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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Unsere Hilfe orientiert sich an der Bedürftigkeit

Frederic Wiesenbach, Caritasmitarbeiter im LibanonFrederic Wiesenbach bei der Registrierung von Flüchtlingen im Caritas Migration Center in Beirut, LibanonFoto: Caritas Libanon

Die Caritas Libanon arbeitet im Libanon mit Flüchtlingen zusammen - wie sieht die Hilfe konkret aus?

Caritas international unterstützt gemeinsam mit der Caritas Libanon in einem Zentrum für Migrantinnen und Migranten syrische und irakische Flüchtlinge, Palästinenser aus Syrien und auch zunehmend Libanesen selbst. Die Hilfen bestehen aus Gutscheinen für Nahrungsmittel sowie für den Einkauf von Hygieneartikeln, Seife und Windeln und Mietbeihilfen. Außerdem ko-finanzieren wir medizinische Versorgung für Flüchtlinge, denn in der Regel deckt das  die Flüchtlingshilfe der UN nicht vollständig ab. Wir bieten den Flüchtlingen darüber hinaus auch psycho-soziale Hilfen an. Das heißt, wir unterstützen Flüchtlinge, die Opfer sexualisierter oder geschlechtsbasierter Gewalt sind oder die auf andere Weise traumatisiert sind.

Wie viele Flüchtlinge gibt es aktuell im Libanon?

Im Libanon leben rund zwei Millionen Flüchtlinge, das heißt, dass ungefähr jede vierte Person im Land vor dem Krieg in Syrien in den Libanon geflüchtet ist. Hinzu kommen fast 450.000 Palästinenser, die schon seit Generationen im Libanon leben, sowie Flüchtlinge aus dem Irak. Die Bevölkerung leidet unter dem enormen Bevölkerungszuwachs. So sind Schulen überfüllt, die Infrastruktur kommt an ihre Grenzen und die Arbeitslosigkeit ist massiv gestiegen. Dennoch ist es beeindruckend, mit welcher Offenherzigkeit und Toleranz die Flüchtlinge von den meisten Libanesen aufgenommen werden! Trotzdem darf man die Not mancher Libanesen nicht aus den Augen verlieren und muss dort helfen, wo Hilfe am notwendigsten ist.

Wie ist die Lage im Land?

Die Lage ist nach wie vor sehr angespannt. So wurde die Grenze nach Syrien für Flüchtlinge praktisch geschlossen und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen wurde angewiesen, keine weiteren Flüchtlinge zu registrieren. Das heißt, dass Menschen auf der Flucht Syrien nicht verlassen können und die Syrer, die nicht offiziell registriert sind, - unabhängig von ihrer Bedürftigkeit - von vorneherein von jeglicher Hilfe durch das Flüchtlingshilfswerk ausgeschlossen sind.

Die Lage der Flüchtlinge ist sehr angespannt. Viele Familien wohnen in sehr schlechten Behausungen - Wohnungen kann man das schon nicht mehr nennen -, die dunkel, feucht und verschimmelt sind. Ein anderer Teil der Flüchtlinge wohnt in inoffiziellen Zeltsiedlungen ohne fließend Wasser oder ausreichend Duschen und Toiletten.

Hinzukommt, dass das Welternährungsprogramm die Nahrungsmittelhilfe massiv reduziert hat, von 30 Dollar monatlich pro Person auf 13 Dollar monatlich pro Person. Aber auch der Kreis der Menschen, die Geld erhalten, wurde reduziert. Viele Flüchtlinge verkaufen ihr Hab und Gut, um sich ernähren zu können. Außerdem werden Kinder von den Schulen genommen, um Geld für die Familie verdienen zu können.

Die Hilfe von Caritas ist unabhängig von der Registrierung beim Flüchtlingshilfswerk, da wir Flüchtlinge selbst registrieren und deren Bedürftigkeit in Hausbesuchen ermitteln.

Frederic Wiesenbach arbeitet seit Oktober 2014 für Caritas international in Beirut.

August 2015