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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Jordanien: Gezielte Hilfe für Frauen und Kinder

Kinder im Kindergarten spielenAn sechs Orten werden Kinder wie der kleine Mohammed in einem Vorschulkindergarten unterstützt.Philipp Spalek

Kontakte zu anderen Kindern, ein sorgenloser Raum zum Lernen und ein Platz, an dem ein Kind spielen oder einfach nur sein darf  - an dem es sich satt essen kann: Das brauchen alle Kinder für eine gesunde Entwicklung. Und das brauchen Flüchtlingskinder, um sich nicht ausschließlich als Geflüchtete oder Nicht-Willkommene zu fühlen. Um sich als Menschen begreifen zu lernen, als Individuen, denen unhinterfragt ein Platz in diesem Leben zusteht. Um Sicherheit zu gewinnen und ein Mosaiksteinchen in der gesellschaftlichen Realität mitgestalten zu dürfen. Für 240 syrische Flüchtlingskinder wird daher von der Caritas Jordanien der Zugang zur Vorschule in sechs Gemeinden ermöglicht, in Amman, Mafraq, Irbid, Zarqa, Madaba und Balqa. Sie erhalten eine gesunde Zwischenmahlzeit, lernen Lesen und Rechnen, drücken im Malen und Basteln ihre Gefühle und ihre Kreativität aus.

Etwa 150 Teenager und junge Frauen aus Syrien nehmen an Gesundheitskursen teil. Hygiene, Sexualaufklärung, Familienplanung und Ernährungsberatung sind die vordringlichen Themen. Der Austausch unter den Betroffenen in einem Kurs ist oft der Anfang einer gegenseitigen Vertrauensbildung, um sich persönlich auch miteinander zu vernetzten und zu unterstützen.

Vertrauen gewinnen

Caritas bietet rund 450 syrischen Flüchtlingen, die Opfer von Gewalt geworden sind, besonders behutsame und einfühlsame Unterstützung an. Denn die Betroffenen können oftmals nur schwer darüber sprechen, Scham und Schuldgefühle kommen zu der Gewalterfahrung belastend hinzu. Erleichterung und mehr Sicherheit für die persönliche Stabilität bieten hier psychosoziale Beratungen. Betroffene können sich darüber hinaus auch an spezielle Institutionen oder Psychologinnen wenden.

Zukunft fördern

Ehrenamtliche Mitarbeitende und Sozialarbeiter/innen der Caritas Jordanien besuchen Flüchtlingsfamilien in ihrer Unterkunft, um besonders schwere Fälle von Traumatisierungen oder Bedürftigkeit feststellen zu können.

Junge Frau mit 2 Kindern beim SpielRuba A. verdient sich mit der Betreuung von Nachbarskindern ein wenig Geld dazu. Caritas Jordanien

Es ist für die Frauen, die geflüchtet sind, um sich und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen, nicht leicht, um Hilfe zu bitten. Sie erzählen davon, wie es ist, sich schwach zu fühlen. Wie schwer es ihnen fällt, die Hand aufzuhalten und von der Gesellschaft nicht gebraucht zu werden. Sie, die es als Bäuerinnen, Ärztinnen, Handwerkerinnen oder Krankenschwestern gewohnt sind, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien mit den eigenen Händen zu verdienen.

Mit Unterstützung der Caritas können nun 200 syrische Flüchtlingsfrauen eine berufliche Weiterbildung wahrnehmen. Dann haben sie eine weit größere Chance, ihr eigenes Einkommen verdienen zu können.

In zehn oder zwanzig Jahren werden Hunderttausende Kinder zur syrischen Flüchtlingsgeneration zählen: nicht nur die Kleinen, die seit Ausbruch des Krieges vor vier Jahren auf die Welt kamen, sondern die vielen, die fluchtbedingt nicht mehr zur Schule gehen konnten, weil die Schule zerbombt wurde oder die Schulen am Ort der Zuflucht für die Flüchtlingskinder verschlossen sind. Indem die Caritas von rund 300 Kindern die Gebühren übernimmt, ist für sie ein weiteres Jahr Schule gesichert - und damit vielleicht der Schulabschluss, den sie sonst nicht erreichen würden. Gerade Mädchen werden durch die Übernahme der Schulgebühren gefördert, denn oft werden Jungen prioritär behandelt. Hier will die Caritas Jordanien bewusst ein Gegengewicht schaffen.

Basisversorgung gewährleisten

Seit Jahren unterstützt die Caritas Jordanien Flüchtlinge, die nicht offiziell beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen registriert sind. Die Caritas Jordanien hat so allein bis Herbst 2014 über 414.000 geflüchtete Personen in Jordanien erfasst.

Arzt bei der Untersuchung eines KindesEs gibt viele kranke Kinder unter den syrischen Flüchtlingen. In einem Krankenhaus in Amman können sie von Caritas international kostenlos behandelt werden. Philipp Spalek

So konnte Caritas auch Geflüchtete mit Nothilfepaketen versorgen, die dezentral bei Verwandten, bei Familien oder in prekären Unterkünften außerhalb der großen Lager untergekommen sind.

Pflegebedürftige ältere Menschen, chronisch kranke Menschen, kinderreiche Familien, akut Erkrankte und allein reisende Kinder oder allein Erziehende sind oft noch verwundbarer: sie sind erhöhten Risiken ausgesetzt.

Die kontinuierlichen und bedarfsorientierten Hilfen der Caritas gehören zu dem Nothilfepaket für die Bedürftigsten. So erhalten rund 4.800 syrische Flüchtlingsfamilien und extrem bedürftige jordanische Familien Gutscheine für Lebensmittel und Hygieneartikel.  Weitere 826 Familien erhalten Bargeld, um eine menschenwürdige Unterkunft finanzieren zu können.  

Die gute Zusammenarbeit mit Caritas Jordanien zeigt, wie hervorragend die Organisation vernetzt ist und somit Jugendlichen einen Platz in der Gesellschaft zusprechen kann. Zufrieden gib sich die Caritas damit nicht und sicht weiterhin nach den Menchen mit der größten Schwäche in dieser prekären und angespannten Flüchtlingslage.

Dezember 2015