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Naher Osten

Konflikte und Krisen

Israel / Palästina: Frieden und Versöhnung

Der Alltag in Israel/Palästina ist geprägt durch den nunmehr seit Generationen andauernden Konflikt zwischen der arabischen und israelischen Bevölkerung. Immer wieder entlädt sich die, im Alltag präsente Spannung in gewaltsamen Auseinandersetzungen. So eskalierte im Sommer 2014 die Lage mit dem Krieg in Gaza. Misstrauen, Feindschaft und Angst bei beiden Konfliktparteien spaltet die Gesellschaft. Menschen palästinesnsischer und israelischer Seite, die ein friedliches Zusammenleben anstreben, haben es zunehmend schwerer. Eine greifbare Aussicht auf eine politische Lösung des Konflikts - beispielsweise durch eine Zwei-Staaten-Lösung -  gibt es derzeit nicht.

Den Willen zur Lösung stärken

Weder die israelische Regierung noch die palästinensische Autonomiebehörde sind derzeit willens oder in der Lage, den Konflikt zu deeskalieren. Damit überlassen sie den Scharfmachern das Feld: Hasserfüllte Propaganda radikaler Kräfte und die Militarisierung des Konflikts statt gewaltfreien Friedensbemühungen rücken dabei in den Vordergrund. Couragierte politische Entscheidungen und die Wiederaufnahme von Gesprächen könnten dagegen den Weg aus der Konfrontation weisen. Das aber setzt voraus, dass sich die politisch Verantwortlichen beider Seiten klar und eindeutig gegen die Gewalt positionieren.

Frieden fördern

In der aufgeheizten Situation scheinen Friedensbemühungen, wie die in einigen Projekten, die Caritas international seit Jahren unterstützt, fast hilflos. Doch genau hier zeigt sich, wie wichtig es ist, den Dialog zu fördern. Denn Vorurteile und Hass werden geschürt und anerzogen. Sie fallen nicht vom Himmel.

Dass ein von Verständnis und Toleranz geprägtes Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen in Israel dennoch möglich ist, zeigt das Projekt Frieden ist möglich! Seit einigen Jahren engagiert sich unsere Partnerorganisation Jaffa Institute in der Friedensarbeit an der Basis der Gesellschaft: in der Grundschule und in der Elternarbeit. Jaffa, mittlerweile mit Tel Aviv zu einer Großstadt zusammengewachsen, gehört zu den wenigen Städten in Israel, die neben dem jüdischen auch einen hohen arabischen Bevölkerungsanteil aufweisen. Insgesamt ist etwa ein Viertel der über fünfzigtausend Einwohner/innen Jaffas arabischen Ursprungs. Drei Viertel von ihnen sind Muslime und ein Viertel Christen.

Benachteiligende Lebensumstände

In Jaffa fällt zudem auf, dass hier viele sozial benachteiligte Familien leben. Ihr Anteil liegt weit über dem nationalen Durchschnitt. Entsprechend hoch ist das Gefährdungspotential durch Gewalt, Drogen und Kriminalität, auch die Zahl der Schulabbrüche ist sehr hoch. Die Arbeitslosigkeit ist in Jaffa doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Mehr als die Hälfte der Bewohner/innen der Stadt leben in Armut, ein Drittel ist auf Sozialhilfe angewiesen.

Kinderportrait mit Frauen Austauschtreffen für Alleinerziehende Dominik Asbach

Hinzu kommt, dass sehr viele Mütter alleinerziehend sind. Sie sind generell einer höheren Gefährdung aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage ausgesetzt. Oft wird in Jaffa von einer Tendenz der "Verslumung" gesprochen. Von dieser sichtbaren Form der Armut, mit schwacher Infrastruktur, fehlenden sozialen Sicherheiten, schlechten Wohnverhältnissen, mangelhaften Sozialleistungen und verbreiteten Gewaltstrukturen ist sowohl die arabische, als auch die israelische Bevölkerung betroffen.

Zwischen der arabischen und jüdischen Bevölkerung Jaffas gibt es kaum Berührungspunkte im Alltag. Im Gegenteil: Das Verhältnis untereinander ist gekennzeichnet von Unkenntnis über die jeweils andere Kultur, Misstrauen, Vorurteilen und einer aggressiven Abwehrhaltung, die sich immer wieder in offenen Auseinandersetzungen entlädt. Genau hier setzt die Arbeit des Jaffa Institutes in seiner Friedensarbeit an - Gemeinsamkeiten finden statt Hass schüren.

Juli 2016