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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Libanon: Die höchste Priorität ist das Überleben

Ältere syrische Frau, die in den Libanon geflüchtet istDiese Frau verbringt den dritten Winter als Flüchtling in einem ZeltSilas Koch

Man stelle sich einmal vor, Deutschland nähme für jeweils vier Einwohner einen Flüchtling aus Syrien auf. Das wären, grob gerechnet, 20,25 Millionen Menschen. Allzu schnell würde das System hierzulande an seine Grenzen stoßen. Im Libanon aber ist genau diese Situation eingetreten.

Mehr als eine Million Syrer sind in das Land geflüchtet, um Schutz vor den immer wieder ausbrechenden Gefechten zu suchen. Dabei ist der Libanon, dessen Bevölkerungszahl bei rund vier Millionen liegt, alles andere als ein Hort der Stabilität im Nahen Osten. Seit Jahren hat das Land mit einer schwächelnden Wirtschaft und mit sozialen Problemen zu kämpfen. Zudem treiben militante Gruppen wie die al-Nusra oder der sogenannte Islamische Staat (IS) ihr Unwesen in der Region.

Caritas sicherte Überleben in kalten Wintermonaten

Caritas international hat die laufende Hilfe (s.u.) aktuell für die Wintermonate aufgestockt. Denn auch in dem mediterranen Land wird es im Winter häufig sehr kalt. Vor allem in den Bergregionen und der Bekaa-Hochebene, wo viele Flüchtlinge leben, schneit es in dieser Jahreszeit oft. So waren im Winter 2015 viele der notdürftigen Unterkünfte und Zelte, die von syrischen Familien und Kindern bewohnt werden, unter der Last des Schnees zusammengebrochen.

In 2016 versorgt Caritas international 608 Familien mit Bargeld-Schecks als akute Winterhilfe. Damit können die Flüchtlinge warme Kleidung, Decken, Nahrungsmittel und Kerosin in der kalten Jahreszeit erwerben. Zudem benötigen die Menschen Baumaterial für reparaturbedürftige Notunterkünfte. Leider sind viele internationale Hilfsprogramme im Libanon chronisch unterfinanziert, so dass ein plötzlicher Wintereinbruch dramatische Folgen für Flüchtlinge haben kann. In allen Projekten werden auch libanesische Familien, die in Armut leben, irakische Flüchtlinge und palästinensische Flüchtlinge aus Syrien und dem Libanon berücksichtigt, um soziale Härten abzufangen und ein friedliches Zusammenleben zu fördern. Das Auswärtige Amt unterstützt die Hilfen der Caritas.

Zu Gast bei armen Familien

Die Situation für die Flüchtlinge aus Syrien ist dramatisch. Oft konnten sie auf ihrer Flucht nicht einmal das Nötigste mitnehmen. Eine Rückkehr in ihre Heimat wird nicht nur durch die gefährliche Lage dort, sondern auch durch die verschärften Aufenthaltsbedingungen für Flüchtlinge im Libanon erschwert. Würden sie das Land auch nur kurzzeitig verlassen, kämen sie nur sehr schwer wieder zurück.

Viele der Flüchtlinge aus Syrien sind in libanesischen Gastfamilien untergekommen, die allerdings meistens selbst zur ärmeren Bevölkerung gehören. Und doch werden die Flüchtlinge in ihrem Nachbarland größtenteils nicht mit offenen Armen empfangen: Immer wieder wird von Übergriffen auf sie berichtet. In manchen Teilen des Landes gibt es Ausgangssperren, die nur für die syrischen Flüchtlinge gelten. Viele lasten ihnen den dramatischen Einbruch der Löhne an, da sie billige und willige Arbeitskräfte sind. Zudem werden Nahrungsmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs knapp und damit teuer. Caritas international unterstützt aus diesen Gründen auch bedürftige libanesische Gastfamilien mit Nahrungsmitteln, Gaskochern, Decken, Matratzen und anderen Hilfsgütern.

Das Migrationszentrum der Caritas

Im Libanon arbeitet Caritas international mit dem "Caritas Lebanon Migrant Center" (CLMC), der Fachstelle für Migration und Flüchtlinge der Caritas im Libanon, zusammen. Im Rahmen der Zusammenarbeit werden Gutscheine für Nahrungsmittel und Hygieneartikel verteilt, Mietbeihilfen, Schulbeihilfen und Zuschüsse zu Krankenhauskosten ausbezahlt und psychosoziale Unterstützung vor allem für Frauen und Mädchen geleistet.

Das Migrationszentrum  CLMC legt einen Schwerpunkt auf Sozialarbeit, sucht eine Mehrzahl der Flüchtlingshaushalte auch zuhause auf und identifiziert auf diese Weise überdurchschnittlich viele Fälle von sexueller Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung, Kinderarbeit, behinderten oder pflegebedürftigen Angehörigen. CLMC unterhält sichere Unterkünfte für weibliche Opfer von Gewalt und deren Kinder und arbeitet mit zahlreichen anderen spezialisierten Institutionen zusammen. Auch die Schulbeihilfe für Flüchtlingskinder ist fester Bestandteil der Arbeit.

Bildung als Hoffnungsschimmer

Ein weiterer Schwerpunkt der Hilfen liegt darin, Flüchtlingskindern den Besuch einer Schule zu ermöglichen. Viele von ihnen mussten ihre schulische Laufbahn wegen des Konflikts abbrechen. Manch ein Kind konnte sie wegen des vier Jahre herrschenden Ausnahmezustands erst gar nicht antreten. Das öffentliche Bildungssystem im Libanon ächzt nun unter der Belastung.

Libanon: SchulkinderCaritas finanziert syrischen Flüchtlingskindern das Schulgeld für ein SchuljahrJean Khoury

Vormittags sitzen die einheimischen Kinder in den Klassenzimmern, am Nachmittag wollen Hunderttausende syrische Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Um Flüchtlingskindern in Beirut und dem Libanongebirge eine bessere Perspektive in ihrem Leben zu bieten, finanziert Caritas international für ein Jahr die Schulbildung. 400 von ihnen lernen dadurch etwa Lesen und Schreiben, Englisch und Arabisch.

Die positiven Effekte dieses Projekts sind vielfältig, denn der Schulbesuch fördert auch die psychische Stabilität der Kinder und Jugendlichen. Sie können Selbstbewusstsein entwickeln und sich besser in die Gesellschaft ihres Gastlandes integrieren - was auch dazu beitragen kann,  Vorurteile gegenüber den Flüchtlingen abzubauen.

Januar 2016

Caritas international ruft weiter zu Spenden für die Flüchtlinge und Gewaltopfer auf.

Bitte spenden Sie Online oder per Banküberweisung auf folgendes Konto:

Kto-Nr. 202
Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
BLZ 660 205 00

Stichwort: Nothilfe Syrien