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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Syrien: Nothilfe im Kriegsgebiet

Ostteil AlepposDie Menschen in Ost-Aleppo leben in Ruinen, es mangelt ihnen an nahezu allem, v.a. an Nahrungsmitteln und Zugang zu medizinischer Versorgung.Foto: Angela Gärtner / Caritas international

Alles begann mit dem friedlichen Protest gegen die Verhaftung von Kindern in einer Stadt im Süden des Landes im Frühling 2011. Und es entwickelte sich zu einem blutigen Bürgerkrieg mit vielen verschiedenen Gruppierungen und, mit zunehmender Dauer, auch unter immer stärkerer Beteiligung internationaler Mächte. Ein kompliziertes Geflecht aus politischen, ethnologischen, religiösen und geopolitischen Interessen, denen bislang über 250.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Besonders betroffen ist, wie bei fast jedem Krieg, die Zivilbevölkerung. "Mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung wurde vertrieben, etwa 13,5 Millionen Syrer sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, unter ihnen sechs Millionen Kinder", berichtet unsere Mitarbeiterin Angela Gärtner, die das Land und unsere Partner vor Ort regelmäßig besucht. "Viele Menschen befinden sich zudem in Gebieten, die besetzt, belagert oder aus anderen Gründen schwer oder gar nicht zugänglich sind".

Neben der unmittelbaren Gefahr durch Beschuss und Luftangriffe, sind es auch immer wieder Anschläge, beispielsweise durch mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge, denen zahlreiche Menschen zum Opfer fallen. So wie im November 2017 in Deir as-Saur, im Osten des Landes, mit 75 Toten, ausgeführt vom sogenannten "Islamischen Staat".

Überlebenshilfe

Seit Beginn der Krise sind Hilfsprojekte von Caritas international unter anderem in Damaskus, Aleppo, Hama, Homs, Deir Ez-Zor, Tartous, Latakia, Idlib und im Nordosten Syriens in der Provinz al-Jaziré über die Caritas Syrien und andere lokale Partner initiiert worden. Unsere Helfer riskieren dabei jeden Tag aufs Neue ihr Leben, um bedürftigen Syrern mit dem Nötigsten helfen zu können. In den letzten Jahren konnte die Hilfe der Caritas in Syrien sogar noch weiter ausgeweitet werden. Und diese Hilfe wird auch dringend benötigt: Viele Menschen haben nach wie vor nicht genug zu essen für sich und ihre Familien, Wasser und Strom sind Mangelware, Preise für Dinge des täglichen Bedarfs und v.a. für Medikamente sind ins Unermessliche gestiegen. Der Schwerpunkt der Caritas-Arbeit in Syrien liegt deshalb weiterhin auf der Nothilfe: Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Decken, Matratzen und Winterhilfen in der kalten Jahreszeit. Meistens werden diese Hilfsgüter jedoch in Form von Gutscheinen verteilt. So können die Leute selber entscheiden, was sie am dringendsten benötigen. Die Unterstützung in Form von Gutscheinen hat sich nicht nur als effektiver erwiesen, sondern kurbelt gleichzeitig auch die lokalen Märkte an. Denn in Syrien mangelt es meistens nicht am Vorhandensein der Güter, die Menschen haben jedoch schlicht nicht mehr die finanziellen Mittel um sich zu versorgen.

Der Winter bereitet Sorgen

Dort, wo noch intakte Wohnhäuser stehen, helfen wir den Menschen auch mit Mietbeihilfen. Denn gerade in der kalten Jahreszeit, sind die Menschen auf trockene Unterkünfte angewiesen. "Der Winter bereitet uns natürlich Sorgen. Die meisten Menschen in Ost-Aleppo leben ohne die Möglichkeit zu heizen, oftmals in teilweise zerstörten Häusern ohne Fenster und Türen. Es gibt kein fließend-Wasser, kein Strom und die medizinische Versorgung können sich die Menschen nicht leisten", fasst Angela Gärtner die Problematik zusammen.

Krankenhäuser wurden im Krieg zerstört, viele Ärzte und Krankenschwestern sind ins Ausland geflohen und Medikamente sind nur noch schwer verfügbar oder extrem teuer. Deshalb engagiert sich die Caritas landesweit auch in Projekten zur medizinischen Versorgung. Neben überlebenswichtigen Operationen ist vor allem auch die Versorgung von chronisch Kranken und Krebspatienten ein Schwerpunkt.  Auch im Nordwesten Syriens, in der umkämpften Provinz Idlib in der Grenzregion zur Türkei, beteiligt sich Caritas international an einem Nothilfeprojekt für Vertriebene.

Hilfe für Kinder

NahrungsmittelverteilungDie Caritas verteilt Nahrungsmittel an die hungernden Menschen. Meistens findet die Hilfe jedoch in Form von Gutscheinen statt: so können die Menschen selber entscheiden, was sie am dringendsten brauchen, gleichzeitig belebt es die lokale WirtschaftFoto: Angela Gärtner / Caritas international

Viele Kinder können bereits seit Jahren nicht mehr zur Schule gehen, der Zugang zu Bildung ist beinahe um die Hälfte gesungen. In Syrien droht eine ganze Generation als Kriegsgeneration heranzuwachsen. Viele Projekte der Caritas kommen daher vor allem den Kindern zugute. So werden über 5.000 Kinder beim Schulbesuch unterstützt, beispielweise durch Nachhilfekurse um sie zum Wiedereinstieg in den normalen Schulunterricht zu befähigen oder durch die Bereitstellung von Schulmaterial. Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern werden zudem psychosozial betreut. Denn gerade für Kinder ist ein strukturierter Alltag wichtig um wieder Halt finden zu können. Freizeitaktivitäten wie Sport, Singen oder gemeinsames Basteln haben daher einen doppelten Nutzen: Ablenkung vom Alltag im Bürgerkriegsland sowie die psychosoziale Begleitung der Kinder. Mütter von Säuglingen und jungen Kindern können mit Hilfe von Gutscheinen Windeln und auch Milchpulver als Nahrungsmittelergänzung beziehen - denn immer mehr Kinder leiden Hunger.

Humanitäres Völkerrecht einhalten - Versorgung der Menschen ermöglichen

Caritas international fordert weiterhin alle Konfliktparteien dazu auf, den Schutz der Zivilbevölkerung und die Versorgung der Menschen in Syrien zu gewährleisten und die Angriffe auf die zivile Infrastruktur umgehend zu stoppen. "Die Frauen, Kinder und Männer dürfen nicht länger als Spielball in diesem grausamen Machtkampf missbraucht werden. Ebenso muss der Schutz der Helfer unbedingt geachtet werden. Das ist ein wesentlicher Bestandteil des humanitären Völkerrechts und die Voraussetzung für die Versorgung der notleidenden Menschen", so der Leiter von Caritas international, Dr. Oliver Müller.

Caritas-Projekte in Damaskus, Ghouta, in der Region Qalamoun, Homs sowie in und um Tartous und Latakia werden vom Auswärtigen Amt unterstützt.