Im Porträt

So mussten wir fliehen...

Said

Ich habe elf Kinder. Insgesamt sind wir 28 Familien in diesem Gebäude. Im August 2014 waren wir auf unserer Flucht zehn Tage im Sindschar-Gebirge. Unzählige Menschen sind dort vor Hunger und Durst gestorben, vor allem Kinder und alte Menschen. PKK und Peschmerga haben im Sindschar-Gebirge Seite an Seite gegen den IS gekämpft.  Zwei meiner Onkel sind von IS-Kämpfern gefangen genommen und getötet worden. Ich habe sie auf einem Gelände im Sindschar-Gebirge gefunden.

Said, Sprecher der jesidischen Gemeinschaft, steht inmitten der Gruppe.Said, der Sprecher der jesidischen Gemeinschaft, ist verzweifelt. Michael Stürzenhofecker / Caritas international

Nun leben wir hier in diesem Rohbau, ohne Toiletten, ohne fließendes Wasser, ohne Einkommen. CAPNI (Partnerorganisation von Caritas international, d. R.) hat uns wenigstens Wassertanks hingestellt. Der Besitzer hat uns gesagt, dass wir das Gebäude bald räumen müssen. Wir wissen nicht, wohin wir dann sollen. Es fühlt sich an, als wären wir zum Tode verurteilt. Ich weiß nicht, wo ich die vielen Kinder in dieser Hitze unterbringen soll. Wir haben 84 Kinder in diesem Gebäude. Sie gehen alle nicht zur Schule. Die Schulen, die den gleichen Lehrplan wie in unseren Dörfern haben, sind weit weg und wir haben kein Geld für den Transport. Die Zukunft der Jesiden liegt im Dunkeln. Es wird gerade ein Völkermord an den Jesiden verübt. 

Protokoll: Linda Tenbohlen / August 2015