, aber ich komme nicht immer hin, weil es nicht immer Benzin gibt. Wir sind hier vier Schüler, die eine kurdischsprachige Schule besuchen. Andere gehen zur arabischsprachigen, aber die ist noch weiter weg. Die Schule hat ihnen die Lehrbücher gegeben, und jetzt lernen sie hier. Das machen fast alle, die auf eine weiterführende Schule gehen: Sie lernen hier und gehen nur für die Prüfungen zur Schule.

Ich möchte eigentlich jeden Tag zur Schule gehen, aber mir fehlt das Geld für den Transport. Ich lerne Mathematik, Physik, Chemie und Arabisch. Morgen habe ich eine Prüfung in Arabisch. Aber wir leben in Kurdistan, deswegen lerne ich auch Kurdisch.

Meine Brüder und Schwestern können nicht zur Schule gehen, weil der Transport zu teuer ist. Ich möchte am liebsten zurück in mein Dorf und mein Leben wieder anfangen. Wir möchten alle gerne zurück, aber es gibt keine Sicherheit in unserem Dorf. Eigentlich möchte ich Lehrer werden, aber hier ist meine Zukunft nicht klar. Ich kann momentan nichts planen.

Die 30 Familien in dem Rohbau am Rande von Zakho werden von der Caritas Irak mit Bargeld und Kerosin für Kocher unterstützt, finanziert von Caritas international und dem Auswärtigen Amt.

Protokoll: Linda Tenbohlen / August 2015