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Naher Osten

Flucht und Migration

Israel / Palästina: Integration von Asylsuchenden

SchulkinderShalom from Israel: Kinder im Jaffa Institute, dem Integra-
tionsprojekt von Caritas international
Caritas international

In Israel leben rund 190 000 Flüchtlinge und Migranten. Ein Großteil der Menschen kommt als Gastarbeiter aus asiatischen Ländern, Lateinamerika oder Osteuropa. Auf Basis von Zeitverträgen arbeiten sie vor allem in der Landwirtschaft, im Baugewerbe und der Altenpflege und sind bemüht mit ihrem geringen Einkommen den Alltag zu meistern. Das Angebot an Arbeit knapp und die Konkurrenz auf dem Niedriglohnsektor groß.

Illegeale Einwanderer

Nochmals schwieriger ist die Situation für Eingereiste mit illegalem Status. Sie suchen Asyl im israelischen Staat und leben häufig perspektivlos in den Armutsvierteln der größeren Städte. Viele von ihnen sind mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus dem Sudan und Eritrea in Richtung Naher Osten geflohen. Doch ihre Aussicht auf eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis ist verschwindend gering, weniger als 1% der Asylgesuche in Israel werden stattgegeben. In der Regel erhalten die betreffenden Personen keinen Status als anerkannte Flüchtlinge und damit keine Arbeitserlaubnis. Im Juni 2016 gewährte das israelische Innenministerium zum ersten Mal einem sudanesischen Staatsbürger Asyl.

Der Alltag der Asylsuchenden ist äußerst beschwerlich, häufig werden sie ausgebeutet, diskriminiert oder sogar misshandelt. Mehrere Tausend werden im "Holot"- Internierungslager in der Negev Wüste festgehalten.Die israelische Regierung beschreibt "Holot" als offenes Lager, das die Menschen tagsüber verlassen können. Tatsächlich gibt es durch die Ansiedlung mitten in der Wüste keine wirkliche Möglichkeit der Beschäftigung außerhalb des Lagers.

Kinder haben es besonders schwer

Insbesondere für Kinder aus Migrantenfamilien ist es schwer, sich zu integrieren. Aufgrund mangelnder Hebräisch-Kenntnisse und kultureller Unterschiede haben sie sehr oft große Schwierigkeiten in der Schule. Zu Hause erhalten sie selten die nötige Zuwendung und Betreuung. Die Gründe haben auch mit der Abschiebepraxis der israelischen Behörden zu tun: Vor einigen Jahren schickte die israelische Regierung eine Vielzahl männlicher Arbeitsmigranten in ihre Heimatländer zurück.

Mutter mit KleinkindViele Migrantinnen sind alleinerziehend und benötigen eine KleinkinderbetreuungJaffa Institute

So bleiben viele Frauen allein mit ihren Kindern zurück und müssen seither für den Unterhalt der Familie sorgen. Da sie den ganzen Tag arbeiten gehen, sind die Kinder auf sich alleine gestellt, vereinsamen und fallen in ihren schulischen Leistungen erheblich ab. In meist sehr schlechten Wohnverhältnissen verbringen sie eine trostlose Kindheit, Begabungen werden kaum gefördert. Diese Form von sozialer Verwahrlosung wird in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Der Zielgruppe fehlt eine gesellschaftliche Lobby. Im Gegenteil: Migranten und Migrantinnen werden oft angefeindet und diskriminiert.

Asylsuchende in Tel Aviv

Dabei ist ihre Zahl keineswegs marginal: Allein in Tel Aviv leben mehrere Zehntausend Asylsuchende, die sich vor allem in den einkommensschwachen Vierteln Kiryat Shalom, Tel Kabir, Shapira und Hatiqwa im Süden Tel Avivs niedergelassen haben. Die Hafenstadt am Mittelmeer wird daher zum sozialen Schmelztiegel: Hier leben sudanesische Flüchtlinge, rumänische Gastarbeiter oder thailändische "Leibeigene" Wand an Wand in zerbrechlichen Gebäuden und mit ebenso zerbrechlichem rechtlichem Status. Besonders betroffen sind auch hier die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft: die Kinder, die sich weder in der Schule noch in ihrer Freizeit altersgerecht entfalten können.

Das Jaffa Institute arbeitet daran, dass sich die Kinder der Migranten und Migrantinnen in der Gesellschaft entfalten können. Mit integrationsfördernden Aktivitäten wie Sprachunterricht und Schulförderung unterstützt die ebenfalls in der Friedensarbeit tätige Organisation derzeit 390 Kinder.

Juli 2016